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Digitaler Schülerangriff auf das Corona-Monster

Kettengeschichte einer Grundschulkasse aus Weiskirchen : Digitaler Schülerangriff auf das Corona-Monster

Eine Grundschulklasse in Weiskirchen hat dem Corona-Virus auf ganz eigene Art den Kampf angesagt: mit einer lustigen Kettengeschichte.

Die Politik zerbricht sich aktuell den Kopf darüber, wie die erkannten Defizite bei der Digitalisierung der Schulen abgebaut werden können. Dass dies auf der untersten Ebene vor Ort bei Lehrern, Eltern und Schülern bereits geschieht, dass dies mit zündenden Ideen und persönlichem Engagement sogar viel Spaß machen kann, das beweist gerade jetzt in schwierigen Corona-Zeiten die Klasse 3b der Grundschule in Weiskirchen. Als analoges Produkt digitaler Vorarbeit überraschten die Schüler ihre Lehrerin Nicole Koch nach Beendigung des Schul-Lockdowns mit einem Fotobuch, das den Titel trägt: „Die 3b besiegt das Corona-Monster.“

Wie überall veränderte Corona auch in der Grundschule Weiskirchen den Unterricht von Grund auf. Statt die Schulbank zu drücken, mussten die Lehrer neue Unterrichtsformen für das angeordnete Homeoffice ihrer Schutzbefohlenen finden. Wie vielerorts hielt auch Nicole Koch als Lehrerin der Klasse 3b per E-Mail den Kontakt mit Kindern und Eltern aufrecht. An den Wochenenden verteilte sie mit präzisen Seitenangaben der aktuellen Schulbücher die Aufgaben für die kommenden Wochen. Wo es haperte, schlossen Handynachrichten die Info-Lücken.

Dabei kam fast automatisch auch die Digitalisierung ins Spiel. Auf einem eigenen Klassen-Blog im Internet konnten die Achtjährigen mit ihrer Lehrerin virusfrei kommunizieren. Individuelle Kommentare wie „Hast du gut gemacht“ schwirrten so von Schüler zu Mitschülerin durch das Web. Ihre Klassenlehrerin hatte die Klasse übrigens in zwei Gruppen aufgeteilt – eine aus gesundheitlich unbelasteten Kindern und eine mit Risikofaktoren wie beispielsweise Lungen- oder Diabetesproblemen.

Kathrin Großmann, eine Mutter aus letzterer Gruppe, wollte die Corona-bedingte Isolation der Schüler mit einer guten Idee aufbrechen. Sie schlug in der Eltern-WhatsApp-Gruppe vor, in einer Art Schneeballsystem eine spannende Geschichte zu erzählen, zu der jeder einen eigenen Text- und Bildbeitrag leisten sollte. Per WhatsApp-Gruppe übertrug sie dann per Video eine „Los-Ziehung“, bei der die kleine Eva als erste Autorin den Auftrag bekam, die Start-Folge für den virtuellen Krimi „Die 3b besiegt das Corona-Monster“ zu verfassen. Anschließend wurde die Reihenfolge aller 14 Schüler per Video-Übertragung ermittelt. Dann ließen die Kinder ihrer Fantasie freien Lauf. Ihr fiktiver Detektiv Eddy stellte dem Corona-Monster zunächst auf dem Spielplatz von Thailen nach. Er versuchte andernorts, das Monster mit einem Staubsauger aufzusaugen. Vom Flughafen Saarbrücken aus wurde sogar mit einer an ein Flugzeug angehängten Corona-Vernichtungsmaschine das ganze Saarland überflogen. Jeder junge Autor hatte da so seine eigenen Ideen und setzte diese in Texten und gemalten Bildern um.

Letztlich kam dabei eine ebenso lustige wie spannende Geschichte heraus. Nach Auffassung der Eltern wäre es jedoch zu schade gewesen, das Engagement und die Fantasie mit Abschluss der Geschichte einfach auf sich beruhen zu lassen. Also machte sich Kathrin Großmann gemeinsam mit anderen Eltern die Mühe, alle Beiträge zu fotografieren und alles zusammen in einem schmucken Fotobuch aufzubereiten. Ganz bewusst wurde übrigens von Anfang an darauf geachtet, dass die Texte ohne elterliche Korrekturen übernommen wurden. Und als dann endlich die fertigen Fotobücher verteilt werden konnten, hatten Eltern und Kinder eine Dokumentation in den Händen, die sie in späteren Jahren wohl an unvergessliche Schulzeiten im Corona-Jahr 2020 erinnern wird.

Virtueller Krimi über das Corona-Monster von der Klasse 3b der Grundschule in Weiskirchen Foto: Dieter Ackermann/Klasse 3b/Dieter Ackermann

Und weil die Eltern der Klasse 3b der Lehrerin Nicole Koch mit einem eigenen Exemplar für ihr tolles digitales Engagement während der Schulzeit im Corona-Homeoffice danken wollten, überraschten sie die Pädagogin damit jetzt in der Schule, wo beide Klassengruppen jetzt wieder wöchentlich abwechselnd die Grundschule besuchen dürfen. Da sage noch mal jemand, in dieser Weiskircher Schule sei die moderne Digitalisierung noch nicht angekommen.