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Großer Preis von Monaco: Formel 1 vor der eigenen Haustür

Großer Preis von Monaco : Formel 1 vor der eigenen Haustür

Monegasse Charles Leclerc bestreitet diesen Sonntag ein ganz besonderes Rennen.

Der Schlaks zappelt nervös auf seinem Hocker im Sauber-Motorhome. „Ja, ich bin schon etwas nervös und aufgeregt“, sagt Charles Leclerc. Wen wundert’s? Der waschechte Monegasse, im Fürstentum an der Cote d’Azur geboren und aufgewachsen, wurde in den Tagen vor dem Monaco-Grand-Prix gehetzt und gejagt. Mit der Zeitenjagd an diesem Samstag für den besten Startplatz, der am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) die halbe Miete für den Sieg bedeutet, wird Leclerc nicht viel zu tun haben. Fünf Grand Prix hat er bis jetzt bestritten. Der sechste ist für den Sauber-Fahrer aber keiner wie jeder andere zuvor.

„Meine Familie, Freunde und Landsleute werden mich unter einem ganz besonderen Blickwinkel verfolgen, denn es ist mein erstes Formel-1-Rennen in meiner Heimatstadt“, sagt Leclerc: „Auf dieses Erlebnis habe ich schon als Kind gewartet.“ Er erinnere sich noch gut daran, „als ich als vierjähriger Knirps am Ausgang der ersten Kurve vom Appartement meines besten Freundes herunter auf ein Formel-1-Rennen geschaut habe. Ich habe schon immer davon geträumt, eines Tages Teil der Formel 1 zu sein.“

Der 20-Jährige startet am Sonntag quasi vor seiner Haustür zu seinem bisher emotionalsten Rennen, denn Leclerc lebt im Elternhaus am Ende der Start- und Ziegeraden auf dem Boulevard Albert. Er liebe Stadtkurse im Allgemeinen, ebenso die Herausforderung, die man als Fahrer auf diesen Strecken habe. „Obwohl ich Monaco sehr gut kenne, wird es eine komplett neue Herausforderung sein, die Stadt in einem Cockpit zu erleben“, sagt Leclerc.

Einen Boliden von 970 PS mit Ferrari-Motor im Rücken zu bändigen, fällt dem schmächtigen Leichtgewicht nicht schwer. Erfahrung hat er ja schon. Mit 18 Jahren wurde Leclerc Formel-3-Meister, 2017 gewann er in überlegener Manier die Formel 2. Mit Beginn dieser Formel-1-Saison wurde Leclerc bei Sauber Stammfahrer. In seinem vierten Grand Prix fuhr er in Aserbaidschan sein bestes Resultat ein und bescherte seinem Team mit acht Punkten das beste Ergebnis seit 2015 (Felipe Nasr mit Rang 6 in Sotschi und Platz 5 in Australien). „Sechster geworden zu sein, ist verrückt“, frohlockte das Supertalent nach dem Baku-Rennen. Verrückt machen lassen will sich Leclerc aber nicht. „Ich werde mich von dem Drumherum nicht ablenken lassen, werde klaren Kopf behalten“, sagt er.

Aufgrund seiner beeindruckenden Bilanz in den Nachwuchsklassen angelte sich Ferrari beizeiten das Top-Talent für seine Fahrer-Akademie. Nicht ohne Hintergedanken brachte die Scuderia ihren Schützling bei Motorenpartner Sauber unter. Denn Leclerc wird bereits als Nachfolger von Kimi Räikkönen gehandelt, sollte der „Iceman“ Ende der Saison mit 38 Jahren in Rente geschickt werden. Dann wäre der Jung-Monegasse Teamkollege von Sebastian Vettel. „Warum auch nicht“, schließt Vettel dieses Szenario nicht aus. „Charles hat bisher seine Chancen genutzt und alles aus dem Auto herausgequetscht“, lauten die lobende Worte des viermaligen Weltmeisters. Charles Leclerc will zeigen, dass er 2019 reif für Ferrari ist – auch in seiner Stadt.