Basketballer setzen voll auf die Jugendarbeit

LSVS-Serie : Basketballer setzen voll auf die Jugendarbeit

Seit einem Neuanfang im Verband wird die Nachwuchsarbeit forciert. Der Präsident ist mit dem eingeschlagenen Weg zufrieden.

Man stelle sich vor: Weil die Entwicklung stagniert, wird der geschäftsführende Vorstand eines Sportverbandes von den Mitgliedsvereinen abgewählt. Nur einer Person wird seitens der Vereine noch vertraut – ausgerechnet dem Präsidenten. So geschehen vor nicht allzu langer Zeit im Basketballverband Saarland (BV Saar).

„Vor zwei, drei Jahren gab es den Tenor, es müsse sich im Verband etwas ändern. Der alte Vorstand hat dies noch aus eigener Kraft versucht und noch vieles bewegt, aber die Vereine haben irgendwann gesagt: So geht es nicht mehr“, erinnert sich Dirk Kaufmann, seit 2015 Präsident des BV Saar: „Dieser Prozess war aus meiner Sicht sehr positiv. Was nicht heißt, dass der alte Vorstand seine Arbeit nicht gemacht hätte. Wir hatten uns aber festgefahren und einen Scheuklappen-Blick entwickelt.“ Ehrliche Reflektion und der Wille zum Neuanfang – auch das gibt es im Saarsport. Die Vereine wurden aktiv, halfen mit – vor allem der TV Illingen und der TuS Herrensohr sowie der TV St. Ingbert bringen sich nach dem Umbruch in besonderer Weise ein.

Stein des Anstoßes war damals die Jugendarbeit. Die wurde zwar vom Verband gefördert – beispielsweise durch Stützpunkttraining, aber nicht gut genug organisiert. Auch gab es keinen Landestrainer oder -trainerin, wie es in anderen Sportarten üblich ist. „Viele Eltern wollten daraufhin einen Informationsabend. Der ist dann eskaliert“, berichtet Kaufmann nüchtern.

Der Präsident übernahm qua Amt die volle Verantwortung und stellte sich am Info-Abend auch vor jene Vorstandsmitglieder, die den Unmut durch Versäumnisse in ihren Aufgabenbereichen ausgelöst hatten. Trotzdem wurde er als einziges Mitglied des geschäftsführenden Vorstandes wiedergewählt – und zwar einstimmig. „Mein Vorteil ist, dass ich vorher nicht für einen Verein gearbeitet habe. Ich versuche, die Neutralität zu wahren und es allen recht zu machen“, sagt Kaufmann. Der 56-jährige frühere Bergmann, der seit 2012 im Vorruhestand ist, setzt seither zusammen mit dem neuen Vorstand neue Ideen und Projekte um. Ein Beispiel: die Einstellung eines Landestrainers im vergangenen Jahr.

Die Bemühungen des neuen Vorstands sieht Dirk Kaufmann „auf einem guten Weg“. Die neue Verbandsführung gehe auf die Vereine zu, helfe ihnen, wo sie nur kann. „Wir bieten wieder Trainer-Aus- und -Fortbildungen an, was jahrelang stagnierte“, erklärt er und nennt das „Konzept BV Saar 2023“, in dessen Rahmen unterschiedliche Arbeitsgruppen Ideen und Strategien zur Mitglieder-, Trainer- und Schiedsrichter-Gewinnung erarbeiten sollen. Ein Ziel dabei: Höhenverstellbare Körbe für die Sporthallen im Land anschaffen. Dies schreibt eine neue Regelung des Deutschen Basketball-Bundes ab der Saison 2019/2020 vor, um die Zahl der Erfolgserlebnisse bei den „Mini-Basketballern“ zu erhöhen. Demnach sollten die unter Zwölfjährigen auf 2,60 Meter statt der üblichen 3,05 Meter hoch gehängte Körbe spielen. Im Saarland gibt es diesbezüglich noch großen Nachholbedarf.

Diejenigen, die aufgrund ihres Talents besonders viele Erfolgserlebnisse sammeln, werden in den Auswahlteams der Spielgemeinschaft mit Rheinland-Pfalz gefördert. Auf der nächsten Förderstufe steht die „Auswahl Südwest“, in der die Besten aus Baden-Württemberg hinzukommen. Künftig will der Basketballverband auch wieder Saarauswahlteams berufen, die sich mit denen anderer Landesverbände und auch jenen aus den Benelux-Staaten und Frankreich messen sollen. „Durch die LSVS-Finanzkrise müssen wir allerdings sehen, wo wir Gelder herbekommen“, sagt Kaufmann und ergänzt: „Um die Verluste zu kompensieren, haben wir entschieden, dass die verbliebenen LSVS-Mittel zu 100 Prozent in die Jugendarbeit fließen. Diese Art der Breiten- und Spitzensportförderung muss gesichert sein.“ Gleichsam braucht der saarländische Basketball Aushängeschilder wie den mehrfachen deutschen Frauen-Meister Saarlouis Royals, der den Abstieg aus der Bundesliga nur dank des Rückzugs eines Ligakonkurrenten verhindern konnte.

Basketball im Saarland. Foto: SZ/Steffen, Michael

Eine große Chance für den Basketball – nicht nur im Saarland – sieht Kaufmann in der neuen Spielform „3x3“, einer Weiterentwicklung des „Streetballs“ aus den 1990er Jahren. „Es ist die einzige Ballsportart, die in Tokio 2020 als neue olympische Sportart hinzukommt. Vielleicht erleben wir dadurch einen Aufschwung“, hofft der Verbandspräsident. Da es für ein Spiel im „3x3“ eben nur mindestens drei Spielerinnen oder Spieler braucht, sieht Kaufmann darin eine Chance, der Bevölkerungsentwicklung im Allgemeinen und der Fluktuation im Nachwuchsbereich zu begegnen. Viele Vereine, die bisher zu wenige Spielerinnen oder Spieler haben, um eine eigene Mannschaft auf die Beine zu stellen, können dies nun tun. Mit Helena Eckerle von den Saarlouis Royals gehörte sogar eine Saarländerin der U18-Nationalmannschaft im 3x3-Basketball an.

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