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Tourismus
Natur-Schätze vor der Haustür entdecken

Eines der naturtouristischen Angebote: Die Besonderheiten des Waldes zeigt der Ranger den Besuchern auf verschiedenen Touren durch den  Nationalpark Hunsrück-Hochwald.
Eines der naturtouristischen Angebote: Die Besonderheiten des Waldes zeigt der Ranger den Besuchern auf verschiedenen Touren durch den  Nationalpark Hunsrück-Hochwald. FOTO: Konrad Funk
Braunshausen. Tourismuszentrale lotet bei einem Workshop Potenziale des Fremdenverkehrs für das Saarland in der Nationalpark-Region aus. Von Frank Faber

Welche Potenziale besitzt der Naturtourismus in der Nationalparkregion Hunsrück-Hochwald? Und welche Kooperationsmöglichkeiten ergeben sich daraus für das Saarland und die Region? Antworten darauf sind während eines Workshops im Jugendgästehaus im Braunshausener Gästehaus am Peterberg vorgestellt worden. Sabrina Deutsch, von der Tourismuszentrale im Saarland, stellt laut einer Studie einleitend fest: „Das Potenzial für den Naturtourismus ist groß. 40 Millionen Menschen haben Interesse, sich im Urlaub in der Natur aufzuhalten“. Bis zum Jahr 2025 habe sich das Saarland als Ziel gesetzt, unter anderem noch mehr Wanderer und Radfahrer anzulocken und mit neuen Konzepten den Erlebnischarakter für den Aufenthalt der Urlauber zu steigern.


Derzeit arbeitet die Tourismuszentrale Saarland an der Förderung der Vernetzung und Kooperation von Touristiker naturnaher Einrichtungen und Naturschutzverbänden. „Wir sind dabei, weitere naturtouristische Angebote zu entwickeln und diese dann mit reichweitenstarken Marketingmaßnahmen zu begleiten. Die Nachhaltigkeit und Qualität steht oben drüber“, erklärt Deutsch. Mit der saarlandweiten Ausweitung des Naturtourismus „Saarland als nachhaltiges Reiseziel“ würde im kommenden  Jahr begonnen. „Dazu werden die schon bestehenden Projekte mit eingebunden und Synergien gebündelt“, sagt Deutsch.

Eine Standort-Kombination, die bei den Urlaubern ankommt, ist der Nationalpark Hunsrück-Hochwald mit seiner Nähe zum Bostalsee. Und überhaupt ist das St. Wendeler Land die Tourismus-Region Nummer eins im Land, die meisten Tagestouristen werden am Bostalsee gezählt. „Deshalb müssen wir die bereits bestehenden naturnahen Angebote im Produktbereich Naturtourismus in die Marketinggebiete einbeziehen“, fordert Martina Scheer, Leiterin der Tourismus-Information St. Wendeler Land am Bostalsee. Die frischen Zahlen, die Scheer dazu vorgestellt, sprechen für sich und bekräftigen Scheers Forderung. Bei Ankünften von Urlaubern verzeichnet der Landkreis Ende Juli dieses Jahres gegenüber 2015 eine Steigerung von 10,2 Prozent. 155 000 Besucher sind eingetroffen, 583 000 Übernachtungen gebucht worden.



„Das sind 7,7 Prozent mehr an Übernachtungen als vor drei Jahren“, verdeutlicht Scheer den Ferienboom in der Region. Auffällig ist dabei, dass eine große Anzahl an Saarländern im Kreis zum Urlaub absteigt. Mit einem besseren Verbindungsnetz im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) würde sich der Besuch noch merklich erhöhen. Unter dem Strich, so Scheer weiter, bringe der Tourismus eine Nettowertschöpfung 195 Millionen Euro ein. Tagesausflügler lassen 144 Millionen Euro hängen. „Sechs Millionen Euro an Steuergelder fließen davon wieder zurück“, teilt die Tourismusexpertin mit.

Allerdings ist der Nationalpark Hunsrück-Hochwald als Erholungsziel noch nicht so richtig wahrgenommen worden. Das 2015 gegründete Schutzgebiet belegt im bundesweiten Vergleich mit 1,6 Prozent Platz zehn bei den Besucherzahlen aller Parks. „Hier müssen wir nun intensiver werben“, appelliert Scheer. Insgesamt sei der Landkreis, findet sie, gut als Ferienregion aufgestellt. Über die Wanderwege bis zum Wassersport sei ein vielseitiges, naturnahes Angebot schon vorhanden. „Wir liegen mit den Produkten und den Angeboten richtig“, ist sie überzeugt. Weitere neue Anziehungspunkte wie der Ausbau des Freizeitweges auf der ehemaligen Bahntrasse zwischen Freisen, Nohfelden und Nonnweiler, die Entwicklung des Nationalparktores in Otzenhausen und eine neue Infrastruktur auf dem Peterberg seien in der Planung.

Hinzu kommt noch das Projekt Sternenpark, wo dieser entsteht, darüber hält sich Scheer noch bedeckt. Nur so viel. „Es gibt eine Gebietsauszeichnung ähnlich wie bei einem Naturpark“, informiert sie kurz und knapp. Durch die Expansion des Naturtourismus sieht auch ihre Kollegin Deutsch gute Chancen für das Saarland. „Ziel ist, dass die Urlauber die Natur erleben“, sagt sie. Dies müsse nun mehr ins Bewusstsein von Urlaubern gerückt werden. Neue Zielgruppen sollen angesprochen werden, so ergänzt Deutsch, und die Aufmerksamkeit für die Premium-Wanderwege und Großschutzgebiete gesteigert werden.