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En garde: Maske auf zum Gefecht

En garde: Maske auf zum Gefecht

St. Ingbert. Das kann doch nicht so schwer sein. Aus der Halle in der Sporthalle der Schillerschule St. Ingbert dringen Stimmengewirr und Klirrgeräusche. Ich gehe rein - und kann gerade noch ausweichen. Eine weißgekleidete Gestalt mit schwarzer Maske auf dem Kopf und Degen in der Hand pikt auf einen älteren Herren mit Lederweste und Armschutz ein

St. Ingbert. Das kann doch nicht so schwer sein. Aus der Halle in der Sporthalle der Schillerschule St. Ingbert dringen Stimmengewirr und Klirrgeräusche. Ich gehe rein - und kann gerade noch ausweichen. Eine weißgekleidete Gestalt mit schwarzer Maske auf dem Kopf und Degen in der Hand pikt auf einen älteren Herren mit Lederweste und Armschutz ein. Der ältere Herr heißt Toni Hampp, ist 74 Jahre alt, Fechttrainer und eine feste Institution der Fechtabteilung der TG Rohrbach. Das, was er da macht, nennt sich eine Lektion geben. Eine Lektion soll auch ich heute bekommen. 20 kleine und große Fechter trainieren hier, und während ich noch denke, so schwer kann das doch nicht sein, kommt auch schon meine Trainerin für den heutigen Abend.

Danielle Trittelvitz heißt sie, und sagt: "Erstmal Fechtkleidung anziehen." Denn: "Sicherheit ist wichtig". Okay, meine ich und bin ein wenig irritiert, als ich einen Berg aus Fechtstrümpfen, Fechthose, Fechtjacke, Fechtweste, Brustschutz, Maske und Handschuh sehe. All das anzuziehen, ist schon schwer, Danielle muss mir helfen. "Eine komplette Fechtausrüstung kostet neu so um die 500 Euro", erzählt mir Danielle und bemerkt, "aber man kann am Anfang auch bei uns was leihen und viele Sachen bekommt man auch gebraucht zu kaufen. Muss also nicht so teuer werden", sagt sie und drückt mir einen Degen in die Hand. 110 Zentimeter lang und knapp 800 Gramm schwer ist die Waffe. "Erstmal die Grundstellung", sagt Danielle, "dabei stehen beide Füße im rechten Winkel zueinander, die Fersen berühren sich", erklärt die 20-Jährige. Mich erinnert das eher an Ballett. Dann zeigt mir die mehrfache Landesmeisterin die Fechtstellung: Füße im 90 Grad-Winkel zueinander, eineinhalb Fuß Abstand, Knie nach außen, Po nach unten, Unterarm mitsamt Degen waagerecht nach vorne. "Und jetzt ein Ausfall, rechter Fuß nach vorne, hinteres Bein explosiv strecken und den Degen nach vorne stoßen", kommandiert Danielle. Das will mir nicht so recht gelingen, die Koordination meiner Körperteile überfordert mich, meine Köpertemperatur steigt in dem stichfesten Kevlar-Anzug stetig. Ich brauche Zeit zum Ausruhen, Zeit für Theorie.

"Wir hier bei der TG Rohrbach fechten nur mit Degen und Florett", erklärt Marc Blatter, ein Jugend-Landesmeister der TG. "Hauptunterschied bei den Gefechten? Hhm, also beim Degenfechten ist der ganze Körper Angriffsfläche, beim Florettfechten nur der Oberkörper, ohne Arme." Was ist schwieriger, frage ich. "Das kann man so nicht beantworten", meint Marc, "an sich ist Fechten ein totaler Kopfsport. Man muss mit der richtigen Einstellung auf die Bahn gehen, dann kann man auch die Großen schlagen". Meine Gegnerin ist nicht groß, nicht alt, sie ist erst zwölf Jahre und heißt Hannah Ruffing. Ich habe Bammel vor ihr, kann da was passieren, frage ich. "Nein, kein Problem", meint Danielle. Ich streife die schwarze Fechtmaske über den Kopf, stelle mich in Position und fühle mich wie D'Artagnan und seine Kollegen von den Musketieren. En garde, zack, da hat Hannah mich schon das erste Mal getroffen - am Arm. Flink wie ein Eichhörnchen tänzelt die Zwölfjährige vor mir, hin und her, neben ihr wirke ich so unbeweglich wie ein Zinnsoldat. Ich warte ab. Jetzt, denke ich, und stoße nach vorn, doch blitzschnell pariert Hannah meinen Angriff und erwischt mich schon wieder - diesmal am Bein.

Das engmaschige Gitter der Fechtmaske trübt meinen Blick und ich schwitze. "Genug", befindet Trainerin Danielle - und das finde ich auch. Beschämt, erschöpft aber tief beeindruckt streife ich die Maske ab. Fechten ist doch schwer, aber verdammt spannend.

Hintergrund

Die TG Rohrbach existiert bereits seit 1912. Die Fechtabteilung umfasst derzeit rund 70 Mitglieder, die Fechten vorwiegend unter leistungssportlichen Gesichtspunkten betreiben. Ein Anfängertraining findet jeden Donnerstag ab 17 Uhr in der Turnhalle der Schillerschule St. Ingbert statt. Ansprechpartner für Interessierte ist Jugendwartin Claudia Glößner. Sie ist unter Tel.: (0 68 21) 7 25 02 zu erreichen. eva