Tierische Neubürger in Oberlinxweiler

Oberlinxweiler. Wie viele Jahrzehnte ihn in Oberlinxweiler niemand mehr gesehen hat, ist nicht bekannt. Wer ihn aber wohl als erster wieder entdeckt hat, steht fest: Gerd Schwenk aus der Jakob-Stoll-Straße in Oberlinxweiler traute seinen Augen zunächst nicht, als er zwei putzige Tiere von der Brücke über die Blies aus beobachtete

 Ortsvorsteher Jürgen Zimmer zeigt auf die Spuren, die der Biber hinterlassen hat. Foto: SZ

Ortsvorsteher Jürgen Zimmer zeigt auf die Spuren, die der Biber hinterlassen hat. Foto: SZ

Oberlinxweiler. Wie viele Jahrzehnte ihn in Oberlinxweiler niemand mehr gesehen hat, ist nicht bekannt. Wer ihn aber wohl als erster wieder entdeckt hat, steht fest: Gerd Schwenk aus der Jakob-Stoll-Straße in Oberlinxweiler traute seinen Augen zunächst nicht, als er zwei putzige Tiere von der Brücke über die Blies aus beobachtete. Nein, Bisamratten oder Nutrias waren es sicher nicht, denn die "Kelle", der breite und abgeplattete Schwanz, ist nur typisch für ihn: den Biber.Typische BissspurenSchwenk informierte Ortsvorsteher Jürgen Zimmer über seine Beobachtung, der fast zur gleichen Zeit einen Anruf von Dietmar Möller, der ebenfalls in der Jakob-Stoll-Straße wohnt, erhielt: Der berichtete von seltsamen Bissspuren an seinen Bäumen und Sträuchern am Bliesufer, die eigentlich nur von einem Tier stammen können, einem Biber. Und tatsächlich scheint es, als hätte dort jemand junge Stämme kurz über dem Boden abgenagt und wie Bleistifte zugespitzt. Wenige Tage später konnte dann auch der Oberlinxweiler Ortsvorsteher kurz nach Einbruch der Abenddämmerung die nachtaktiven Neubürger mit dem lateinischen Namen "Castor fiber" in der Bliesaue beobachten. Sie haben sich offenbar gut hier eingelebt und lassen sich auch von Spaziergängern in der Nähe nicht aus der Ruhe bringen. Wenn sie nicht gemächlich in der Blies ihre Runden drehen, sitzen sie am Ufer und lassen sich die Rinde oder Blätter der gefällten Sträucher schmecken. Es war wohl nur eine Frage der Zeit, wann auch in Oberlinxweiler die Biber wieder heimisch werden. Denn vor einigen Jahren wurden vom Naturschutzbund Deutschland in Blieskastel und zwischen Neunkirchen und Ottweiler einige Tiere ausgesetzt, deren Nachkommen dann neue Lebensräume in Besitz nehmen mussten. Ortsvorsteher Jürgen Zimmer freut sich, dass sie sich in der Oberlinxweiler Bliesaue offenbar wohlfühlen. Denn dies sei auch ein Zeichen dafür, dass das Ökosystem hier an der Blies wieder intakt ist. Da die größte Bedrohung für die "Neubürger" von frei laufenden Hunden ausgeht, appelliert der Ortsvorsteher an alle Hundehalter, ihre Tiere im Bereich des Festplatzes und des Mühlenweges an der Leine zu führen. Und für die Anlieger an der Blies, die um ihre Bäume und Sträucher fürchten, hat er einen Tipp parat: Einfache Drahtmanschetten schützen die Gehölze vor den scharfen Zähnen, denen der Biber auch seinen lateinischen Namen Castor, was so viel wie "Schneider" bedeutet, verdankt. red