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Eine Ära geht zu Ende

Bliesen. Gerd Rauch, langjähriger Trainer der Volleyballer des TV Bliesen, sitzt an diesem Samstag zum letzten Mal in einem Heimspiel des Drittligisten auf der Bank. Bliesen empfängt um 20 Uhr Eintracht Frankfurt. Philipp Semmler

20 Jahre lang lenkte Gerd Rauch als Trainer die sportlichen Geschicke der Volleyballer des TV Bliesen . Am Saisonende hängt der Erfolgstrainer, der Bliesen von der Bezirks- bis in die 3. Liga führte, seinen Trainerjob an den Nagel (wir berichteten). An diesem Samstag verabschiedet sich der 48-Jährige beim letzten Saison-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt vom eigenen Publikum "Noch ist bei mir kein Wehmut da. Ich denke, der kommt nach dem Spiel, wenn das Adrenalin verschwunden ist", sagt Rauch.

Dass Rauch den Trainerjob aufgibt, hat vor allem zeitliche Gründe. Der Diplom-Sportlehrer kümmert sich beim TV Bliesen nicht nur um die erste Mannschaft, sondern auch um den Jugendbereich. Zudem ist er zweiter Vorsitzender des Fördervereins. Diese Tätigkeiten wird Rauch auch zukünftig ausüben. "Es ist also nicht so, dass ich komplett weg wäre", sagt Rauch. So überwiegt beim 48-Jährigen momentan eher die Freude über mehr Freizeit. "Ich habe mit meiner Freundin in den Herbstferien Urlaub gebucht. Das war in den letzten 15 Jahren nicht möglich."

Sportlich kann Rauch die Begegnung gegen Frankfurt locker angehen. Denn Bliesen hat als Fünfter einen großen Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Nur wenn der TV keinen Zähler mehr holt und alle Konkurrenten optimal punkten, ist der Ligaverbleib noch gefährdet. "Das ist äußerst unwahrscheinlich", erklärt Rauch. So fällt auch sein Saisonfazit positiv aus. "Das Team hat sich weiterentwickelt", sagt Rauch, "wir sind die einzige Mannschaft, die keine ehemaligen Erst- oder Zweitligaspieler in ihren Reihen hat." Trotzdem lag Bliesen zeitweise sogar auf Rang drei hinter der TG Mainz-Gonsenheim und dem TuS Durmersheim , die den Kampf um die Meisterschaft unter sich ausmachen.

Doch sowohl Gonsenheim wie Durmersheim sind sich nicht sicher, ob sie aus wirtschaftlichen Gründen in die 2. Liga wollen. Und so könnte Bliesen unter Umständen sogar noch aufzusteigen. Sollten die beiden Erstplatzierten verzichten, haben die dahinter liegenden Teams die Möglichkeit nachzurücken. "Wir werden uns mit diesem Thema aber erst befassen, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte", sagt Rauch. An der Vorbesprechung der Zweitliga-Anwärter hat sein Club aber schon teil genommen. Vom Umfeld könnte Bliesen die 2. Liga stemmen. "Was die Zuschauerzahlen und das Sponsoren-Interesse angeht, ist die Entwicklung bei uns phänomenal. Da sind wir schon jetzt besser aufgestellt als viele Zweitligisten", erklärt Rauch.

Doch eine Baustelle gibt es in Bliesen noch - die Suche nach dem Nachfolger von Rauch. Die hat er selbst gemeinsam mit Matthias Pons, dem Trainer der zweiten Mannschaft, die in der Oberliga spielt, übernommen. Der neue Übungsleiter soll nach Saisonende präsentiert werden. Namen von potenziellen Kandidaten lässt sich niemand entlocken. Nicht zum Kreis zählen laut Rauch die saarländischen Spitzen-Volleyballer Armin Dewes und Tom Weber. Ex-Nationalspieler Dewes (35) lief in dieser Saison ein Mal für Bliesen auf, als das Team große personelle Probleme hatte. "Armin hat aber einen guten Job in München. Von daher ist er kein Kandidat", sagt Rauch. Ex-Bundesliga-Spieler Weber (26), der in der Jugend in Bliesen spielte, studiert in Solingen und steht für ein Engagement ebenfalls nicht zur Verfügung.