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Feilen an der Feinabstimmung

Feilen an der Feinabstimmung

Beim Turn-Länderkampf in Chemnitz prüft Pauline Schäfer an diesem Samstag letztmalig ihre Olympia-Form. Es ist die Generalprobe vor dem Wettkampf ihres Lebens. Den Koffer für Rio hat die Saarländerin schon gepackt.

Vier Jahre hat Spitzenturnerin Pauline Schäfer wie eine Besessene trainiert, auf vieles verzichtet und Freizeit entbehrt, auf dem langen und ereignisreichen Weg zu den Olympischen Spielen. In zwei Wochen ist es endlich soweit. Im fernen Brasilien wird für die 19 Jahre alte Saarländerin der Traum aller Sportler wahr. Rund 15 000 Zuschauer vor Ort und ein Millionen-Publikum an den Bildschirmen schauen dann zu, wie die WM-Bronzemedaillen-Gewinnerin von Glasgow in Rio de Janeiro ihren "Schäfer-Salto" zelebriert.

Aufgeregt sei sie nicht, nur voller Vorfreude. "Auch auf das Olympische Dorf, das im April noch eine Baustelle war. Ich bin sehr gespannt", verrät Schäfer und erinnert an das erfolgreiche Test-Event in Rio. Dank ihres WM-Coups hatte die Saarländerin ihr Einzelticket da schon in der Tasche gehabt. Nach der erfolgreichen Qualifikation des Nationalteams im zweiten Anlauf darf sie nun am 7. August in der riesigen HSBC-Arena doppelt ran.

"Einlaufkleidung geht gar nicht"

Bevor sie in Rio versucht, sich in ein Finale zu turnen, prüft die Bierbacherin am Samstag in der Heimat letztmalig die Form. Bei dem vom TuS Chemnitz-Altendorf ausgerichteten Turn-Länderkampf tritt die seit 2012 am Bundesstützpunkt Chemnitz trainierende Weltklasse-Athletin ab 16 Uhr gegen Top-Turnerinnen aus Frankreich oder der Schweiz an. Ein willkommenes "Warmup" für die deutschen Rio-Fahrerinnen. "Das Niveau ist hoch, aber natürlich nicht mit Olympia vergleichbar. In Rio treffen wir auf die Weltspitze", weiß Schäfer und hat sich entsprechend vorbereitet. Ihre Weltklasse-Übung am Schwebebalken motzte sie mit weiteren Sprüngen, Drehungen und kniffligen Verbindungen auf und hievte sie auf Olympia-Niveau.

Am Frankfurter Olympiastützpunkt arbeitet die mehrfache deutsche Meisterin gerade an der Feinabstimmung. "Das Training ist anstrengend. Am Balken läuft es noch nicht so, wie ich mir das vorstelle. Das muss alles noch stabiler werden. Aber ich arbeite daran und bin optimistisch, dass ich es bis zum Olympia-Start hinbekomme", erzählt Schäfer.

Neben der Form muss natürlich auch das Outfit stimmen. Bei der Einkleidung in Hannover bekam jeder Olympia-Starter jüngst einen vollen Kleidersack verpasst. Vom Trainingsanzug bis zu den Badelatschen ist alles drin. Es seien viele schöne Teile dabei, aber auch skurrile Kombinationen, findet Schäfer. "Die Einlaufkleidung geht gar nicht. Eine Leggings , darüber ein eng anliegendes Kleid, das fast bis zum Boden hängt und darüber ein rotes Netz-Shirt - das kann man noch nicht mal an Fasching anziehen", findet Schäfer und ergänzt schmunzelnd: "Der Einmarsch kollidiert mit unserem Trainingsplan. Wir müssen ihn wohl ausfallen lassen - leider."

Halle ist extrem klimatisiert

Die Vorbereitung in Rio findet in riesigen Trainingshallen statt, die stark klimatisiert sind. "In der Olympia-Halle war es auch sehr kühl, draußen extrem heiß. Es dauerte, bis sich der Körper angepasst hatte. Ansonsten sind die Bedingungen gut", berichtet Schäfer von ihren Erfahrungen im April. Nach dem Länderkampf in Chemnitz treffen sich die Nationalturnerinnen abschließend zu einer Trainingswoche in Frankfurt, wo am 30. Juli der Flieger Richtung Rio abhebt. Große Erwartungen und Ziele sind dann mit an Bord. "Wir haben diesmal eine sehr starke Mannschaft und wollen ins Teamfinale. Die Chance besteht", betont Pauline Schäfer. Den Fokus legt sie aber auf den Einzelstart am Paradegerät. "Mein größter Traum ist es, ins Schwebebalken-Finale einzuziehen. An eine Medaille denke ich noch nicht. Erst qualifizieren, danach ist alles offen - und die Karten werden neu gemischt."