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LSVS-Skandal
Die schwarze Null steht beim LSVS über allem

Beim Landessportverband geht es nur in eine einzige Richtung, wenn es nach Sanierer Michael Blank und Minister Klaus Bouillon geht.
Beim Landessportverband geht es nur in eine einzige Richtung, wenn es nach Sanierer Michael Blank und Minister Klaus Bouillon geht. FOTO: Thomas Wieck
Saarbrücken. Innenminister Klaus Bouillon erklärt das Sanierungskonzept für alternativlos. Den Gesamtvorstand will er am Dienstag überzeugen. Von Kai Klankert
Kai Klankert

Die Worte von Klaus Bouillon sind eindringlich. Und sie lassen keinen Spielraum für Spekulationen zu. „Wenn der Gesamtvorstand dem Sanierungskonzept nicht zustimmt, wird der LSVS liquidiert“, sagte der Innenminister am Freitag bei einem Pressegespräch in Saarbrücken – flankiert von Berater Günter Staab, einem renommierten Insolvenzverwalter, und Staatssekretär Christian Seel.


Klar ist: Der LSVS hat knappe 20 Millionen Euro Schulden bei der Landesbank Saar. Und er braucht zehn Millionen Euro frisches Geld, um bestehende Forderungen zu begleichen. So steht es im Papier von LSVS-Sanierer Michael Blank. Allerdings hat der LSVS darüber hinaus ein strukturelles Defizit von etwa 2,3 Millionen Euro pro Jahr. „Der LSVS braucht eine schwarze Null, sonst kriegt er von keiner Bank der Welt Geld“, sagte Berater Staab.

Die schwarze Null ist das Ziel. Erreicht werden soll sie im Wesentlichen mit der Änderung der Personalstruktur. 1,5 Millionen Euro sollen so eingespart werden, nur 77 von 182 Mitarbeitern sollen bleiben. Weitere 500 000 Euro kommen über eine indirekte Subvention des Landes. Die Energiekosten sollen über die Universität des Saarlandes abgerechnet werden, wie es das in der Vergangenheit schon mal gab. Dafür soll der Etat der Uni angehoben werden. Die übrigen 300 000 Euro sind Einsparungen bei Sachkosten.



Stimmt der Gesamtvorstand am kommenden Donnerstag nicht zu, wird das Ministerium einen Staatskommissar einsetzen, mutmaßlich Staab. Und der hätte dann nur eine Aufgabe: „den Verband abwickeln“, wie Bouillon betonte: „Aber genau das wollen wir nicht.“

Deswegen versprüht er durchaus Optimismus. Und den will er am Dienstag, zwei Tage vor der Entscheidung, an den Gesamtvorstand mit Vertretern aller Sportfachverbände weitergeben. Er hat sie eingeladen, um zu informieren und um für Vertrauen zu werben. Und um Wogen zu glätten, weil eine Kommunikation von Sanierer Blank praktisch kaum existierte. Die letzte Gesamtvorstandssitzung datiert aus dem März, alle danach anstehenden wurden abgesagt.

„Wir wollen den Saarsport retten, nicht aber die Strukturen des Saarsports“, sagte Bouillon. Angleichen der Parkgebühren an die Verhältnisse der angrenzenden Uni, Auslagern von Abteilungen wie Reinigung oder EDV und auch die Schließung der Mensa seien alternativlos. Gerade letztgenannter Punkt sorgt bei Verbänden und Sportlern für Unverständnis, ist der Sportlertreff doch das Herzstück der Sportschule. „Wir standen vor der Frage: Welche Grausamkeit ist die schlimmste?“, sagte Berater Staab. So habe Sanierer Blank zunächst vorgeschlagen, Sportstätten zu schließen, etwa die Schwimmhalle. Das aber hätte den Sport zu sehr getroffen. Und die Verpflegung sei ja sichergestellt. Über die Mensa der Uni. Und über einen externen Caterer in den jetzigen Räumen der Mensa. Dieser werde etwa die Sportschüler des Rotenbühl-Gymnasiums versorgen.

Stimmt der Gesamtvorstand dem Konzept zu, werden die Diskussionen aber nicht weniger. Im Gegenteil. Der Forderung des Koalitionspartners SPD, der LSVS und die gesamte Förderung des Saarsports, müsse neu strukturiert und transparenter werden, stimmte Bouillon zu. „Daran arbeiten wir auch schon“, sagte er. So habe er veranlasst, dass der Förderausschuss Spitzensport mit Mitteln von Saartoto und Evonik nicht mehr tagen werde. Das Geld soll der LSVS künftig über ein noch zu benennendes, unabhängiges Gremium verteilen.

Die Sportplanungskommission (Plako), die den Bau und Erhalt von Sportstätten im Land unterstützt, stehe nicht zur Debatte. Sie funktioniere gut. Alle Altbescheide würden beglichen, alle aktuellen Anträge wurden am Donnerstag positiv beschieden. Tatsächlich hat die Plako sogar großen finanziellen Spielraum. Nicht abgerufene Gelder aus der Vergangenheit hatte der LSVS verwandt, um eigene Löcher zu stopfen. Daraus ergeben sich Forderungen von knapp acht Millionen Euro an den LSVS. Sechs Millionen bleiben abzüglich der aktuellen Bescheide übrig. Im Durchschnitt habe die Plako zuletzt 2,3 Millionen Euro jährlich ausgeschüttet, informierte Staatssekretär Seel.

Ein großes Thema wird sein, wie sich der LSVS an der Spitze künftig aufstellt. Hauptamtlich? Weiter mit Präsidenten diverser Fachverbände? Das aktuelle Präsidium, das bei der nächsten Mitgliederversammlung des LSVS am 16. September angeblich geschlossen zurücktreten wird, nahmen Bouillon, Staab und Seel in Schutz, weil sie bereit seien, die Sanierung zu begleiten. Die Frage der Erkennbarkeit des gewaltigen Haushaltslochs müsse die Staatsanwaltschaft klären. „Aus Sicht der Rechtsaufsicht war dies nicht erkennbar“, sagte Bouillon. Wie ein über Jahre gewachsener Personalapparat und eine immens ausgebaute Infrastruktur zu einem etwa gleichbleibenden Sportachtel auf der Einnahmen-Seite passt, das müssen die Verantwortlichen, die aktuellen wie ehemaligen, noch erklären.

Wirtschafts-Staatssekretär Jürgen Barke (SPD) reagierte auf Bouillons Ankündigung der drohenden Abwicklung des LSVS überrascht. „Ein solcher Automatismus ist mir nicht bekannt“, sagte Barke: „Unbestritten muss sich der LSVS ein tragfähiges Sanierungskonzept geben. Dieses Konzept wird umso erfolgreicher sein, je mehr Zustimmung es unter den Betroffenen und Beteiligten im Sport findet. Zusätzlichen Druck auf diese Akteure auszuüben, ist da sicherlich nicht hilfreich.“