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Paralympics stellen Olympia in den Schatten

Paralympics stellen Olympia in den Schatten

Morgens um 8 Uhr schon lange Schlangen. Das Transportsystem zum Olympiapark am Limit, begeisterte Athleten. Volle Hallen statt vieler leerer Plätze wie bei den Sommerspielen. Die Paralympics in Rio überraschen.

Wer hätte das gedacht? Wo zwischenzeitlich nicht einmal sicher war, ob die Paralympics in Rio de Janeiro stattfinden können, reißen sich die Brasilianer nun um Tickets. Im Olympiapark herrscht Volksfeststimmung, lange Schlangen vor dem Logo der Paralympics , um ein Erinnerungsfoto zu schießen. Und die Athleten mit Behinderung werden gefeiert, egal aus welchem Land sie kommen.

Mit rund 167 000 Besuchern wurde am Samstag ein Rekord im Olympiapark aufgestellt, zusammen mit den anderen Wettkampfstätten waren es 250 000 Besucher - das gab es an keinem Tag bei Olympia. Wahrscheinlich werden über zwei Millionen der knapp 2,5 Millionen Tickets verkauft werden. Schon morgens gibt es lange Schlangen am Eingang des Olympiaparks im Stadtteil Barra, das Bus-Transportsystem ist am Limit. Es ist rappelvoll, draußen im Park wie in den Arenen. Und es gibt großen Sport, schon über 100 Weltrekorde wurden erzielt.

Der Radweg am Olympiapark ist fest in Hand der Rollstuhlfahrer - es gibt ein herzliches Miteinander, viele Verbrüderungsszenen - beim Triathlon in Copacabana kommen spontan hunderte Strandbesucher an die Strecke. Brasilianische Medien erklären ausführlich die Sportarten - und zeigen die schönsten Prothesen : Die einen sind in Länderfarben gehalten, andere sehen aus wie eine Fuß-Nachbildung in Flip-Flops, wie zum Beispiel die des Sitzvolleyballers Renato Oliveira. Böse Zungen meinen schon, dass die Olympischen Spiele mit ihren großen Problemen nur eine Generalprobe für die Paralympics gewesen seien.

Und es gibt nicht diese Bilder mit tausenden leeren Sitzen. Selbst beim Vorrundenspiel der deutschen Goalballer gegen Kanada (5:7) waren rund 12 000 Zuschauer in der Future-Arena. Goalballer Michael Feistle meint: "In der heimischen Liga spielen wir, wenn es hochkommt, vor 100 bis 200 Zuschauern. Die Atmosphäre hier ist etwas ganz Besonderes." Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Friedhelm Julius Beucher, sieht in den gesenkten Preisen einen Grund: "Die Paralympics werden zum bezahlbaren Sportereignis für Brasiliens Bevölkerung." Die Olympia-Tickets seien für viele zu teuer gewesen.

Als die Olympischen Spiele zu Ende gingen, waren die Befürchtungen die Schlimmsten: Philip Craven, Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, meinte: "Noch nie in der 56-jährigen Geschichte der Paralympische Spiele haben wir so schwierige Rahmenbedingungen erlebt wie hier." Zuschüsse zu den Reisekosten wurden nicht wie geplant überwiesen, zehn Nationen drohten mangels Geld die Spiele zu verpassen. Dann wurde erst eine entscheidende Finanzspritze von knapp 70 Millionen Euro von Stadt und Regierung angekündigt - und plötzlich zog das Interesse rasant an. Selbst die fliegenden Händler an der Copacabana haben umgeschwenkt: Paralympic-Shirts seien gefragter als Olympia-T-Shirts, sagt einer.

Zum Thema:

Auf einen Blick Nicole Nicoleitzik und Vanessa Braun vom TV Püttlingen haben bei den Paralympics im Weitsprung ihrer Schadensklasse T38 eine vordere Platzierung verpasst. Nicoleitzik wurde beim Sieg der Chinesin Junfei Chen (4,77 Meter) mit 4,05 Metern Zehnte. Braun belegte mit der persönlichen Bestleistung von 3,98 Metern den 13. Platz. Claudia Nicoleitzik, die über 100 Meter in der Klasse T36 die Silbermedaille gewonnen hatte, erreichte gestern über 200 Meter in 31,18 Sekunden den Endlauf. Dieser findet heute um 15.50 Uhr unserer Zeit statt. Maike Hausberger, die vierte Athletin vom Stützpunkt in Saarbrücken, hatte gestern ihren ersten Auftritt in Rio de Janeiro . Über 400 Meter kam sie in 1:12,22 Minuten ins Ziel und schied aus. red