| 20:58 Uhr

SV Elversberg
Dürholtz bringt das Emotions-Fass zum Überlaufen

Emotionaler Ausbruch: Die Elversberger feiern das Siegtor zum 4:3 von Luca Dürholtz (Mitte) in der Nachspielzeit.
Emotionaler Ausbruch: Die Elversberger feiern das Siegtor zum 4:3 von Luca Dürholtz (Mitte) in der Nachspielzeit. FOTO: Thomas Wieck
Elversberg. SV Elversberg gewinnt verrücktes Kellerduell gegen Regionalliga-Aufsteiger Dreieich durch ein Tor in der 94. Minute mit 4:3. Von Heiko Lehmann

Es läuft die vierte Minute der Nachspielzeit vor 687 Zuschauern an der Kaiserlinde in Elversberg. 3:3 steht es im verrückten Kellerduell zwischen der SV Elversberg und Aufsteiger SC Hessen Dreieich. Es gibt noch einmal Eckball für die SVE. Luca Dürholtz, der bei Standards normalerweise den Rückraum gegen Konter absichern soll, geht mit nach vorne. „Das war mir in der Situation egal. Ich wusste, dass es nur noch wenige Sekunden zu spielen waren“, sagte Dürholtz.


Der 25-Jährige joggt in Richtung des zweiten Pfostens, während sich Alban Meha den Ball an der Eckfahne zurecht legt. „Die Eckbälle kommen an den ersten Pfosten und werden dort direkt aufs Tor geköpft oder verlängert. Am zweiten Pfosten war noch nicht so viel los, also bin ich dahin“, sagte Dürholtz. Meha bringt den Ball an den ersten Pfosten, Oliver Stang verlängert – und Dürholtz drückt die Kugel am zweiten Pfosten aus einem Meter über die Linie. 4:3 für Elversberg. Dürholtz dreht ab und rennt, verfolgt von allen Mitspielern, Richtung Mittellinie, die Trainer, Betreuer und Ersatzspieler stürmen den Platz. Solche Emotionen hat man in Elversberg lange nicht mehr gesehen.

„Der Fußballgott scheint aus dem Urlaub zurück zu sein“, sagte ein strahlender SVE-Präsident Dominik Holzer, der ebenfalls auf den Platz lief. Bis zur 90. Minute war der Fußballgott aber mit Sicherheit noch nicht zurück aus dem Urlaub. Die SVE spielte ihren Gegner fast über die gesamte Spieldauer an die Wand. Pierre Kleinheider im Tor der Hessen hielt in der 8. Minute einen Dürholtz-Schuss aus 16 Metern und eine Minute später eine Eins-gegen-Eins-Situation gegen Kevin Koffi, der dem Schlussmann aus einem Meter in die Arme lupfte. Angreifer Koffi hatte danach mehrfach die Führung auf dem Fuß.



Die Hessen hatten dagegen gerade einmal zwei Situationen am Elversberger Strafraum – beide Szenen führten zu Toren. Zwei Mal zog Danny Klein von links nach innen – in der 11. Minute traf Klein zum 0:1, in der 21. Minute zum 0:2. „Was mich heute am meisten beeindruckt hat, war die Moral der Jungs. Die haben auch nach einem 0:2 einfach weiter gemacht und Vollgas gegeben. Es gingen keine Köpfe runter, und am Ende wurden alle belohnt“, sagte SVE-Trainer Roland Seitz.

Nach einer scharfen und flachen Hereingabe von Nils Winter grätschte der Ex-Saarbrücker Kevin Pezzoni den Ball zum 1:2 ins eigene Tor (34.), nach einem Foul an Lukas Kohler im Strafraum verwandelte Stang den Elfmeter humorlos mit dem Vollspann zum 2:2 (45.). Es war einer von drei Elfmetern, die die SVE vor der Pause hätte bekommen können. Zudem traf Manuel Feil aus 16 Metern nur den Pfosten.

Auch im zweiten Durchgang war die Überlegenheit der SVE erdrückend, aber das Konterspiel der Hessen brutal effizient. Danny Klein erzielte mit seinem dritten Treffer das 3:2 für Dreieich (55.). Doch auch der erneute Rückstand warf die SVE nicht aus der Bahn. Es folgte eine Vielzahl an klaren Chancen, von denen Koffi eine zum ersten Stürmertor der SVE und zum 3:3-Ausgleich nutzte (74.). „Endlich hat es geklappt. Wir sind heute alle sehr stolz auf unsere Leistung“, sagte Koffi. Das Fass der Emotionen brachte Dürholtz in der Nachspielzeit schließlich zum Überlaufen. Nach zwei Siegen in Folge steht die SVE zwar immer noch auf einem möglichen Abstiegsplatz, hat aber nur vier Punkte Rückstand auf Platz drei.