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Kann sich jeder „lebenswert“ leisten?

Kann sich jeder „lebenswert“ leisten?

Der Abriss des alten Rathauses in St. Wendel hat in dieser Woche für viele emotionale Reaktionen seitens der SZ-Leser gesorgt. Einige sehen darin den schleichenden Verlust des alten Stadtbildes. Andere wiederum bemängeln in diesem Zusammenhang den geplanten Neubau an dessen Stelle, der Eigentumswohnungen vorsieht.

Diese seien für die wenigsten erschwinglich.

Was darf es kosten, in der Stadt zu leben? Wer kann es sich künftig noch leisten, zentrumsnah zu wohnen? Das ist schon längst nicht mehr allein eine Angelegenheit der Ballungsräume, auf dessen Märkten es zunehmend härter wird für Schwach- und Normalverdiener, eine angemessene Bleibe zu finanzieren. Auch in ländlichen Regionen ziehen dort die Preise an, wo es Menschen hinzieht. So ist halt der Markt: steigende Nachfrage, steigende Preise. Doch die Politik ist dafür verantwortlich, dass diese Marktwirtschaft nicht ungezügelt Bahn bricht.

Solche Ängste, dass es auch in St. Wendel so kommen könnte, haben Besucher der Podiumsdiskussion mit den beiden Kandidaten zur Bürgermeisterwahl ebenfalls offenbart. Bezahlbarer Wohnraum, nicht nur für sozial Schwache, wurde gefordert. Dafür sollte sich der kommende Rathauschef stark machen. Denn was nützt das umfangreichste Angebot an Veranstaltungen, Geschäften und Ausgehmöglichkeiten, wenn sich die wegen der Wohnsituation kaum jemand leisten kann? Lebenswert umfasst alle Bereiche.