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Radsport
Froome steigt unbeeindruckt weiter aufs Rad

Da ist er wieder, der Star des Sky-Rennstalls: Doch der Brite Christopher Froome steht unter Beobachtung.
Da ist er wieder, der Star des Sky-Rennstalls: Doch der Brite Christopher Froome steht unter Beobachtung. FOTO: Christophe Ena / dpa
Camaiore. Der britische Radsport-Star tritt ab heute bei einer Fernfahrt in Italien an. Die Doping-Diskussionen werden einfach ausgeblendet.

Der frühere Toursieger Bradley Wiggins und sein ehemaliges Sky-Team stehen nach einem Bericht des britischen Parlaments unter massivem Druck. Wiggins ist nicht mehr aktiv, sein Nachfolger als Toursieger, Chris Froome, allerdings schon. Er fährt noch – trotz erheblicher Erschütterungen um ihn herum. Der viermalige Gewinner der Frankreich-Rundfahrt startet heute trotz einer drohenden Doping-Sperre bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico.


Froome und der Spiritus Rector des sagenhaften Sky-Erfolges seit 2012, Sir Dave Brailsford, verweigern beharrlich einen freiwilligen Rückzug. Die von vielen Arbeitskollegen, Teamchefs und dem Weltverbands-Chef David Lappartient empfohlene Suspendierung bis zur Klärung der Vorwürfe um erhöhte Werte des Asthma-Mittels Salbutamol hätten die Froome-Affäre längst beruhigen können. Nun kommt der Parlamentsbericht, in dem auch ein Rückzug Brailsfords gefordert wurde, hinzu. Damit wird es bei jedem Auftritt nur noch dieses eine Thema geben.

Der 32 Jahre alte Brite ist aber weiter unbeirrt auf dem Weg zu seinen Saison-Höhepunkten Giro d‘Italia (4. bis 24. Mai) und Tour de France (7. bis 29. Juli). Die mit einem Teamzeitfahren in Camaiore startende und exzellent besetzte italienische Fernfahrt Tirreno-Adriatico ist eine weitere Station dorthin. Der Topsprinter Marcel Kittel will endlich seinen ersten Saisonsieg unter Dach und Fach bringen und im Auftakt-Zeitfahren eine gute Figur machen. In Bezug auf Froome und Wiggins sprach er von einem „Supergau für den Radsport“, der „Erinnerungen an eine Zeit hervorruft, von der wir uns alle so sehr distanzieren wollen“.

Weil die auffälligen Werte der Kontrolle vom 7. September 2017 weiter geprüft werden, darf Froome vorerst weiterfahren. Jegliche Doping-Absichten mit dem Asthmaspray – er wies den doppelten Wert des als Therapeutikum Erlaubten auf – hatte der Seriensieger rigoros von sich gewiesen. Drei Tage nach der folgenschweren Kontrolle in Spanien sicherte er sich zum ersten Mal den Vuelta-Sieg. Froomes Anwälte und Ärzte sollen angeblich ein Nierenproblem für den Anstieg der Werte ausgemacht gemacht haben.

Der Weltverband UCI hat auch sechs Monate nach der Kontrolle auf das bis zu einem Grenzwert erlaubte Präparat immer noch keine Entscheidung getroffen. Referenzen sind vergleichbare Fälle der vergangenen Jahre: Der Italiener Alessandro Petacchi erhielt 2008 zehn Monate Sperre, sein Landsmann Diegeo Ulissi 2014 neun Monate.



Froome trifft bei der siebentägigen Rundfahrt in Italien unter anderen auf Giro-Gewinner Tom Dumoulin, Tour-Sieger Vincenzo Nibali, Vuelta-Gewinner Fabio Aru und Ex-Teamkollege Richie Porte – und er wandelt auf den Spuren des abgetretenen Alberto Contador, der trotz des positiven Doping-Befundes bei der Tour 2010 zunächst weiterfahren und Siege einheimsen durfte. Nach einem juristischen Marathon war er zwei Jahre später gesperrt und sein 2011 errungener Giro-Sieg aberkannt worden.

Vielleicht muss auch Bradley Wiggins noch um sein Gelbes Trikot von 2012 zittern. Froomes ehemaliger Teamkollege, nach seinem Olympiasieg von London von der Queen zum Ritter geschlagen, wies Dopingverdächtigungen gegen ihn erneut scharf zurück. In einem BBC-Interview sprach der 37 Jahre alte Brite von einer „Hexenjagd“ und einer „Hölle auf Erden“. Seine Kinder würden in der Schule angefeindet. In dem Parlamentsbericht hieß es, der fünffache Radsport-Olympiasieger habe eine leistungssteigernde Substanz dazu genutzt, die Tour 2012 zu gewinnen. Damit habe er zwar nicht gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen, wohl aber gegen die ethischen Prinzipien seines Rennstalls, der 2010 mit einer angekündigten „Null-Toleranz“-Politik gegen Doping angetreten war.

Vor der Tour de France 2012 hatte Wiggins eine Ausnahmegenehmigung erhalten und durfte das Mittel Triamcinolon zur Behandlung medizinischer Probleme einnehmen. Das Arzneimittel wird normalerweise dazu verwandt, Allergien und Atemwegserkrankungen zu behandeln. Wiggins erklärte, er habe es ausschließlich aus medizinischen Gründen genommen. „Absicht, das ist der Schlüssel. War da eine Leistungssteigerung? Das kann gut sein, aber so waren die Regeln zu der Zeit“, sagte Wiggins. Auf die Frage, ob er ausschließen könne, jemals in seiner Karriere betrogen zu haben, betonte er: „Zu einhundert Prozent.“