| 20:10 Uhr

Wochen der Demokratie
Den Stammtischparolen Paroli bieten

Otzenhausen. 70 Teilnehmer diskutierten in der Europäischen Akademie Otzenhausen über den Umgang mit der neuen Rechten. Von Frank Faber

Mit der Fachtagung „Deutschlands neue Rechte – Umgang mit rechtsorientierten Personen und Stammtischparolen“ sind die Wochen der Demokratie und Vielfalt in der Europäischen Akademie Otzenhausen zu Ende gegangen. 70 Teilnehmer, darunter Lehrer, Pädagogen und Vertreter aus Jugendbüros, nutzten das vom St. Wendeler Adolf-Bender-Zentrum (ABZ) konzipierte Workshopangebot. Dabei stand der Umgang mit rechtsorientierten Personen und Stammtischparolen im Mittelpunkt. „Es besteht Bedarf. Alles ist ja nicht gesellschaftlich beobachtet, sondern konzentriert erlebt und deshalb wollen wir die politische Jugendbildung forcieren“, erklärte Roland Ruttloff, Geschäftsführer der veranstaltenden Idee.on gGmbH aus Otzenhausen.


ABZ-Mitarbeiter Florian Klein gab im Workshop einen Einblick in Sachen Argumentationstraining gegen Stammtischparolen. Dies seien oft plakative Äußerungen, transportierte Vorurteile, Verallgemeinerungen und Anschuldigungen. „Häufig ist alles unreflektiert und nur wenig fundiert“, sagte Klein. Die Begegnung mit Stammtischparolen könne überall stattfinden. Seine Teilnehmergruppe stellte selbst eine Sammlung von Stammtischparolen auf. Kennzeichnend dafür waren Einfachheit, Plumpheit und ihr negativer Charakter, die Vorurteile zum Ausdruck bringen und sich stets gegen andere richten. Bei den daraufhin erstellten Beispielen machte der Klassiker „Für Flüchtlinge ist immer Geld da“ in der Rangliste eindeutig das Rennen. „Es gibt verschiedene Strategien, auf Stammtischparolen zu reagieren“, meinte Klein.

Teilnehmer Ruttloff machte die Handlungsmöglichkeit von der jeweiligen Situation abhängig. „Dabei muss ich im ersten Schritt mein Gegenüber ernst nehmen.“ Eine andere Möglichkeit im taktischen Kontext gesehen, so Ruttloff weiter, sei gezielt einen Konter mit Humor zu setzen. „Oft wird in den Parolen der Schwache gegen Schwache ausgespielt“, meinte er. Dazu sei dann wichtig, wie Workshopleiter Klein ausführte, ein sinnvolles Gegenargument mit Fakten zu belegen. „Manchmal hilft es auch, auf Emotionen einzugehen“, schlug er noch vor. Das Wichtigste überhaupt ist, sich gegen Stammtischparolen mit sexistischen, rassistischen oder homophoben Aussagen zu positionieren. Mit Rollenspiele stellten die Workshopteilnehmer anschließend verschiedene Szenarien und Strategien zum Umgang mit Stammtischparolen nach. Parallel wurden weitere Teilnehmer über rechtsextreme Erscheinungsformen wie Musik, Codes, Symbolik und Kleidung vom ABZ-Team aufgeklärt.