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Das Mia-Münster-Haus in St. Wendel wurde 1989 eingeweiht.

Runder Geburtstag : 30 Jahre Kunst, Kultur und Bildung unter einem Dach

1989 wurde das Mia-Münster-Haus eingeweiht. Es beherbergt die Kreis- und Stadtbibliothek sowie das Museum St. Wendel.

Am heutigen 1. April wäre Mia Münster 125 Jahre alt geworden. Passenderweise feiert in dem Geburtsmonat der Künstlerin ein Gebäude in St. Wendel Jubiläum, das ihren Namen trägt: das Mia-Münster-Haus. Vor 30 Jahren wurde es eingeweiht und beherbergt unter seinem Dach sowohl Kunst und Historie als auch unzählige Geschichten. So wurde 1989 zunächst die Kreis- und Stadtbibliothek eröffnet und dann das Museum St. Wendel.

Der heutige Bürgermeister Peter Klär (CDU) saß damals noch im Stadtrat, als auf der Mott die Bauarbeiten starteten. 4,7 Millionen Mark hat das zweigeteilte Haus insgesamt gekostet. Walter Bruch gewährte mit der nach ihm benannten Dr-Walter-Bruch-Stiftung einen Zuschuss von 1,5 Millionen Mark; durch den das Museum im ersten Stock realisiert werden konnte. Hier sollten Kunst und Stadthistorie  ein Zuhause finden. Als Bürgermeister gehört Klär automatisch zum Vorstand dieser Stiftung. Dessen zweites Mitglied ist Maria Bruch, Walter Bruchs jüngste Tochter. Es gibt noch eine zweite Stiftung, die sich für die Belange des Museums einsetzt: die Franz-Josef-Bruch-Stiftung. „Sie kauft beispielweise Werke für die Ausstellung an“, erläutert der Verwaltungschef.

Als sich die künftige Bildungseinrichtung noch im Rohbau befand, engagierte die Stadt zwei junge Damen, die später das Gemäuer mit Leben, Kunst und Geschichte füllen sollten: Museumsleiterin Cornelieke Lagerwaard und Claudia Besch-Moutty. Ihr erstes Büro im Alten Rathaus habe eher einer Abstellkammer geglichen. „Man gab uns drei Ordner mit der Geschichte des Hauses“, erinnert sich Lagerwaard zurück. Damit sollten sie sich vertraut machen. Außerdem gab es den Auftrag an das künftige Museum, dass es auch die Stadthistorie beheimaten sollte. „Das alte Heimatmuseum war zwar geschlossen, aber es war noch alles da: 400 Jahre in einer Vitrine mit handgeschriebenen Zetteln versehen“, sagt Lagerwaard und lächelt, als würde sie die Vitrinen von damals vor sich sehen. Die Frauen machten sich ans Werk, alles zu inventarisieren.

Auf Initiative der beiden hin, beschäftigte sich anlässlich der Museums-Eröffnung 1989 die erste Ausstellung mit Künstlern aus dem Umfeld von Mia Münster. In den folgenden 29 Jahren sollten etwa 150 Ausstellungen folgen. Dass Lagerwaard und Besch-Moutty dem Museum so lange treu bleiben, war zunächst nicht geplant. „Es war Walter Bruch, der sich dafür einsetzte, dass wir bleiben“, erinnert sich die Museumsleiterin zurück. Ihm sei bewusst gewesen, dass es nicht damit getan sei, ein solches Haus einzurichten und dann laufe es von selbst. In jeder Schau stecke viel Arbeit und Planung. Aber genau das solle der Besucher nicht unbedingt merken. Eine Ausstellung solle sich leicht und selbstverständlich anfühlen.

Noch im Eröffnungsjahr gab es eine besondere Benefiz-Aktion im Museum: „Bilder für Afrika“. Künstler hatten dazu Tücher bemalt, die eine Weile die Wände zierten. Zum Abschluss der Ausstellung wurden die Werke bei einer Auktion versteigert. „Das war meine erste Seite eins in der SZ“, sagt Besch-Moutty und lächelt. Ein Foto von ihr und einem der Werke zierte die Titelseite der Zeitung. „Der damalige Bürgermeister Klaus Bouillon hat zu mir gesagt: Das habe selbst er noch nie geschafft.“ Lange ist’s her.

Ein weiteres Mal war dem Museum 2009 die saarlandweite Aufmerksamkeit gewiss – bei der Schau „Das begehbare Märchen“. Damals habe ein regelrechter Ausnahmezustand in den Räumen geherrscht. Vor allem während der Zeit des Weihnachtsmarktes. „Wir hatten bis 20 Uhr geöffnet, und es kamen an einem Tag 1000 Besucher. 95 Prozent waren Kinder“, blickt die Kunsthistorikerin Lagerwaard zurück. Das Besondere an der Schau: Sie war interaktiv. „So gab es einen Teich, wenn man den berührte, kamen Fische angeschwommen“, sagt Besch-Moutty. In einer alten Telefonzelle konnten die Besucher Märchen lauschen und es gab eine Höhle. Damals zählte das Museum 13 000 Besucher bei einer Ausstellung. In der Regel sind es 15 000 Gäste pro Jahr.

Eine Zeitlang wurde ein Euro Eintritt erhoben. Das ist inzwischen abgeschafft. Es gibt eine Museums-Jahreskarte für zwölf Euro. Deren Besitzer werden regelmäßig über Neuigkeiten informiert, erhalten Einladungen zu den Ausstellungen und 20 Prozent Rabatt auf die Publikationen. „Wir haben einen festen Stamm zwischen 70 und 100 Leuten“, sagt Lagerwaard. Das dürften gerne mehr werden. Etwa Zweidrittel haben ihre Museumskarten seit nunmehr 30 Jahren.

Neben Cornelieke Lagerwaard zählen drei weitere Mitarbeiter zum Kern des Museumsteams. Außerdem gibt es noch Aufsichtspersonal. Auch eine Putzfrau und ein Hausmeister sind regelmäßig im Mia-Münster-Haus. Ganz besonders loben Lagerwaard und Besch-Moutty das Bauhof-Team, das immer zur Stelle sei, wenn es gebraucht werde.

Nach einem Einbruch 1996 wurden Kameras im Museum eingebaut, und die zeichnen schon mal Kurioses auf. So habe mal ein Besucher ein Pastellbild von der Wand genommen und sei damit zum Fenster gegangen, um es zu betrachten, erinnert sich Besch-Moutty. Während die beiden Frauen in Ordnern mit alten Fotografien blättern, werden viele Erinnerungen an Künstler wach.

Von Anfang an gab es in den Räumen des Museums auch Konzerte, wurde die Zusammenarbeit mit anderen Häusern groß geschrieben, war die Straße der Skulpturen ein bedeutender Partner. „Es ist wichtig, dass das Museum in der Gesellschaft verwurzelt ist“, sagt Lagerwaard. Aktuell laufen die Vorbereitungen zur nächsten Ausstellung und die beschäftigt sich mit der einstigen Landesmutter St. Wendels: Herzogin Luise.

„Welchen Stellenwert Kunst und Kultur für eine Stadt haben, zeigt sich auch in einem solchen Gebäude“, sagt Stadtpressesprecher Volker Schmidt über das Mia-Münster-Haus. „Für mich ist es eine Bildungseinrichtung“, ergänzt Bürgermeister Peter Klär. Der Aufgabe, Zugang zu Bildung zu ermöglichen, kommt auch die Kreis- und Stadtbibliothek nach. Dort arbeitet lediglich Fachpersonal. „Das ist nicht überall so“, bestätigt der heutige Leiter, Uwe Hippchen. Er ist seit 2001 in St. Wendel, kennt dennoch die Historie des Gebäudes. So war im Erdgeschoss des Mia-Münster-Hauses anfangs ein Kultur-Café. Doch als dessen Pächterin aufhörte, fand sich kein Nachfolger. „Für uns war das ganz gut, denn so konnten wir Büroräume einrichten“, gesteht Hippchen. Die waren nämlich anfangs nicht vorhanden, fehlten übrigens auch ein Stockwerk höher.

„Die Bibliothek hat sich stark gewandelt und wird sich weiter verändern“, sagt deren Leiter. Während es früher nur darum ging, Bücher auszuleihen, gehörten heute verschiedene Medien zum Angebot wie DVDs, E-Books oder Tonies. Letztere seien der absolute Renner bei Kindern. Tonies sind Figuren, die man auf eine entsprechende Lautsprecherbox setzt, und schon spielen sie Geschichten oder Lieder ab.

Früher wie heute werde gelesen, sagt Hippchen. Nur mit dem Unterschied, dass heute viele auf die papierlose Variante umgestiegen sind. Daher ist Hippchen froh, dass die Anbieter rechtliche Grundlagen für den Verleih von E-Books geschaffen haben. Diese werden in der Regel auf das eigene Gerät geladen. Für alle, die die elektronische Buch-Variante ausprobieren möchten, gebe es in der Bibliothek Leih-Geräte.

Ebenso wie eine Etage höher setzt das Bibliotheks-Team auf Veranstaltungen wie Lesungen. Früher habe es ein wöchentliches Angebot für Kinder gegeben, bei dem Paten Geschichten vorgelesen haben. „Das ist irgendwann eingeschlafen“, gesteht Hippchen. Ein neues Konzept musste her. Inzwischen gibt es monatlich einen Termin mit einer Kombination aus Vorlesen und Basteln für Kindergartenkinder, der mit Anmeldung läuft. Und das sehr gut. „Es gibt eine Vormerkerliste.“ Daher denken die Verantwortlichen über ein Angebot für Grundschulkinder nach – im Zweimonatsrhythmus.

Blick auf die Bauarbeiten zum Mia-Münster-Haus, das 1989 eingeweiht wurde. Foto: Wolfgang Thiry/Stadtarchiv St. Wendel
Dr. Walter Bruch und der damalige Bügermeister Klaus Bouillon im Mia-Münster-Haus. Foto: Wolfgang Thiry

Passend zum 30. Geburtstag steht am  Mia-Münster-Haus etwas Kosmetik an. Es soll energetisch saniert werden. Dazu wird die Fassade erneuert, was auch bedeutet, dass das Werk von Künstler Cone the Weird, das er im Mai 2017 auf die Außenwand gesprüht hat, verschwinden wird. So ist das Gebäude wieder um ein Kapitel Geschichte reicher.