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Ensemble spielt zur Mettenschicht im Barbara-Stollen in Gonnesweiler

Letzte Schicht vor Weihnachten : Brass Ensemble spielt zur Mettenschicht auf

Im Barbara-Stollen in Gonnesweiler feierten ehemalige Bergleute zum mittlerweile 21. Mal die letzte Schicht vor Weihnachten.

Der 21. Dezember 2018 geht in die Geschichte Deutschlands ein. Kumpel förderten am Freitag das allerletzte Stück Kohle auf der Zeche Prosper-Haniel in Bottrop. Ein letztes „Glück auf!“ für den Bergbau. Im Saarland ist der Teil der Montanindustrie bereits im Jahre 2012 dicht gemacht worden. Die heutige Bergbautradition bezieht sich im Wesentlichen auf die Hinterlassenschaften, nostalgische Erinnerungen und folkloristische Veranstaltungen. Ein bergmännischer Brauch ist die Mettenschicht.

Zum 21. Mal hat der Landesverband der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine die letzte Schicht vor Weihnachten im Gonnesweiler Barbara-Stollen gefeiert. „Die saarländischen Bergleute gehörten zu denen, die das Schicksal nicht verwöhnte. Für kargen Lohn schufteten sie halbe Tage im Bauch der Erde und mancher ließ gar sein Leben unter Tage“, blickte Klaus Hiery, seit 1987 Landespräsident der Bergmanns-, Hütten- und Knappenvereine, zurück. Im gleichen Atemzug bat er die 100 Gäste, sich von den Plätzen zu erheben: „In einem Steinkohlebergwerk in Tschechien sind heute bei einem schweren Grubenunglück mindestens 13 Arbeiter ums Leben gekommen“, berichtete Hiery. Die Industrialisierung, fuhr er nach dem Moment des Innehaltens und der Stille fort, habe das Saarland mehr als zwei Jahrhunderte intensiv geprägt und gleichzeitig die Menschen geformt. Es seien Berge versetzt worden und die Industriekultur stünde nun als Zeuge und Symbol für diese Zeit. „Wir sollten alles daransetzen, die bedeutenden Errungenschaften für unsere Kinder und Enkel zu erhalten und weiterzuentwickeln“, appellierte der 77-jährige Hiery. Die Schachttürme sollten genauso gehütet werden wie Kirchtürme.

Rückenwind erhielt die Forderung des langjährigen Bergmannes aus Fraulautern von Meinrad Maria Grewenig, dem Generaldirektor und Geschäftsführer des Weltkulturerbes Völklinger Hütte. Er plädierte während seiner Bergpredigt dafür, dass „das Brauchtum umfänglich gestaltet und gefördert wird“. Denn der Bergbau sei Teil des Lebens im Saarland, der Gegenwart und der Zukunft. „Denn das Ende des Bergbaus in Deutschland ist nicht das Ende, sondern ein Übergang“, sagte Grewenig. Und mit dem Blick nach vorne gerichtet, sehe er dabei Chancen und Potenziale. „Die Haldenlandschaften sind etwas für den Tourismus, Menschen können zwischen den Mulden wandern“, führte Grewenig als Beispiel an. Der Wohlstand im Saarland sei den Bergmännern zu verdanken. „Sie sind Helden einer Geschichte, die noch nicht zu Ende ist“, ist der Bergprediger überzeugt.

Die Bewusstseinsbildung für das industriekulturelle Erbe, so ergänzte Hiery, sei wichtig. Und es sei das Anliegen des Landesverbandes, Menschen aller Altersgruppen darüber Informationen zu vermitteln. Zum Ritual einer Mettenschicht gehört die Ernennung zum Ehrenhauer. In diesem Jahr verpasste Hiery dem Eppelborner Hans-Georg Schmitt, Vorsitzender der Bergmusik an der Saar, den Ehrenhauerschlag. Vollzogen wurde die Ernennung übrigens auch mit einer alten Tradition, dem Sprung mit dem gefüllten Schnapsglas über das „Arschleder“. Das „Arschleder“ oder auch Bergleder wurde von Bergmännern bei der Arbeit getragen und diente als Schutz vor dem Durchwetzen des Hosenbodens und dem Schutz gegen Bodennässe beim Sitzen.

Unter Schmitts spielte das Brass Ensemble der Bergkapelle Saar zum elften Mal im Barbara-Stollen auf. In Abwesenheit wurde Marc Roeder, vom RAG-Servicebereich Technik- und Logistikdienste, ebenfalls in den Stand des Ehrenhauers aufgenommen. Abschließend klangen die Bergmannslieder „Glückauf, ihr Bergleute‘ jung und alt“ und „Glückauf, der Steiger kommt“ durch den Barbara-Stollen.