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Formel 1
Die Königsklasse kehrt nach Frankreich zurück

Le Castellet. Die Formel 1 fährt nach zehn Jahren wieder im Nachbarland. In Le Castellet fand der letzte Grand Prix sogar erst 1990 statt.

Es wird voll sein an der Route des Hauts du Camp, so viel ist sicher. Auf der einspurigen Zufahrtsstraße zum Circuit Paul Ricard geht es zwischen Campingplätzen und dem kleinen Regionalflughafen in Le Castellet für gewöhnlich beschaulich zu. Am kommenden Wochenende ist es mit der Ruhe aber vorerst vorbei. Die Formel 1 ist zurück in Frankreich – das Warten auf die Motorsport-Königsklasse hat ein Ende.


„Es ist absolut unbeschreiblich, dass der Frankreich-Grand-Prix in meiner ersten vollen Saison als Fahrer wieder im Kalender steht“, sagt Toro-Rosso-Pilot Pierre Gasly: „Als Franzose ein Rennen in Frankreich fahren – das muss man erlebt haben.“ Zehn Jahre liegen zwischen dem bislang letzten Rennen 2008 auf Michael Schumachers Erfolgsstrecke in Magny-Cours und dem Rennen am Sonntag (16.10 Uhr/RTL). Schwindende Besucherzahlen und steigende Kosten besiegelten damals die Streichung der Traditionsstrecke aus dem Kalender. Die Gastspiele der Rennserie waren den Franzosen schlicht zu teuer geworden. Erst nach mehreren gescheiterten Anläufen einigten sich Frankreichs Motorsportfürsten und die Formel-1-Führung auf ein Comeback in Le Castellet. Dort hatte es zuletzt 1990 einen Grand Prix gegeben, danach war der Kurs mehrfach modernisiert und vor allem für Testfahrten genutzt worden.

In Le Castellet gastierte die Formel 1 14 Mal. Seit Alain Prosts Sieg 1990 hat sich viel geändert. Sie ist moderner und sicherer, doch auch die Rolle der Franzosen ist eine andere. Auf einen Fahrer wie den viermaligen Weltmeister Prost wartet die Grande Nation seit dessen Rücktritt vor 25 Jahren vergeblich.



Frankreich stellt 2018 mit drei Piloten zwar das größte Fahrerkontingent der Formel 1. Gasly (22) und Esteban Ocon (21/Force India) sind zweifelsohne große Talente, die große Bühne gehört derzeit aber (noch) anderen. Dass der als Unfall-Fahrer Romain Grosjean verschriene Haas-Pilot noch einmal in die Spitze vordringt, darf bezweifelt werden. Vom ersten Heim-Rennen seit zehn Jahren erhofft sich das Trio nun auch einen Werbeeffekt. „Es ist eine gute Sache für die Fans und den Motorsport in unserem Land. Dieser Sport war schon immer Teil unserer Kultur. Ich hoffe, dass das Interesse an der Formel 1 steigen wird“, sagte Gasly.

Das wäre auch im Interesse von Renault. Der französische Autobauer startet mit Niko Hülkenberg als Werksteam und liefert zugleich Motoren an andere Teams. Das vor rund zwei Jahren gestartete Werks­projekt ist ambitioniert. Derzeit stellen die Franzosen hinter Mercedes, Ferrari und dem langjährigen, aber scheidenden Motorenpartner Red Bull nur die vierte Kraft. Mittelfristig soll der Angriff auf die Top-Teams gelingen, die Probleme mit den Sechszylinder-Turbos machen der Motorenschmiede aber seit jeher zu schaffen. Auch beim lang ersehnten Heimspiel in Le Castellet werden die Schwarz-Gelben aller Voraussicht nach wieder nur im Mittelfeld unterwegs sein.

Die Strecke ist jedenfalls für alle Neuland. Weil Erfahrungswerte aus früheren Grand Prix fehlen, ist die technische Abstimmung der Autos für die Ingenieure schwerer als auf bereits bekannten Kursen.

Einer der Favoriten ist WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel. Er sieht Ferrari für jede Strecke gerüstet und kommt nach seinem Start-Ziel-Sieg in Kanada mit viel Euphorie nach Frankreich. Mit einem verbesserten Motor wollen die Silberpfeile um Weltmeister Lewis Hamilton nach den jüngsten Niederlagen aber zurückschlagen. Und auch Red Bull wurde zuletzt immer stärker.

Außergewöhnlich ist die Konstellation, dass das Frankreich-Rennen den Auftakt zu drei Grand Prix binnen drei Wochenenden bildet. Das hat es in der Geschichte der Formel 1 noch nie gegeben. Mit dem um eine Stunde späteren Rennbeginn wollen die Formel-1-Macher dem frühen Sonntagsspiel bei der Fußball-WM aus dem Weg gehen. England, einer der Kernmärkte der Formel 1, trifft um 14 Uhr auf Panama.