| 21:15 Uhr

Fußball-WM 2018
Erfahrene Spieler ziehen das Tempo an

Watutinki. Vor dem ersten deutschen WM-Auftritt am Sonntag gegen Mexiko ist im Training mehr Zug drin.

Genug geredet – jetzt müssen Joachim Löw und die Goldjungs von 2014 ihr wahres fußballerisches Leistungsvermögen offenbaren. Die WM-Vorbereitung lief holprig, die öffentliche Aufregung um Mesut Özil und Ilkay Gündogan kostete Energie. Aber gegen Mexiko soll der erste Schritt zur historischen Titelverteidigung gelingen.


„Endlich geht‘s los“, lautete zwei Tage vor dem Anpfiff für den Weltmeister der Standardsatz im Teamquartier von Watutinki, wo der Bundestrainer alle 23 fitten Akteure abgeschirmt von der Außenwelt in Sitzungen und geheimen Taktikeinheiten auf den Tag X einschwört. „Eine gute Vorbereitung ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Löw.

Teammanager Oliver Bierhoff konnte am Freitag Positives aus dem Innenleben kundtun. Die Spieler haben aus den mauen Tests gegen Österreich (1:2) und Saudi-Arabien (2:1) Schlüsse gezogen. „Gerade die erfahrenen Spieler haben das Tempo angezogen“, sagte Bierhoff. Immerhin schieden drei der letzten vier Weltmeister bei der nächsten WM in der Vorrunde aus. „Die Gefahr besteht immer, gerade wenn man viel Potenzial hat und denkt, die Dinge kommen von alleine“, warnte der Ex-Nationalspieler.



Die internen Anführer wie Kapitän Manuel Neuer, Mats Hummels, Sami Khedira oder Toni Kroos hätten seit der Ankunft in Russland „den Fokus noch stärker drauf gerichtet, von der ersten Sekunde an im Spiel da zu sein“. WM-Neuling Joshua Kimmich bestätigte: „Im Training ist viel Zug drin. Wir wollen einen guten Start erwischen.“

Am Samstag wird die Anspannung mit dem letzten Training im Moskauer Luschniki-Stadion weiter erhöht. Am Sonntag ertönt dann um 18 Uhr Ortszeit (17 Uhr MESZ/ZDF und Sky) in der Endspielarena der Anpfiff für den Champion. Die über 80 000 Zuschauer fassende Luschniki-Arena soll Anfangs- und Endpunkt der maximal über sieben Spiele führenden deutschen WM-Tour werden. Die Nummer eins wird zunächst vom Weltranglisten-15. Mexiko herausgefordert. „Es kommt ein Gegner auf uns zu, der uns alles abverlangen wird“, glaubt Löw.

Der Bundestrainer will Taten sehen: „Es ist logisch, dass man nicht alles einfach wieder abrufen kann, indem man davon spricht. Wir müssen es uns wieder auf dem Platz erarbeiten.“ Der Weltmeister-Coach blickt nicht weit voraus, sondern zunächst nur auf die Gruppenphase. „Wir wissen schon, was in der Vorrunde auf uns zukommt. Schweden, Südkorea, wahrscheinlich auch Mexiko werden defensiv spielen. Wir müssen uns gegen dichte, massive Abwehrreihen in Szene setzen und Lösungen finden“, sagte Löw.

Wem traut er das gerade offensiv zu? Timo Werner ist vorne gesetzt. Thomas Müller sowieso. Auf Özil hat der Bundestrainer noch nie in einer Turnier-Startelf verzichtet. Die am meisten diskutierte Frage lautet, ob Löw seine „Rakete“, den Dortmunder Marco Reus, sofort startet – oder eben doch der erprobte Confed-Cup-Kapitän Julian Draxler beginnen darf. Özil? Draxler? Reus? „Ich weiß es nicht, das wird spannend“, antwortete Bierhoff: „Am Ende wird so ein bisschen das Bauchgefühl des Trainers entscheidend sein.“

Dieses riet Löw bereits dazu, den lange verletzten Kapitän Manuel Neuer wieder zur Nummer 1 zu ernennen. Auch Jérôme Boateng hat er trotz Rückständen nach einer Oberschenkelblessur als „Pfeiler“ im Abwehrzentrum fest eingeplant. Kein gutes Omen ist jedenfalls Schiedsrichter Alireza Faghani: Der Iraner pfiff bei den Turnieren in den vergangenen beiden Jahren drei deutsche Begegnungen – dabei gab es keinen Sieg.