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Nicole Recketnwald zum Frauen- und Mädchenfußball im Saarland

Frauen- und Mädchenfußball : „Die Gesundheit ist das Allerwichtigste“

Auch bei den Fußballerinnen werden mögliche Optionen erörtert: Saisonfortführung oder Abbruch?

Genau wie die Männer des Saarländischen Fußballverbandes (SFV) befinden sich auch ihre Alterskameradinnen seit Monaten in einer Corona-Warteschleife. Die Saarbrücker Zeitung fragte bei der SFV-Vorsitzenden Verbandsausschuss für Frauen- und Mädchenfußball, Nicole Recktenwald, nach.

Frau Recktenwald, bitte stellen Sie sich unseren Lesern vor.

NICOLE RECKTENWALD: Ich bin 50 Jahre alt und wohne mit meinem Mann Edgar Bauer, der unter anderem bereits beim TuS Rentrisch in verschiedenen Funktionen tätig war, in Dudweiler. Im Alter von 13 Jahren hatte ich mit dem Fußballspielen begonnen. Das war damals beim SC Friedrichsthal, der gerade in Sachen Mädchen- und Frauenfußball wieder im Aufbau ist. Meine Aktivenhauptzeit hatte ich dann zwischen 17 und 32 beim SV Scheidt verbracht. Dann ging es beim TuS Jägersfreude weiter, wo ich teilweise auch gleichzeitig Trainerin von mehreren Mannschaften war. Dort bin ich heute noch Abteilungsleiterin, kümmere mich aber nicht mehr um Dinge des direkten Spielbetriebs. Da geht es vielmehr um Sachen wie beispielsweise Mitgliedsbeiträge und Spielerinnenwechsel. Ich besitze heute noch eine gültige B-Lizenz und war auch neben meinen anderen Trainertätigkeiten Co-Trainerin der Saarauswahl. Und so bin ich dann auch nach und nach in meine heutige Tätigkeit beim SFV hineingewachsen. Ich kann mich in diesem Verbandsausschuss auf wichtige Personen verlassen. Die Zusammenarbeit ist sehr gut.

Nicole Recktenwald und ihr Verabandsausschuss stehen vor schwierigen Entscheidungen. Foto: Stefan Holzhauser

Wie ist es aktuell um den Mädchen- und Frauenfußball im Saarland bestellt?

RECKTENWALD: Die genauen aktuellen Zahlen werden noch einmal erhoben, schließlich beschäftigen wir uns nun bereits seit gut einem Jahr mit den Corona-Auswirkungen. Wenn ich jetzt auf den Mädchenbereich eingehe, waren dies heute vor gut einem Jahr bei den B-Juniorinnen drei höherklassige Mannschaften – der 1. FC Saarbrücken I in der Bundesliga West-Südwest sowie die beiden Südwest-Regionalligisten SV Bardenbach und 1. FC Saarbrücken II. Insgesamt gab es noch zehn weitere B-Juniorinnen-Teams und elf in der C-Jugend. Und bis zum Saisonabbruch aufgrund der Corona-Pandemie kamen noch sechs Mannschaften der D-Juniorinnen hinzu. Wir hatten damals gerade bei den E-Juniorinnen eine sehr schöne Aktion am Start, wo in Zusammenarbeit mit den Vereinen und dem DFB-Mobil an Grundschulen Fußball gespielt wurde. Es ging darum, neue E-Jugendmannschaften zu bilden – sei es mit bereits im Frauen- und Mädchenfußball aktiven Vereinen oder auch mit Clubs, die bislang auf diesem Gebiet nicht mehr oder noch gar nicht tätig waren. Diese Aktion war super angelaufen. Wir hatten plötzlich 14 E-Jugendteams am Start. Aber ich spreche bewusst in der Vergangenheitsform. Jetzt, nach fast einem Jahr mit Corona, wären es bedeutend weniger. Klar, wir wären gerne am Ball geblieben, aber diese Pandemie hat es leider nicht mehr zugelassen. Und so ist zu befürchten, dass nun etliche Mädels leider nicht mehr regelmäßig Fußball spielen. Sobald es wieder möglich ist, soll das Projekt natürlich neu aufgerollt werden. Und dann hoffen wir erneut auf einen großen Zulauf. Und ganz klar ist natürlich auch, dass weniger Mädchen im Fußballbereich in der Regel weniger Frauenteams bedeuten, da diese nach und nach von den Nachwuchsspielerinnen bestückt werden. Und noch einmal ganz kurz zurück zu unserem E-Mädchen-Projekt an Grundschulen: Einen echten Kracher gab es dabei in Niederkirchen bei St. Wendel. Dort waren gleich beim ersten Training 60 Mädchen am Start, von denen 35 ins Vereinstraining kamen – davon nachher über 20 regelmäßig. Aber das war alles vor Corona. Vermutlich wären wir nach einem Wiederbeginn zunächst einmal darüber froh, wenn noch zehn bis zwölf Mädchen regelmäßig ins Training kämen. Niederkirchen war unser absolutes Highlight. Bei den Frauen muss man sagen, dass die Zahlen im vergangenen Sommer trotz des ersten Lockdowns relativ stabil geblieben sind. Wir sprechen hier von einem Bereich zwischen 75 und 78 Teams. Aber auch hier muss man nun abwarten, was der zweite Lockdown negativ bewirkt. Ich könnte mir schon vorstellen, dass gerade ältere Spielerinnen, die zuvor noch bei den Aktiven aushalfen, nun nicht mehr dabei sind. Diese Spielerinnen verlieren wir dann wohl komplett im Meisterschaftsbetrieb.

Wie sieht es denn im Frauenfußball im Bereich Ü35 aus?

RECKTENWALD: Im Gegensatz zu den Männern haben wir ja bei den Frauen keine eigentlichen AH-Mannschaften, die regelmäßig um Punkte kämpfen. Mir gefällt auch nicht der Begriff Herren. Das sind Fußball spielende Männer. Und genau so sind wir keine Damen, sondern Frauen. Ich denke, dass diese Begriffe viel besser zu uns Fußballerinnen und Fußballern passen. Bei den Frauen wird aber jährlich ein offenes Turnier ab der Ü35 angeboten. Ausrichter waren bereits beispielsweise Vereine wie die in Auersmacher oder auch Oberwürzbach. Ich hoffe natürlich, dass dies nach Corona weitergeführt werden kann, wobei dabei auch erfahrene Spielerinnen aus verschiedenen Vereinen zusammen kommen können. Das ist bisher gut angenommen worden.

Am 31. Oktober 1970 war der Frauenfußball vom Deutschen Fußball-Bund offiziell in seine Satzung aufgenommen worden. Das Jahr 2020 markierte daher ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre Frauenfußball in Deutschland. Wie blicken Sie auf dieses besondere Jubiläum zurück?

RECKTENWALD: Zunächst einmal muss man sagen, dass wir verschiedene Jubiläumsaktionen leider aufgrund von Corona nicht durchführen konnten. Was noch eventuell zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden kann, muss abgewartet werden. Wir stecken ja mittlerweile bereits schon wieder im zweiten Lockdown. Die ausgefallenen Feierlichkeiten sind natürlich extrem schade, aber eben dieser momentan ungewöhnlichen Zeit geschuldet. Grundsätzlich muss man sagen, dass sich der Frauenfußball etabliert hat, auch wenn er nie den Stellenwert wie Männerfußball einnehmen wird. Ich selbst bin am BBZ Sulzbach Lehrerin und werde dort von den Fußballbegeisterten immer wieder gefragt, wann es wieder mit dem Trainings- und Spielbetrieb losgehen kann. Dies passiert sogar während des aktuellen Online-Unterrichts. Aber auch ich kann ja nicht in eine Glaskugel hineinschauen. Auch im Mädchen- und Frauenfußball gibt es ja je nach Ligenzugehörigkeit auf den Ebenen unterschiedliche Ansprechpartner und Entscheider. Es könnte schon sein, dass wir bei einem Start ab Mai noch zeitlich die komplette Vorrunde zu Ende spielen könnten. Ich denke, alles wird vom Geschehen in der Regionalliga abhängig sein. Sollte dort wegen Corona die Vorrunde nicht mehr zu Ende gespielt werden können, würde das aus meiner heutigen Sicht auch die darunter liegenden Fußball-Klassen im Saarland betreffen. Dann würde es in der Regionalliga wohl keine sportlichen Auf- und Absteiger geben. Und umgekehrt wäre es so, dann wohl auch nicht mehr im Saarland Aufsteiger nach oben zu bestimmen. So würde dann in den einzelnen Klassen wohl der Saisonabbruch und eine komplette Wiederholung mit den exakt gleichen Teams folgen.

Wann kann die Saison fortgesetzt werden?

Als Vorsitzende des Verbandsausschusses im Frauen- und Mädchenfußball steht Nicole Recktenwald (links) des Öfteren im Rampenlicht. Foto: Stefan Holzhauser

RECKTENWLD: Grundsätzlich hoffen wir alle auf die schnellstmögliche Rückkehr auf den Platz. Wichtiger als die Klassenzugehörigkeit im saarländischen Bereich sehe ich jedoch die Möglichkeit für Vereine, im Juni und Juli wieder Vereinsturniere austragen zu dürfen. Gerade die kleineren Vereine benötigen dringend wieder Einnahmequellen. Die Gesundheit aller Beteiligten ist sowieso das Allerwichtigste. Aber wie gesagt: Das weitere Vorgehen in der Regionalliga ist aus meiner Sicht entscheidend!