| 21:09 Uhr

xxxxxxxxx
Zurück zu mehr Mut am Mikrofon

KK_Franz_Julia.jpg
KK_Franz_Julia.jpg FOTO: SZ / Lorenz, Robby
Der Fußball lebt wie alle Sportarten von Emotionen. Leider werden die Typen, die aus dem Bauch heraus reden, immer weniger. Von Julia Franz

Die Fußballsprache ist oft anschaulich und emotional. Blutgrätsche, Bananenflanke, den Sack zumachen und so weiter. Die einen empfinden den Kicker-Slang als etwas proletenhaft oder gar martialisch, andere als bildhaft und lebendig. Mich dagegen amüsieren der Fachjargon und die zahlreichen Plattitüden regelmäßig aufs Neue.


Manchmal übertreiben es Spieler und Trainer aber gerne mal mit der Fachsprache. Dann kommen öfter auch mal wirre Statements raus, es gibt Tausende davon, die ganze Internetseiten füllen. Wie zum Beispiel bei Lothar Matthäus, der „das Chancenplus ausgeglichen“ fand. Genau. Immer schön fair bleiben.

Besonders gerne erinnere ich mich aber an die Heim-WM 2006 und Jürgen Klinsmanns „wir knallen sie durch die Wand“. Bitte was? Ob diese Worte, die in dem Film „Ein Sommermärchen“ zu hören waren, für manche schon fast ein Aufruf zur Gewalt waren? Dabei wollte der ehemalige Bundestrainer die deutsche Nationalmannschaft vor ihrem letzten Vorrundenspiel gegen Polen nur richtig auf einen Sieg einstimmen. Von seinem Nachfolger hört man solche Aussagen eher weniger. Jogi Löw ist eben ein ganz anderer Typ.



Leider werden die Typen, die sich nicht jedes Wort zweimal überlegen und eher aus dem Bauch heraus reden, im Fußball immer weniger. Einen Wutanfall wie von Per Mertesacker bei der WM 2014 („Was wollen Sie jetzt von mir?“) wird es wohl nur noch in seltenen Fällen geben. Und kocht der Frust dann doch mal hoch, beißen sich sogar die mitteilungsbedürftigsten Spieler lieber auf die Zunge, als etwas Falsches zu sagen – wie Mats Hummels nach dem 0:1 gegen Mexiko.

Doch genau diese Emotionen gehören zum Sport – und genau diese Emotionen lieben die Fans. Immer nur glattgebügelte und vorgefertigte Kommentare nach einem Spiel sind doch auch langweilig und nicht wirklich authentisch. Nicht umsonst sind Spieler wie Lukas Podolski Sympathieträger. Solche, die einfach unverfälscht ins Mikro quatschen.