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Kirchenkreis
Traditionen bewahren, neue Ideen zulassen

Im Redaktionsgespräch: SZ-Redakteurin Melanie Mai mit Gerhard Koepke.
Im Redaktionsgespräch: SZ-Redakteurin Melanie Mai mit Gerhard Koepke. FOTO: Evelyn Schneider
St. Wendel. Diese Erkenntnis hat Gerhard Koepke in seiner Zeit als Superintendent des Kirchenkreises Saar-Ost gewonnen. Knapp drei Monate ist er noch im Amt.

Am 25. März 2018 gegen 14.40 Uhr ist Schluss. Ein ungewöhnliches Datum, eine ungewöhnliche Zeit. Im SZ-Redaktionsgespräch erklärt Gerhard Koepke, warum gerade dann seine Laufbahn als Superintendent des Kirchenkreises Saar-Ost beendet ist. „Hauptamtliche Superintendenten  werden vom Präsenz entpflichtet. Und das in einem Gottesdienst. Diesen halte ich ab 14 Uhr, gegen 14.40 Uhr wird er wohl beendet sein.“ Diese Entpflichtung geht in der evangelischen Stadtkirche in St. Wendel über die Bühne. In der Heimatkirche des Pfarrers.


Das erste Mal wurde er 1989 zum Superintendenten gewählt, eingeführt wurde er 1990. Damals war es noch der Kirchenkreis St. Wendel. Dieser wurde im April 2010 aufgelöst. Diese Auflösung bezeichnet der 65-Jährige als eines der einschneidendsten Erlebnisse in seiner Zeit als Superintendent. Eine Art Trauergottesdienst sei in der Abteikirche in Offenbach-Hundheim über die Bühne gegangen: „Das war ein bewegender Moment.“ Vorausgegangen waren lange Verhandlungen mit Birkenfeld und Ottweiler. Mit dem Stichtag im April war ein Sechstel des Kirchenkreises neu: „Es ging darum, zusammenzuwachsen.“

Die Zusammenarbeit mit anderen Kirchenkreisen, mit der katholischen Kirche und auch mit öffentlichen Einrichtungen sei  vor allem in jüngster Zeit „top“ gewesen. Auch seinen Kreis-Synodalvorstand und sein Team lobt er in höchsten Tönen. „Sie haben mich sehr in der Verwaltungsarbeit unterstützt.“ Diese, so erzählt er, müsse eben gemacht werden, da gehe kein Weg dran vorbei.

Aber  das Schöne an seiner Arbeit als Pfarrer sei der Umgang mit den Menschen: „Wenn ich dachte, ich ersticke im Verwaltungskram, dann war ich dankbar, wenn ich ein Paar trauen oder ein Kind taufen durfte.“

In Sachen Taufen habe er gemerkt, dass man auch mal Neues zulassen muss. „Wir Evangelen sind manchmal zu rational, wir schließen Gefühle gerne aus“, sagt er. Dazu  nennt er ein Beispiel: In der Anfangszeit habe er Taufkerzen nicht zugelassen. Mit der Begründung: Das ist ein katholischer Brauch. Doch nach und nach merkte er, dass das den Menschen am Herzen liege. Und, dass es ein schöner Brauch sei, für den er sich schließlich öffnete. Dazu Koepke: „Man kann an Traditionen festhalten, aber trotzdem auf neue Ideen, auf Wünsche reagieren.“ Pragmatisch zeigte er sich auch in einer anderen Sache.  Ursprünglich gab es in St. Wendel am Neujahrsmorgen um 10 Uhr einen Gottesdienst. Traditionell war dieser sehr schlecht besucht. „Ich glaube, der Negativrekord waren drei Menschen in der Kirche.“ Also überlegte er sich, welches „tolle Angebot“ er den Kirchgängern am 1. Januar bieten könne. Es war die Geburtsstunde der Neujahrsansprachen von Politikern.  Mittlerweile kommen am Neujahrsabend um die 200 Gläubige in den Gottesdienst.



Seine Arbeit als Pfarrer will er auch beibehalten, wenn er kein Superintendent mehr ist. Schon jetzt hat er drei Termine für Trauungen 2018. „Das sind Leute, die habe ich von Geburt an begleitet habe, und nun traue ich sie“, sagt er und lächelt.

Aber sein Tag wird nicht mehr so eng getaktet sein.  „Ich brauche dann meinen Kalender nicht mehr“, schaut er voraus. Zu tun habe er aber weiterhin genug. So dass er prophezeit: „In ein Loch werde ich bestimmt nicht fallen.“ Er koche für die Familie, schon jetzt, wenn es die Zeit erlaube.  Außerdem arbeite er gerne im Garten; dort wachsen überwiegend Kräuter, die er fürs Kochen braucht. Außerdem warte eine „riesige Fotosammlung“ darauf, endlich sortiert zu werden. Und dann gibt es da noch Bücher, die zum Teil noch gar nicht ausgepackt sind.  Hinzu komme ein großer Freundeskreis. Und die Lust am Reisen. Eine Kreuzfahrt in der Karibik ist  schon für 2018 geplant. Genau wie ein Griechenland-Urlaub und eine Segel-Tour in Holland.