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Der Gewinner des Schützenfestes

München. Schachtjor Donezk vorgeführt, Bremens Sportchef Thomas Eichin schon mal verbal abgegrätscht – aber die wichtigste Erkenntnis des FC Bayern am Mittwochabend war: Holger Badstuber ist endgültig zurück. Sid-Mitarbeiterthomas Häberlein

Sie standen alle vor der Südkurve, aber einer stand noch ein bisschen weiter vorne als die anderen. Holger Badstuber hatte sich nicht aus eigenem Antrieb nach vorne gedrängelt, nach dem 7:0-Rekordsieg des FC Bayern München gegen Schachtjor Donezk und dem Einzug ins Viertelfinale der Champions League wollten es die Anhänger so. "Badstuber, Badstuber", schallte es im Stakkato. Badstuber gehorchte und ließ sich feiern.

Leidenszeit soll vorbei sein



Nach dem Spiel hörte der 25-Jährige dann Lobeshymnen von allen Seiten - auch wegen eines historischen Augenblicks. In der 63. Minute köpfte er eine Flanke von Rafinha ins Tor, es war sein erster Treffer im 35. Europapokalspiel. Es war zudem erst der zweite in einem Pflichtspiel für die Münchner seit einem sehr schönen und siegbringenden Freistoß am 4. Dezember 2009 gegen Mönchengladbach (2:1). "Ich wusste gar nicht", sagte Badstuber verlegen, "wie ich jubeln sollte".

Mögen die Sprechchöre ein wenig peinlich sein, es ändert nichts daran, dass derzeit nur Gutes über Badstuber zu hören ist. "Er ist mein persönlicher Held. Wer eineinhalb Jahre lang so etwas erlebt hat wie er, sich immer wieder herangekämpft hat und heute das Tor macht, hat sich Applaus verdient", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Nach vier Knieoperationen hatte Badstuber erst 624 Tage nicht Fußball spielen können, dann, nach seiner Rückkehr, musste er zuletzt weitere 154 Tage wegen einer Muskelverletzung passen. Nun sieht es so aus, als ginge alles sehr schnell: Spätestens seit Mittwochabend wäre es keine große Überraschung, sollte Bundestrainer Joachim Löw den "besten Abwehrspieler der Welt mit linkem Fuß" (Bayern-Kollege Bastian Schweinsteiger ) für die Länderspiele gegen Australien (25. März) und in Georgien (EM-Qualifikation, 29. März) in sein Aufgebot berufen.

Auf jeden Fall schaffte es nur Badstuber, das Säbelrasseln vor dem Bundesliga-Spiel am Samstag bei Werder Bremen (15.30 Uhr/Sky) halbwegs in den Hintergrund zu drängen. Die Aussagen des Bremer Sportchefs Thomas Eichin , der einen vermeintlichen Bonus der Münchner bei den Schiedsrichtern anführte, hat die Bayern richtig heiß gemacht.

Bayern kontern Eichin

Speziell bei den Zweikämpfen werde mit "zweierlei Maß gemessen", beklagte Eichin. Über Bayern-Star Franck Ribéry sagte er: "Der hätte schon fünf Mal runtergemusst in dieser Saison." Auch das Verhalten von Bayern-Trainer Pep Guardiola gegenüber den Offiziellen sieht Eichin kritisch: "Guardiola kann machen, was er will."

Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer ließ das nicht lange auf sich sitzen. "Ich glaube, dass sich die deutschen Schiedsrichter das sehr gut merken sollten, was dieser Mann gesagt hat, weil es ja unterschwellig bedeutet, dass sie manipulieren." Und Vorstandschef Rummenigge meinte: "Es war natürlich viel Blödsinn, was er da von sich gegeben hat. In der Schule hätte ich gesagt: in die Ecke und schämen. Die beste Antwort ist immer zu gewinnen - und das werden wir versuchen am Samstag." Natürlich mit Badstuber, den großen Gewinner von Mittwochabend.