Kleine Züge ganz groß

Oberlinxweiler. Ferdi Greif, Fahrdienstleiter des Bahnhofs Greifenstein, hat alle Hände voll zu tun: Andauernd klingelt das Telefon, kommt eine Anfrage rein, muss er Weichen und Signale stellen. Ab und an will auch ein entgleister Zug wieder auf die Gleise gestellt werden. Das bewerkstelligt Greif mit viel Augenmaß und nur einer Hand

Oberlinxweiler. Ferdi Greif, Fahrdienstleiter des Bahnhofs Greifenstein, hat alle Hände voll zu tun: Andauernd klingelt das Telefon, kommt eine Anfrage rein, muss er Weichen und Signale stellen. Ab und an will auch ein entgleister Zug wieder auf die Gleise gestellt werden. Das bewerkstelligt Greif mit viel Augenmaß und nur einer Hand. Denn die zu bergenden Lokomotiven und Waggons wiegen nur wenige Gramm. Die schwarzen Dampfrösser und die blauen sowie roten Dieselloks, die im Oberlinxweiler Heim der Kaninchenzüchter ihre Runden drehen, sind Modelle der Originale im Maßstab von 1:87. Auf Schienen mit 16,5 Millimetern Spurweite lassen die Modellbahnfreunde Saar bei den dritten Modellfahrtagen eine fiktive Eisenbahnlinie irgendwo im Westen Deutschlands im Miniformat real werden.Machen wir doch eine Fahrt mit: An einem Frühsommer-Morgen steigen wir in der Hüttenstadt Greifenstein in den Eilzug 310 ein. Die Kreisstadt mit Lokschuppen und DB-Werk ist ein wichtiger Verkehrsknoten, auf den Bahnsteigen herrscht Hochbetrieb. Das erste Ziel der Bahnfahrt liegt nur wenige Kilometer entfernt und heißt Steinbach. Hier stellt sich die Modellwelt wie verwandelt dar: Eine dicke Pulverschicht bedeckt die Landschaft, hier und da hat der Wind Schneewehen gegen die Häuser gedrückt. Steinbach leidet noch immer unter bittererem Frost. Übrigens finden hier ein Namborner Schrotthändler sowie das Industriegebiet Bexbach Anschluss, wir aber bleiben im E 310 sitzen.Unsere nächste Station ist Schattenhausen. Dieser Bahnhof markiert den Südpunkt der Modul-Anlage, wo es um die Mittagszeit recht gemächlich zugeht. Weiter geht die Fahrt durch ein Mittelgebirge mit Burgen und Weinanbau-Gebieten, ehe es wieder flacher wird. Nächster Haltepunkt ist Kappel, mit der Weinhandlung "Blau", dann kommt Freisen, wo an einem Verladehafen Binnenschiffe mit Schüttgütern beladen werden. Nachdem unser Zug schließlich das von Eisen und Stahl geprägte Ruhrgebiet hinter sich gelassen hat, dominiert wieder das Grün der Natur, das Ziel naht: Nordhaven markiert den Endpunkt unserer fiktiven Fahrt in der Modelleisenbahn."Wir hatten an den beiden Tagen insgesamt zirka 200 Besucher", freut Fahrdienstleiter Ferdi Greif von den Modellbahnfreunden die große Resonanz bei der Bevölkerung.Woher die kommt, erklärt Julian Pfaff, der mit Papa Michael aus Hofeld nach Oberlinxweiler gekommen ist: "Dass ich hier selbst fahren kann, das ist wirklich super." Der Siebenjährige hat zuhause auch eine H0-Eisenbahnanlage. "Aber die ist nicht ganz so groß", sagt sein Papa, der durch den Sohnemann selbst zum faszinierten Modell-Eisenbahner geworden ist. Zwölf Lokomotiven sausen auf der Pfaff'schen Anlage, die sich über sechs Quadratmeter erstreckt, hin und her. "Aber nicht so professionell nach Fahrplan wie hier. Das ist alles spitze gemacht", lobt er die Mühe der Modellbahnfreunde.