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Umfrage
Unmut über lange Regierungssuche in Berlin

Richard Zott
Richard Zott FOTO: Axel Künkeler
Saarlouis. SZ-Umfrage: Die Meinungen in Saarlouis über eine Groko gehen weit auseinander. Viele nervt, dass es noch keine neue Regierung gibt. Von Axel Künkeler

Beim Thema Regierungsbildung reicht das Meinungsspektrum von A bis Z: von Ablehnung bis Zustimmung zu einer neuen Großen Koalition im Bund. Bei einer Umfrage der Saarbrücker Zeitung herrscht aber auch Fassungslosigkeit über die lange Dauer der Verhandlungen.


„Was soll man dazu noch sagen, da ist jeder Kommentar überflüssig“, meinen etliche der angesprochenen Passanten. Sprachlos eilen sie am gezückten Notizblock des Interviewers vorbei, wollen die langwierigen Diskussionen der Parteien nicht weiter kommentieren. „Man muss sich irgendwann ja mal einigen“, meint auch die Saarlouiserin Brigitta Kipping: „Ich bin dafür, dass es endlich eine Regierung gibt.“ Jetzt noch ein positiver Mitgliederentscheid der SPD, „dann ist alles okay“. Darauf hofft auch Daniela Flasche, obwohl noch Skepsis bei ihr mitschwingt. Die junge Frau aus Saarlouis hätte sich „ein deutlicheres Votum“ des SPD-Parteitages erhofft. Für sie ist die Groko zwar nur „ein notwendiges Übel, unterm Strich aber doch das Beste für Deutschland“. Schließlich sei es Zeit, „dass Deutschland wieder eine handlungsfähige Regierung bekommt“.

Das relativ knappe Ergebnis des Parteitages beklagt auch Albert Liesen aus Sulzbach: „Rund Hundert Stimmen Differenz sind nicht so toll.“ Alles andere wäre „ein Desaster“ gewesen, sagt der Rentner, der 30 Jahre lang in Saarlouis gearbeitet hat. „Wir brauchen die Groko, egal wie schlecht sie möglicherweise ist.“ Das Land dürfe nicht unregierbar sein.



Für Peter und Isolde Dittrich (Saarlouis) ist die Entscheidung der SPD für die Groko ebenfalls „auf jeden Fall richtig“. Die Partei trage Verantwortung für Deutschland und Europa. Nicht richtig sei es dagegen, nun lauthals Forderungen zu erheben. „Die SPD hat nicht kapiert, dass sie die Wahlen verloren hat.“ Die beiden sagen zwar „vorläufig Ja zur Groko, aber nur bis sich eine andere Situation ergibt“. Sie hoffen zudem, „dass Frau Merkel endlich abtritt“, den Platz frei macht für Jüngere. Friedrich Merz, der in der Wirtschaft sehr geachtet sei, könnte eine Alternative sein.

Das Verhalten der SPD („unmöglich“) kritisieren auch Gabriele und Günter Scheffler. Die SPD sei der „Wahlverlierer und reißt jetzt groß die Klappe auf“. In all den Jahren der Groko sei sie doch an der Regierungspolitik beteiligt gewesen. Beide, CDU und SPD, hätten einen Denkzettel bekommen, da könnten die Sozialdemokraten nicht sagen, „wir sind abgewählt worden“. Bei dem ganzen „Hin und Her“ sei „keine klare Linie“ erkennbar. Skepsis hat das Ehepaar aus Haustadt daher auch vor dem Mitgliederentscheid: „Noch ist nichts passiert.“

Die Zustimmung des SPD-Parteitages zu Koalitionsverhandlungen „entspricht nicht deren Position vor den Wahlen“, meint dagegen Richard Zott (Fraulautern). Die Diskussion sei zwar „richtig“, das sei „gelebte Demokratie“, aber das Ergebnis „spiegelt nicht den Willen der Bevölkerung wider“. Er sei gegen die Groko, befürworte Neuwahlen. „Ich befürchte allerdings, dass dann AfD und Linke gestärkt werden.“

Für eine Minderheitsregierung der CDU spricht sich Gerd Strauß (Picard) aus. „Dann kann Frau Merkel mal zeigen, was sie selbst will.“ Mit dem Votum des Parteitages ist er nicht einverstanden: „Die SPD macht einen großen Fehler.“ Das sei viel zu kurz gedacht, Antwort auf die Fragen der Zukunft gebe es durch die Groko nicht. Nur auf die jungen Leute der Jusos setze er „große Hoffnungen“.

Zu wenig Bewegung durch eine Große Koalition sieht auch Alfons Decker (Saarlouis.) Jeder wolle nur an der Macht bleiben, die Groko sei „irgendwie eine Zwangsheirat“. Neuwahlen seien besser, da könnten sich die Leute neu besinnen. Über die Entscheidung des SPD-Parteitages ist er daher „nicht richtig froh“, obwohl er sie „als Demokrat akzeptiert“. Für Wilhelm Brech aus Saarlouis hat die Regierungsbildung schon jetzt „zu lange gedauert“. Die Politik habe dadurch nicht nur bei den jungen Leuten viel Kredit verspielt. Auch in Europa sei Deutschland „kein Vorbild mehr“, befürchtet er.

Gerd Strauß
Gerd Strauß FOTO: Axel Künkeler
Wilhelm Brech
Wilhelm Brech FOTO: Axel Künkeler
Daniela Flasche
Daniela Flasche FOTO: Axel Künkeler
Alfons Decker
Alfons Decker FOTO: Axel Künkeler
Albert Liesen
Albert Liesen FOTO: Axel Künkeler
Gabriele und Günter Scheffler
Gabriele und Günter Scheffler FOTO: Axel Künkeler
Peter und Isolde Dittrich
Peter und Isolde Dittrich FOTO: Axel Künkeler