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Kreistreffen: Jagdgenossen stehen vor Herausforderungen

Kreistreffen : Jagdgenossen stehen vor Herausforderungen

Datenschutz, Schweinepest, Wildschäden und Versicherungsschutz sind Themen beim Treffen der St. Wendeler Kreisvereinigung.

Das Landhotel Rauber in Oberthal ist Schauplatz der Jahresmitgliederversammlung der Vereinigung der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer (VJE) im Landkreis St. Wendel. Und zwar am kommenden Dienstag, 2. April. Los geht es laut VJE um 19.30 Uhr. Und es gibt einiges zu bereden, wie Karl-Heinz Wölflinger, Vorsitzender der VJE, unserer Zeitung vorab in einem Redaktionsgespräch verraten hat. Ein Thema wird demnach die seit Mai vergangenen Jahres geltende Datenschutz-Grundverordnung sein. „Da wir eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sind, müssen wir einen Datenschutzbeauftragten bestimmen.“ Für diese Aufgabe jemand Geeigneten zu finden, sei für die vereinigten Jagdgenossen nicht einfach, „weil wir ja alle Ehrenamtler sind – und keine Datenschutz-Experten“. Überhaupt habe er inzwischen das Gefühl, „dass der Vorsitzende eines Vereins am besten ein Jurist und der Kassenwart Steuerberater sein sollte“.

Weiteres Thema der Jagdgenossen sei die Afrikanische Schweinepest ASP. „Im Saarland ist sie zum Glück noch nicht aufgetreten. Aber Belgien gab es bereits Fälle“, sagt Wölflinger, der seit 20 Jahren der Niederlinxweiler Jagdgenossenschaft vorsteht. „Da läuten schon ein bisschen die Alarmglocken bei uns.“ Denn wenn die Schweinepest tatsächlich ins Saarland kommen sollte, könnten die Jäger beziehungsweise Jagdgenossenschaften das nicht alleine stemmen, fürchtet Wölflinger. Eine Maßnahme gegen ASP könnten nämlich großflächige Jagdverbote sein – mit der Folge, dass die Jäger kein Wildbret vermarkten könnten und somit auch keine Einnahmen hätten. Doch von was sollten dann die Wildschäden bezahlt werden? Die haben laut Wölflinger in der jüngeren Vergangenheit eh stark zugenommen. Was wiederum dazu führen könne, dass sich für bestimmte Reviere keine Jagdpächter mehr finden. „Wir haben allein in Niederlinxweiler inzwischen jährliche Schäden in Höhe von 8000 bis 10 000 Euro. Überwiegend im Grünland, weil die Wildschweine ganze Wiesen umpflügen.“

Ein weiteres Problem, das sagt Wölflinger schon jetzt voraus, werde die Umsatzsteuer sein, „die wir als Körperschaft des öffentlichen Rechts ab 2021 zahlen müssen“. Das könnte zu Lasten der „Menschen im Dorf gehen, befürchtet der VJE-Vorsitzende. „Denn der Jagdpachtzins einer Jagdgenossenschaft bleibt gemeinhin im Ort. Mit den Geldern werden Feldwege instand gesetzt, Bäume gepflanzt und Sitzbänke erneuert. Jagdgenossenschaften beteiligen sich oft durch Spenden an Anschaffungen, etwa wenn der Kindergarten ein neues Gerät für einen Spielplatz braucht.“ Schmelze die Umsatzsteuer das von einer Jagdgenossenschaft durch Verpachtung eingenommene Geld ab, sei für solche Aufgaben letztlich weniger in der Kasse.

Etwa 70 Jagdgenossenschaften sind kreisweit Mitglied in der VJE. Die hat sich 2002 zusammengeschlossen. Unter anderem deshalb, „um gegenüber dem Gesetzgeber mit einer Stimme zu sprechen“, wie der VJE-Vorsitzende erklärt. „Vorher hat jede Jagdgenossenschaft ein Eigenleben geführt. Jetzt sind wir in allen Kreisen organisiert. Und es gibt einen Landesverband, der bei Gesetzgebungsverfahren von der Politik angehört wird und bei allem, was mit Jagd im Außenbereich zu tun hat.“

Als wäre eine Büffelherde über die Wiese getrampelt – doch die Pferdekoppel wurde von Wildschweinen umgepflügt.   Foto: BeckerBredel

Die Jahreshauptversammlung der VJE im Landkreis St. Wendel am Dienstag, 2.  April, beginnt um 19.30 Uhr im Landhotel Rauber (Bahnhofstraße 20). Im Anschluss an die Mitgliederversammlung referiert Jörg Wagner über das Versicherungspaket, das die VJE in absehbarer Zeit für ihre Mitglieder abschließen möchte. Und Wolfgang Schumann, Vereinigung der Jäger des Saarlandes (VJS), wird über das VJS-Projekt „Artenvielfalt“ informieren.