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Frauenfußball-Bundesliga legt los
Eine Liga kämpft gegen den Abwärtstrend

Vergangene Saison durfte die Wolfsburger Spielführerin NIlla Fischer den Meister-Pokal als erste in die Höhe strecken.
Vergangene Saison durfte die Wolfsburger Spielführerin NIlla Fischer den Meister-Pokal als erste in die Höhe strecken. FOTO: dpa / Rolf Vennenbernd
Frankfurt. Die Bundesliga im Frauenfußball startet in die neue Saison. Die internationale Konkurrenz wird stärker. sid

Die Kulissen schrumpfen, die kontinentale Konkurrenz wächst – und so auch die Sorge der Frauenfußball-Bundesliga, international den Anschluss zu verpassen. Selbst der Vorzeige-Club VfL Wolfsburg wähnt sich im Wettlauf mit finanzkräftigen Rivalen wie Olympique Lyon oder Manchester City schon im Hintertreffen.


„Wir wissen, dass wir im internationalen Vergleich noch viel Arbeit vor uns haben und aufpassen müssen, dass wir nicht rechts und links überholt werden“, warnt Ralf Kellermann mit Blick auf die an diesem Samstag beginnende 29. Bundesliga-Spielzeit. Der sportliche Leiter des Double-Gewinners hat daher eine klare Forderung: „Wir müssen dahin kommen, dass die Liga eine Profiliga wird.“

England ist hier, angetrieben vom ehrgeizigen Verband FA, mit einem neuen, strengen Lizenzierungsverfahren bereits einen Schritt voraus. „Es geht darum, dass die Spielerinnen sich auf Fußball konzentrieren können, dass sie mehr trainieren können, dass die Ausbildung verbessert wird“, erklärt Kellermann, der mit seinem internationalen Star-Ensemble auch in dieser Saison wohl im Duell mit Vizemeister Bayern München um die Meisterschale kämpfen wird.



Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) gesteht akuten Handlungsbedarf ein. „Wir sind noch gut dabei, aber wir müssen investieren“, sagt Heike Ullrich. Die DFB-Direktorin für Verbände, Vereine und Ligen verweist aber noch auf das „große Pfund Wettbewerbs-Ausgeglichenheit“ der Frauen-Bundesliga, die für die neue Saison über 70 ausländische Spielerinnen angelockt hat. Doch nur noch 846 Zuschauer pro Spiel sprechen eben auch eine deutliche Sprache.

Für Nadine Keßler, Uefa-Abteilungsleiterin Frauenfußball, ist Deutschland neun Monate vor der WM in Frankreich (7. Juni bis 7. Juli 2019) immer noch „die Creme de la Creme, das gilt auch für die Liga“. Doch auch die Ex-Weltfußballerin weist darauf hin, wie sehr das Frauenfußball-Investment europaweit „auf allen Ebenen“ angezogen hat: „Es herrscht ein extremer Boom.“

Zusätzlich befeuert wird diese Entwicklung von großen Namen, die neu in den Frauenfußball einsteigen, darunter Juventus Turin oder Manchester United. Hier wachsen künftige Schwergewichte auf europäischer Ebene heran. Dieser Entwicklung möchte sich auch Siegfried Dietrich nicht mehr verschließen. Der Manager des früheren Serienmeisters 1. FFC Frankfurt lotet eine Kooperation mit Eintracht Frankfurt aus. „Die Tendenz ist, dass starke Männervereine mit starken Frauen-Abteilungen Fußball unter einem Dach präsentieren“, erklärt Dietrich. Schon jetzt gehören acht von zwölf Teams in der Frauen-Bundesliga zu einem Männer-Lizenzverein – die Ausnahme bilden Turbine Potsdam, der SC Sand, die SGS Essen und eben der 1. FFC Frankfurt. 20 Jahre nach der Gründung steht nun selbst der einstige Trendsetter vom Main am Scheideweg.