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| 20:44 Uhr

Finale der Deutschen Turn-Liga
Aus Mister Zuverlässig wird Mister Finale

Eugen Spiridonov hat den Abgang vom Pauschenpferd gemeistert. Der Routinier des Kunstturn-Bundesligisten TG Saar ist auch mit fast 36 Jahren noch eine Klasse für sich und für sein Team wertvoll wie eh und je.
Eugen Spiridonov hat den Abgang vom Pauschenpferd gemeistert. Der Routinier des Kunstturn-Bundesligisten TG Saar ist auch mit fast 36 Jahren noch eine Klasse für sich und für sein Team wertvoll wie eh und je. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Eugen Spiridonov startet zum neunten Mal beim Endturnier der Deutschen Turn-Liga. Mit der TG Saar will er Gold. Roland Schmidt

Wäre Eugen Spiridonov ein Wein, wäre er eine Beerenauslese, ein edler, rarer Tropfen der Qualitätsstufe eins. Mit dem extrem lange haltbaren Prädikatsgetränk hat der Turn-Oldie der TG Saar nicht viel am Hut, doch das im Spitzensport übliche Verfallsdatum scheint für den 35 Jahre alte Ausnahmekönner nicht zu gelten. Dass er im Spätherbst seiner Karriere cool wie ein Eiswein mit jungen Früchtchen mithalten kann, will der Altmeister an diesem Samstag ab 18 Uhr im Titel-Finale der Deutschen Turnliga (DTL) beweisen.

„Ich werde wohl am Pauschenpferd, an den Ringen und am Reck turnen und wie immer mein Bestes geben“, kündigt der ehemalige Nationalturner vor dem Duell mit der KTV Straubenhardt in der Ludwigsburger MHP-Arena an. Zwei Jahre nach dem Abschied von der internationalen Turn-Bühne sind die Leistungen des früheren Weltklasse-Athleten immer noch top – und in punkto Erfahrung macht ihm sowieso keiner was vor. Diese Routine ist die Nuance, die in der erwarteten Nervenschlacht den Ausschlag geben könnte.

„Ich fühle mich topfit. Vor dem Finale trainiere ich täglich drei Stunden. Hier und da knirscht es zwar ein bisschen, aber das ist nicht schlimm“, sagt Spiridonov. Als Profi habe er damals doppelt so viel trainiert, erzählt der Athlet vom TV Bous, der viel herumgekommen ist.

Von 2002 an startete der in Russland geborene Vollblut-Athlet für Deutschland. 2005 wurde er bei der WM in Melbourne Zehnter im Mehrkampf. Ein Jahr später gewann er bei der EM in Volos Silber am Pauschenpferd. Den EM-Titel des deutschen Teams 2010 in Birmingham sowie die WM-Bronzemedaillen 2007 in Stuttgart und 2010 in Rotterdam zählt er zu den größten Erfolgen. Der Traum von der zweiten Olympia-Teilnahme erfüllte sich nicht. Eine Verletzung verhagelte 2012 den Start in London.

„Eugen hat sich immer durch seine charakterlichen Qualitäten, die Zuverlässigkeit und beständig hohe Leistungen ausgezeichnet“, schwärmte Bundestrainer Andreas Hirsch von seinem „Mister Zuverlässig“. So nennen ihn auch die Kollegen der TG Saar – und das nicht ohne Grund. Als Teamplayer stellt sich Spiridonov stets in den Dienst der Mannschaft.

Seit 2007 stand er acht Mal in einem DTL-Endturnier, gewann mit der TG Saar vier Silbermedaillen und 2012 den Titel. Der Team-Erfolg hatte bei ihm immer oberste Priorität, und deshalb war es für die frühere Nummer eins auch kein Problem, als er später hinter Olympiasieger Oleg Wernjajew ins zweite Glied rückte. „Wenn man darüber nachdenkt, was wir erreicht haben, ist das echt phänomenal“, sagt er.

In letzter Zeit ließ es Spiridonov etwas ruhiger angehen. Ehefrau Nathalie und die zwölf Jahre alte Tochter Lana haben jetzt mehr vom Papa. Bei seinem Job in der Gemeinschaftsschule Güdingen bringt der prominente Sportlehrer den Kids das Turn-Abc bei – und das schlaucht. „Ich werde im April 36 Jahre alt, und das spüre ich. Wenn ich aus der Schule komme, bin ich oft müde“, sagt er grinsend.

Doch statt sich eine Verschnaufpause zu gönnen, schaltet Spiridonov in den Final-Modus um: Mittagessen, Tasche packen – auf geht’s zur Hermann-Neuberger-Sportschule, wo in Halle 1 die Kollegen warten. Vor dem Titel-Krimi konzentriert sich Spiridonov vorrangig auf seine Übung am Reck. Grund: Im letzten Bundesliga-Duell gegen Straubenhardt fiel er von der Stange, was ihm selten passiert. „Ich habe die Übung vorher mehrfach fehlerfrei geturnt, und dann patze ich im Wettkampf. Das soll mir nun nicht passieren“, hadert er.

Das Team der KTV Straubenhardt sei bärenstark und meistens der Sieger gewesen. „Aber eben nicht immer“, sagt Spiridonov und erinnert ans Jahr 2012. „Da haben wir in Berlin das Finale gewonnen und es später krachen lassen. Das wollen wir wieder tun, egal wie es ausgeht. Mit der Goldmedaille um den Hals wäre es aber einen Tick geiler“, sagt er. Ob er auf der Meisterfeier dann mit Wein oder lieber mit Bier auf die vierte Goldmedaille der TG Saar anstoßen wird, entscheidet er spontan. So hält er es übrigens auch mit der weiteren Karriere-Planung.