Fastnacht den Fastnachtern

Ja, da hört doch echt der Spaß auf. Dass der Fastnachtsumzug in St. Wendel ein politisches Nachspiel haben wird, stand am Donnerstag in unserer Zeitung. Dabei hätte es gar nicht soweit kommen müssen, wenn nicht im Vorfeld der Umzug von den Werbestrategen der Parteien und Kandidaten als terminlich günstig für den Wahlkampf ausgemacht worden wäre.

So nahmen sie kurzerhand den St. Wendeler Narren deren ursprüngliche Aufgabe aus der Hand, sich über Obrigkeit und Mächtige schonungslos lustig zu machen. Stattdessen kokettierten Parteien und Kandidaten augenzwinkernd mit der eigenen Schippe, auf die sie sich selber nehmen wollten. Ob das tatsächlich der Sache dient? Oder ob es nicht klüger gewesen wäre, die Werbung für die anstehenden Wahlen dezent aus dem Narrenzug herauszuhalten? Nicht, dass es keine fastnachtsgerechte, politische Auseinandersetzung geben sollte - im Gegenteil. Das ist Aufgabe der Karnevalisten. Aber doch keine bierernsten Wahlkampfeinsätze mit Nachspiel daraus machen. Damit wird der Umzug für Zwecke genutzt, die am wenigsten diejenigen interessieren, die zum puren Vergnügen in die Stadt gekommen sind. Viele davon sind aber auch Wähler, die am 15. März in den Kabinen ihre Kreuzchen machen. Ob die beiden Veranstaltungen ausgerechnet bei einem Fastnachtsumzug zusammenkommen müssen, daran kann man seine Zweifel haben.