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Bürgermeisterkandidat
„Es gab Risse“ in der Namborner CDU

Konrad Haßdenteufel tritt für die Freie Liste Namborn (FLN) bei der Namborner Bürgermeisterwahl an.
Konrad Haßdenteufel tritt für die Freie Liste Namborn (FLN) bei der Namborner Bürgermeisterwahl an. FOTO: Weirich, Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Saarland
Namborn. Warum Konrad Haßdenteufel von den Christdemokraten zur Freien Liste wechselte, für die er bei der Bürgermeisterwahl antritt. Von Thorsten Grim

Der Hirsteiner Ortsvorsteher will es wissen. Konrad Haßdenteufel kandidiert für das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Namborn. Allerdings nicht für die CDU, der er mehr als 20 Jahre angehörte und über deren Liste er bei den vergangenen Kommunalwahl in den Namborner Gemeinderat einzog. Die Freie Liste Namborn (FLN) ist es, für die Haßdenteufel am 27. Mai antritt.


In der Vorstandsitzung vom 26. Februar ist Haßdenteufel als Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Hirstein zurückgetreten. In einer Stellungnahme, die der SZ vorliegt, bedankt sich der 61-Jährige bei den Ortsverbands-Mitgliedern „ausdrücklich für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren. Ohne unser ehrliches und faires Miteinander innerhalb unseres Ortsverbandes wären die guten Ergebnisse bei den Orts-, Gemeinde- oder Landratswahlen nicht möglich gewesen“, heißt es dort.

Seit 1. März ist der Bundespolizist im Ruhestand nun Mitglied der FLN – was sich auf die Sitzverteilung im Gemeinderat auswirkt. Denn mit Haßdenteufels Schritt hat die CDU ihre absolute Mehrheit im Rat verloren.

Völlig überrascht von Haßdenteufels Wechsel zur FLN war die Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands nach eigener Aussage nicht. „Es gab Risse“, räumt Kerstin Backes-Terning ein. „Wir waren zunehmend nicht so glücklich mit Haßdenteufels Abstimmungsverhalten im Gemeinderat.“ Dennoch habe die Namborner CDU immer versucht, „ihn mit einzubinden, das ist mir ganz wichtig“.

Die jüngere Entwicklung, an deren Ende Haßdenteufels Wechsel zur FLN stand, schildert Backes-Terning so, dass der Hirsteiner Ortsvorsteher bei einer Vorstandssitzung, in der es um die Nominierung des künftigen CDU-Bürgermeisterkandidaten ging, sich selbst ins Spiel brachte. In der übrigen Vorstandsmannschaft stieß dieses Ansinnen offenbar nicht auf Sympathie, denn wie Backes-Terning schildert, „hat er anhand der Stimmungslage wohl gemerkt, dass das wenig Sinn macht“. Daraufhin habe er sich auch nicht zur Wahl gestellt, bei der Judith Jung nach Angaben der Verbands-Vorsitzenden mit 18:1 Stimmen als Kandidatin nominiert wurde.



Auf Nachfrage erklärt Backes-Terning, dass Haßdenteufel vor jener Sitzung ihr gegenüber nicht klar geäußert habe, dass er sich gerne für die Christdemokraten um das Amt des Verwaltungschefs bewerben würde. „Auch auf wiederholte Nachfrage hin hat er nie etwas gesagt.“ Bei der auf die Vorstandsitzung folgenden Mitgliederversammlung hat Haßdenteufel sich laut Backes-Terning ebenfalls nicht offiziell als Gegenkandidat zur später auch hier mit klarer Mehrheit nominierten Bürgermeisteraspirantin Jung zur Wahl gestellt.

Auf die Gründe, warum er der CDU den Rücken gekehrt und zur FLN gewechselt ist, möchte Haßdenteufel auf SZ-Nachfrage nicht näher eingehen. Nachkarten sei nicht sein Ding, erklärt der FLN-Bürgermeisterkandidat. Was er sagen könne, sei, dass er zwar sowohl bei der Vorstandssitzung als auch bei der Mitgliederversammlung sein Interesse bekundet habe, „aber ich wollte keine Spaltung, keine Kampfabstimmung. Da bin ich nicht der Typ dazu“. Darum habe er nicht gegen Judith Jung kandidiert. Und nun sei es so, dass er sich – da er Tatsachen geschaffen und aus der CDU ausgetreten sei –, „jetzt einfach wohler fühle. Ich muss nicht mehr nach links und rechts gucken“.

Dennoch merkt man während des Gesprächs, dass ihm zumindest der CDU-Ortsverband Hirstein am Herzen liegt. „Den habe ich ja sozusagen mit aufgebaut. Hirstein war ja damals eine SPD-Hochburg und wir mussten schon schwer arbeiten, um die CDU nach vorne zu bringen“, erinnert er sich.

Eine Chance, für die FLN den Sessel des Rathauschefs erobern zu können, sieht Haßdenteufel durchaus gegeben. Schließlich habe die Freie Liste Namborn bei der jüngsten Kommunalwahl rund 20 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen können. „Wir werden kämpfen“, verspricht der FLN-Bürgermeisterkandidat.

Das Rathaus der Gemeinde Namborn steht in Hofeld. Am 27. Mai entscheiden die Namborner darüber, wer dem aktuellen Bürgermeister Theo Staub (SPD) auf dem Chefsessel der Verwaltung nachfolgt.
Das Rathaus der Gemeinde Namborn steht in Hofeld. Am 27. Mai entscheiden die Namborner darüber, wer dem aktuellen Bürgermeister Theo Staub (SPD) auf dem Chefsessel der Verwaltung nachfolgt. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos