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Traumhaus im Bauhaus-StilNicht an der falschen Stelle sparen

Traumhaus im Bauhaus-StilNicht an der falschen Stelle sparen

Nalbach/Wadgassen. Ganz modern, im Bauhaus-Stil, wird das Traumhaus der Familie Dräger-Pitz in Nalbach aussehen. "Unsere Schuhschachtel", nennt Angela Pitz es liebevoll. Der Entwurf für das 220 Quadratmeter große Objekt stammt von der Architektin Tanja Schreiner-Zöllner vom Architekturbüro "Der springende Punkt" in Wadgassen

Nalbach/Wadgassen. Ganz modern, im Bauhaus-Stil, wird das Traumhaus der Familie Dräger-Pitz in Nalbach aussehen. "Unsere Schuhschachtel", nennt Angela Pitz es liebevoll. Der Entwurf für das 220 Quadratmeter große Objekt stammt von der Architektin Tanja Schreiner-Zöllner vom Architekturbüro "Der springende Punkt" in Wadgassen.Vermittelt wurde die Architektin ihnen durch einen gemeinsamen Bekannten. Die Familie wollte ein Gebäude im Bauhaus-Stil. Da war Tanja Schreiner-Zöllner genau die Richtige. "Wir hatten eine Voridee und schon konkrete Vorstellungen", meint Thomas Dräger-Pitz. "Den Entwurf der Familie habe ich nach dem ersten Gespräch aber erstmal beiseite gelegt", erwidert Tanja Schreiner-Zöllner. "Ich wusste, es soll ein moderner Bau mit klaren Strukturen werden. Daraus habe ich das Modell entwickelt." Zunächst wurde ein Plan des zukünftigen Traumhauses erstellt. Mitte Februar war der erste Entwurf fertig. "Ich habe gemerkt, dass sich Frau Pitz das Haus anhand der Baupläne nicht vorstellen kann. Da habe ich ihr ein Modell gebaut, ausnahmsweise ohne extra Honorar", berichtet die Architektin. Knapp 20 Stunden hat sie gemeinsam mit Markus Welsch an dem Miniaturhaus gebastelt. Mit Erfolg: "Als Frau Pitz das Modell bei unserem dritten Termin gesehen hat, bekam sie gleich leuchtende Augen", erinnert sich Schreiner-Zöllner. Das war Ende Februar. Seitdem ging's um die FeinabstimmungEinige Änderungen wollte die Familie Dräger-Pitz noch haben. Der Anbau kam dazu, der Gemeinschaftsraum im Obergeschoss für die fünf Kinder wurde zu einer Galerie umgewandelt, der Balkon mit den Balustraden wurde ergänzt und die Küche zentral gesetzt. "Die Küche ist unser Mittelpunkt. Da spielt sich das meiste Leben ab", erläutert Angela Pitz. Eine große Wohnküche soll es werden mit einem Küchenblock in der Mitte. "Es ist kein einfaches Gebäude", ergänzt Tanja Schreiner-Zöllner. Es gibt viele kleine Details. So führt etwa der Balkon um zwei Seiten des Hauses und ist in Fassade des Hauses integriert. Für die Außenwand hat die Familie Dräger-Pitz eine Putzfassade gewählt. Ein Flachdach mit Kunststoffdichtungsbahn schließt das Gebäude ab. Als Fenster hat ihnen die Architektin Kunststofffenster mit Aluminiumdeckschale empfohlen. "Die sind sehr widerstandsfähig nach außen", erläutert sie. Die Details sind besprochen, die Entwurfsplanung beendet. Jetzt geht es in die so genannte Genehmigungsplanung. Es muss ein Bauplan für den Bauantrag erstellt werden. Wichtig sind dabei etwa der Energiepass und die Statik des Hauses. Jedes Details muss stimmen. Ist der Antrag genehmigt, kommt der größere Brocken auf die Architekten zu. "Der Vorentwurf und das Modell sind nur zehn bis 15 Prozent der Arbeit", meint Markus Welsch. Viel intensiver sei die Bauleitung. Dazu gehören beispielsweise die Ausführungsplanung, die Vergabe der Aufträge an Handwerksfirmen, die Rechnungsprüfung sowie das Überwachen und Koordinieren der Arbeiten. Die Bauleitung teilen sich die Architekten nach Gewerken mit einem Freund der Familie Dräger-Pitz auf, der selbst aus der Baubranche stammt und viele Handwerksfirmen kennt (wir berichteten). Für Thomas Dräger-Pitz ist das die ideale Lösung.Eine Lösung gefunden werden, musste auch für das Energiesparhaus. Die Nalbacher Familie hat sich für ein Haus nach neustem KfW70-Standard entschieden. > wird fortgesetzt Herr Kiefer, Sie sagen, Architekten sind bei einem Hausbau auch als Bauleiter wichtig. Warum?Kiefer: Architekten sind Sachwalter ihrer Auftraggeber, der Bauherren. Sie planen das, was der Bauherr wünscht und achten darauf, dass die Handwerker und Unternehmer die Planung so umsetzen, dass der Bauherr die Leistung bekommt, die er bestellt hat. Die einzelnen Arbeitsschritte müssen aufeinander abgestimmt, die Qualität des verwendeten Materials muss geprüft und die Einhaltung technischer und zeitlicher Vorgaben muss überwacht werden. Eine fehlerhafte Ausführung kann durch Architekten schon in der Bauphase erkannt und zeitnah durch den Handwerker oder Unternehmer beseitigt werden. Im Nachhinein ist eine Fehlerbeseitigung mit zusätzlichen Kosten verbunden und manchmal gar nicht mehr möglich. Wer in der Bauphase das Honorar für den Architekten einsparen will, der spart an der falschen Stelle.Was kostet die Bauleitung?Kiefer: Die Honorare der Architekten sind vom Gesetzgeber in der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vorgeschrieben. An diese gesetzliche Vorgabe müssen sich sowohl die Architekten wie auch die Bauherren halten. Das Honorar für die komplette Architektenleistung, die aus Planung, Ausschreibung und Bauleitung besteht, beträgt etwa zwölf Prozent der Nettobaukosten. Die Bauleitung ist mit einem Drittel des gesamten Honorars anzusetzen, also etwa mit vier Prozent der Nettobaukosten. In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Verantwortung des Architekten hinweisen, der im Rahmen der Bauleitung die ordnungsgemäße Ausführung der Leistungen des beauftragten Handwerkers überwacht. Der Architekt ist sich dieser Verantwortung bewusst und gegen eventuelle Fehler in diesem Ablauf berufshaftpflichtversichert.Was kann denn alles schief gehen, wenn der Bauherr selbst, sofern er kein Baufachmann ist, die Bauleitung übernimmt?Kiefer: Fehlerquellen sind bereits beim Einholen von Angeboten vorprogrammiert, beispielsweise wenn eine gewünschte Leistung nicht genau genug beschrieben ist und daher die Angebote der Handwerker und Unternehmer nicht vergleichbar sind; oder wenn unterschiedliche Materialqualitäten angeboten werden und vieles andere mehr. Lediglich mit Hilfe ausführlicher Leistungsbeschreibungen, die von den Architekten erstellt werden, können vergleichbare Angebote eingeholt werden. Manchmal kommt es vor, dass Architekten erst dann mit der Bauleitung beauftragt werden, wenn die Bauarbeiten bereits begonnen wurden und sich dann herausstellt, dass das Bauprojekt dem Bauherren über den Kopf wächst. Dann kann der Bauleiter oftmals nur noch Schadensbegrenzung betreiben; teurer wird's für den Bauherren in jedem Fall.

So soll das Traumhaus der Nalbacher Familie aussehen.
Das Wadgasser Architektenteam Tanja Schreiner-Zöllner und Markus Welsch.
Herbert Kiefer

Auf einen BlickIn unserer neuen Serie "Wir bauen uns ein Haus" begleiten wir die Familie Dräger-Pitz beim Bau eines Eigenheims im Neubaugebiet "Am Zimmerbach" in Nalbach. Die Familie, das sind Thomas Dräger-Pitz, Polizist, Angela Pitz, Kauffrau für Bürokommunikation, Robin (13), Tara (12), Louisa (6) sowie die Zwillinge Johanna und Maria (4). Wir berichten in weiteren Teilen über die Planungs- und Baufortschritte. Es geht etwa um die Finanzierung und um die Planungen für ein energiesparendes Haus. dög