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Jubel nach kurzer Wartezeit

Jubel nach kurzer Wartezeit

Nach einem desaströsen Start haben die deutschen Turnerinnen um die Saarländerin Pauline Schäfer in Rio de Janeiro die Olympia-Tickets für die Spiele im August gebucht. Der Jubel war dementsprechend groß.

Auf das Endergebnis mussten die deutschen Turnerinnen wegen eines Stromausfalls in der Olympia-Arena bis in den späten Abend warten. Alle drei Generatoren hatten in der Hitze von Rio de Janeiro den Geist aufgegeben. Dem Jubel der Deutschen tat die Panne keinen Abbruch. Mit 223,977 Punkten war nach einigem Auf und Ab schließlich die Qualifikation für die Olympischen Spiele erreicht. Hinter Gastgeber Brasilien (226,477 Punkte) belegte Deutschland Platz zwei. Als Dritter und Vierter lösten Belgien mit 221,438 Zählern und Frankreich (220,869) ebenfalls die Olympia-Tickets.

Die WM-Dritte Pauline Schäfer wischte sich verstohlen eine Träne von der Wange. Bundestrainerin Ulla Koch atmete erst einmal tief durch. "Am Balken dachte ich nur: Nicht noch einmal. Nicht noch einmal so etwas wie in Glasgow", sagte sie. Bei der WM hatte die deutsche Riege im Oktober am "Zitter-Balken" mit einer Sturzserie die erhoffte direkte Olympia-Qualifikation verpasst. "Wir haben alle so viel aus Glasgow gelernt. Wir haben besser trainiert, wir hatten hohe Stabilität, die Mannschaft hat viel mehr gekämpft", erklärte Koch: "Alles das, was wir an negativen Sachen aufgearbeitet haben, hat heute wunderbar geklappt."

Dabei erwischten die Deutschen in der Nacht zu Montag am Schwebebalken einen holprigen Start. Die Karlsruherin Pauline Tratz musste gleich zwei Mal von dem Gerät, das wie in den gelb-grünen Nationalfarben des Gastgebers gehaltenen war. Sophie Scheder ging es nicht viel besser. "Es war die Nervosität", räumte Tratz ein. Danach habe sie aber versucht, "das alles abzuhaken und weiter mit der Mannschaft dabei zu sein".

Das beste deutsche Mehrkampfergebnis lieferte überraschend nicht eine von Kochs etablierten Turnerinnen ab, sondern mit 55,998 Punkten Tabea Alt aus Ludwigsburg. "Wichtig war nur, der Mannschaft zu helfen. Ich habe sogar ein paar Schwierigkeiten rausgenommen", erklärte die 16-Jährige.

Hingegen unterstrichen Elisabeth Seitz (15,166) und Sophie Scheder (15,000) mit den Höchstnoten am Stufenbarren ihre Anwartschaft auf einen Finaleinzug bei den Olympischen Spielen. Auch die Saarländerin Schäfer (Balken) und Leah Grießer (Boden) schafften den Sprung in die Medaillenkämpfe bei dem Wettkampf in der Nacht zu heute. Schäfer gelangen in ihrer Paradedisziplin sehr gute 14,500 Punkte. Damit unterstrich sie, dass nach der WM-Bronzemedaille in Glasgow auch bei Olympia im August mit ihr zu rechnen sein wird. Kochs größtes Lob galt aber den Nachwuchsturnerinnen. "Ich fand toll, wie die Jungen mit Verantwortung übernommen haben. Das haben sie grandios gemacht", befand sie: "Dass Leah Grießer zwei brillante Übungen turnt und Tabea Alt mit ihren gesundheitlichen Problemen das beste Ergebnis erreicht - großer Respekt, wie die Mädels gekämpft haben."

Welche Stimmung in der am vergangenen Wochenende oft nur spärlich gefüllten, rund 15 000 Zuschauer fassenden Arena im August herrschen könnte, zeigte sich beim Auftritt der Gastgeberinnen. Die Fans peitschten sie begeistert zu Höchstleistungen. Trauer herrschte derweil beim einstigen Seriensieger Rumänien, der als Vorletzter scheiterte.