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Weil der erste Eindruck zählt

Weil der erste Eindruck zählt

Bereits zum sechsten Mal zeigte die Ausbildungsmesse Jugendlichen berufliche Perspektiven auf. Vielen nutzten diese Chance, um sich unter fachmännischer Anleitung auf Bewerbungsgespräche vorzubereiten.

Mit "Fit 4 Job" haben die Organisatoren der sechsten Tholeyer Ausbildungsmesse einen neuen, jugendsprachlichen Namen verpasst. Okay, aber wie fit sind die Jugendlichen, die künftig eine Ausbildung beginnen wollen, oder nach sonstigen beruflichen Perspektiven Ausschau halten wirklich?

Elf Ausbildungssuchende gehen auf Nummer sicher, sie haben den Vortrag "Benimm-Knigge" gebucht. Referent Oliver Dreke informiert, wie sich Bewerber bei einem Vorstellungsgespräch präsentieren sollen. "Für den ersten Eindruck gibt es keine zweite Chance", mahnt Dreke. Er rät zum authentischen Auftreten und angemessener Kleidung. "Aufwendigen Modeschmuck, Piercings und kunstvolle Tätowierungen sollte man seinem Gegenüber beim ersten Gespräch besser nicht zeigen", legt Dreke seinen Zuhörern nahe. Des Weiteren, so meint der 15-jährige Jannis Brill aus Eppelborn, sei die Farben- und Stilberatung für ihn sehr interessant gewesen.

Derweil hat Mahdi Hassani (18) schon ein Vorstellungsgespräch geführt. "Ich will technischer Zeichner werden. Den Kontakt, um ein Praktikum zu machen, habe ich in der Tasche", freut sich der Nohfelder Gemeinschaftsschüler.

Sina Zell hat es eilig. Gleich bei drei Firmen hat die 20-Jährige ein Bewerbungsgespräch gebucht. "Ich bin auf der Suche nach etwas in Richtung Büro-Kommunikation. Ich habe eine Viertelstunde für ein Gespräch, so richtig viel Zeit ist das nicht, um sich richtig zu präsentieren", sagt sie.

Aber die Auswahl stimmt. 40 Betriebe und Behörden stellen den Jugendlichen in der Sport- und Kulturhalle ihre Ausbildungsplätze vor. Pflegeberufe und Jobs in der Gastronomie gelten bei Suchenden nicht gerade als der Bringer. "Die Verdienstmöglichkeiten und die Arbeitszeiten spielen bei der Ausbildungswahl eine große Rolle", weiß die St. Wendeler Arge-Beraterin Jennifer Schäfer. Vom oft gepriesenen touristischen Aufschwung im St. Wendeler Land nehmen die Ausbildungssuchenden bei der Messe kaum Notiz. "Die Anfragen für den dualen Studiengang Tourismus/Hotellerie sind gegenüber anderen Messen sehr überschaubar", resümiert Personalassistentin Sabrina Henn von der Victor's-Residenz-Hotelkette.

Gefragt sind hingegen Jobs bei Behörden, egal ob in Polizei- oder Bundeswehruniform. "Die Bundeswehr hat mich während des Beratungsgespräches sehr gut informiert", sagt Fachoberschülerin Chantal Bost (17) aus Ottweiler.

Zudem war der Andrang bei der Ausbildungswerkstatt St. Wendel, eine Dienststelle der Bundeswehr, groß. Ausbildungsleiter Hans Cervik hat gute Nachrichten zu verkünden. Elf Ausbildungsplätze (vier Maschinenbauer und sieben Kfz-Mechatroniker) für 2015 sind noch frei und die interessierten Jugendlichen, die sich während der Börse gemeldet haben, werden für den 23. Februar zum Einstellungstest eingeladen.

Doch es geht auch anders. Der Oberthaler Fachoberschüler Simon Eckert (18) ist am Morgen mit Nichts gekommen, hat unter Anleitung seine Bewerbung geschrieben und sich bei einem Unternehmen bewerben können. Abwarten, heißt es nun für ihn und einige andere.Von Berufswegen weiß Rudi Geßner wie Jugendliche ticken. Der Organisator und Lehrer an der St. Wendeler Dr.-Walter-Bruch-Schule hatte im Vorfeld für die Tholeyer Ausbildungsmesse "Fit 4 Job" ein neues Format entwickelt und die Dauer von drei auf einen Tag reduziert. Geßners Prognose, etwa 800 Jugendliche ansprechen zu können, wurde weit übertroffen. "Morgens waren es mehr als 700 Besucher, in den Mittagsstunden sind noch einmal mehr als 300 gekommen. So viele Besucher hatten wir in den Mittagsstunden noch nie", freute sich der Geschäftsführer der Stiftung Kind und Jugend.

In erster Linie sei dafür die Lenkung der Jugendlichen verantwortlich. "Die Theleyer Schule und die Fachoberschüler haben wir für den Mittag bestellt", erklärte Geßner. Durchgesetzt hat sich sein Konzept, die Börse auf drei Säulen zu stellen. Angeboten wurde eine klassische Messe, dazu kamen Bewerbungsgespräche und diverse Workshops. "Alles hatte so eine ganz andere Qualität, individueller und durch die Kontaktmöglichkeiten, viel vorteilhafter für die Ausbildungssuchenden", fasste der Organisator zusammen.

Neben den Ausbildungsplätzen für dieses Jahr wurde das Augenmerk bereits auf das kommende Jahr gelegt. Im Klartext heißt das für die Jugendlichen: Mit Hinweis auf die 2015er-Messe sind die Jungs und Mädels bei den vorgesprochenen Betrieben für einen Ausbildungsplatz 2016 vorgemerkt.