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Projekt
Den Rhythmus Afrikas spüren

Blick auf den Schaumbergturm: Hier präsentierte die Künstlergruppe Die Redner ihr Projekt „Credo“.
Blick auf den Schaumbergturm: Hier präsentierte die Künstlergruppe Die Redner ihr Projekt „Credo“. FOTO: Frank Faber
Tholey. Die Redner zeigen ihr Programm über den senegalesischen Dichter Senghor auf dem Schaumberg. Von Evelyn Schneider

Wenn der Schaumbergturm bei Tholey am Freitag, 24. August, einmal mehr zur Leinwand für ein Kunstprojekt wird, dann soll es um Emotionen gehen. „Der Abend soll als Gefühl wahrgenommen werden. Und dann kommen die Zuschauer vielleicht zu dem Punkt, an dem sie die andere Kultur verstehen.“ So beschreibt Florian Penner die Vision der Künstlergruppe Die Redner. Zum dritten Mal inszeniert sie eines ihrer Programme auf dem Schaumbergplateau.


Dieses Mal geht es um den Rhythmus des Schwarzen Kontinents. So erklingen afrikanische Instrumente, Filmsequenzen zeigen Die Redner, wie sie mit Menschen in den Straßen Senegals musizieren, die Stimme des einstigen Präsidenten Léopold Sédar Senghor ist zu hören, deutsche Textzeilen werden eingeblendet. Die Symbiose aus Bildern, Musik und Sprache soll das Lebensgefühl Afrikas vermitteln. Und an einen Mann erinnern, der schon in den 1960er-Jahren von einem Dialog der Kulturen träumte: Sédar Senghor. 1968 wurde er mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. „Somit erhielt diesen Preis erstmals ein Afrikaner“, merkt Penner an. Im Vorfeld dieser Auszeichnung kam es in Frankfurt am Main zu Protesten. Während Studenten draußen lärmten, hielt Senghor eine Friedensrede in der Paulskirche. Darin bezog er sich auch auf Goethe. Der deutsche Dichter hatte es dem Senegalesen angetan.

Über das Goethe-Institut in Dakar wiederum konnte die Künstlergruppe Die Redner ihre Recherchen zu dem Programm „Senghor – Wie klingt Afrika“ starten. Die Senegalesen legten hohen Wert auf Bildung und Kommunikation. In vielen Interviews erfuhr die Gruppe, dass in dem westafrikanischen Land die Erzählkultur von Bedeutung ist. Es gebe keine Geschichtsorte wie Kirchen oder Burgen. Tänze und Musik vermittelten die Kultur.



„Das Institut stellte den Kontakt zu Schauspielern, Musikern und Dichtern her, mit denen wir vor Ort arbeiteten. Nach zwei Wochen führten wir das Programm auf, filmten einige Sequenzen“, berichtet Penner, der zusammen mit Oliver Strauch der Kopf der Redner ist. Die Zeit auf dem Schwarzen Kontinent hat bei Florian Penner viele Eindrücke hinterlassen. Als Europäer habe er sich an einen anderen Rhythmus, an ein anderes Verständnis von Pünktlichkeit gewöhnen müssen. Fasziniert habe ihn der Zusammenhalt innerhalb der Familien, aber auch der Senegalesen als Volk. „Dort leben 94 Prozent Muslime, sechs Prozent Christen – und das Miteinander funktioniert. Es gibt eine gewisse Toleranz“, sagt Penner. Am meisten beeindruckt habe ihn ein Senegalese, der von seinem Leben auf dem Land erzählte. Dort kommunizieren die Menschen mit Trommeln. Immer noch. Auch wenn selbst hier moderne Telekommunikation längst Einzug gehalten hat.

Beim dritten Gastspiel der Redner auf dem Schaumberg gibt es zwei Neuerungen. Zum einen bestreitet die Landes-Schüler-Bigband Jazz Train das Vorprogramm. „Damit die Projektion der Redner wirkt, brauchen wir die Dunkelheit“, erklärt die Kulturbeauftragte der Gemeinde Tholey, Jutta Backes-Burr. Da aber ein Beginn von etwa 21 Uhr für das Publikum gefühlt sehr spät sei, gibt es vorab schon mal Musik. Jazz passe zum Redner-Projekt, sagt Penner. Die  Wurzeln des Musikstils lägen in Afrika. Der Dichter und Staatsmann Senghor habe einst den Jazzmusiker Duke Ellington zitiert, der 1966 auch ein Konzert in Dakar gab.

Als zweite Neuerung steigt dieses Mal die Stiftung europäische Kultur und Bildung als Kooperationspartner ein. Die Erklärung für deren Engagement liefert Sandra Hemgesberg: „Ein Projekt, das zeigt, dass schon in den 1960er-Jahren jemand die Vision hatte, dass Kulturen Sprache und Geschichte von einander kennen lernen sollten, damit es ein Miteinander geben kann, muss einfach unterstützt werden.“

Für Bürgermeister Hermann Josef Schmidt (CDU) ist Afrika ein durchaus aktuelles Thema. „Der Kontinent wird uns in Zukunft beschäftigen. Wir Europäer sollten Afrika als gleichberechtigtem Partner begegnen.“ Viel zu oft gehe es mehr um die Rohstoffe als um die Kultur und die Menschen. Letztere rückt das Projekt der Redner in den Mittelpunkt. „An diesen Ort mit Weitblick passt diese Veranstaltung mit Weitblick“, sagt Schmidt.

„Senghor – Wie klingt Afrika“ ist eigentlich klassisch für die Bühne angelegt. Da aber der Schaumbergturm als Leinwand der Projektionen dient, müssen die Macher von horizontal in vertikal umdenken. Es gibt ein Modell, um daran die verschiedenen Ausschnitte zu testen. Doch auch vor Ort wird noch bis kurz vor der Aufführung getüftelt.

Gemeinde, Stiftung und der Künstlergruppe ist es wichtig, auch junge Leute anzusprechen. Daher besuchen Die Redner im Vorfeld, aber auch zur Nachbesprechung Schulen. Jugendliche ab Klassenstufe zehn sollen so für das Projekt begeistert werden.

Ausschnitt aus dem Programm „Senghor – Wie klingt Afrika“ der Künstlergruppe Die Redner.
Ausschnitt aus dem Programm „Senghor – Wie klingt Afrika“ der Künstlergruppe Die Redner. FOTO: Rich Serra