Radsport: „Triathlon ist für mich mehr als Sport“

Radsport : „Triathlon ist für mich mehr als Sport“

Triathlon ist seit exakt zehn Jahren ihr Leben. Rad fahren sowieso. Und dann fliegt sie in Mallorca über eine Autotür. Doch der Sport geht weiter, erstmal bloß auf dem Fahrradsattel. Siglinde Koch erzählt gern davon. Und ließ sich überreden, für die SZ ein paar Eindrücke aufzuschreiben.

Nach einem aus meiner Sicht perfekten sportlichen Jahr 2016 sollte 2017 das Ganze noch übertreffen: So fing Ende 2016 die Planung für 2017 an. Es sollten tolle Triathlons werden. So hatte ich mir vorgestellt, den Ironman 70.3 Helsingor in Dänemark als Einstieg in die Saison zu machen und dann alles auf den Ironman Hamburg im August auszurichten und den Jahresabschluss bei der Challenge Paguera auf  Mallorca zu machen. Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass 2018 ein Jahr ohne Triathlon werden sollte. Denn ich hatte trotz allem ein bisschen die Lust verloren, immer genau nach Trainingsplan zu trainieren. Ein Jahr lang machen, auf was ich Lust habe! Das war der Plan für 2017 und 2018, und dann kam alles ganz anders.

Das Jahr 2017 begann im Februar mit einem Trainingslager auf Lanzarote, bei dem die ersten Radkilometer gefahren werden sollten. Was mir in der Planung nicht so klar war: Lanzarote ist sehr windig, und der Wind und ich wurden keine  Freunde. So kamen hier schon weniger Kilometer zustande als gedacht.

Weiter ging es wie jedes Jahr im Mai mit einem Trainingslager auf Mallorca. Die Insel ist der optimale Fleck für Menschen wie mich, die gerne Berge fahren. Wobei ich viel lieber hoch als runter fahre. Doch dann war genau dieses Trainingslager verantwortlich für das Ende meiner Pläne.

Am fünften Tag des Trainingslagers schloss ich mich einer Gruppe Radfahrer aus dem Schwarzwald an, um mit ihnen eine schöne Tour in den Norden zu fahren, doch diese Tour endete nach 25 Kilometern mit einem schmerzhaften Purzelbaum über meinen Vordermann, dem eine Autotür in den Weg kam.

Dass dies allerdings das wirkliche Ende aller Pläne für 2017 sein würde, war mir in diesem Moment nicht bewusst. Klar hatte ich viele blaue Flecken, offene Stellen und alles tat weh – trotzdem nutzte ich die verbliebenen fünf Tage zum Radeln.

Nach meiner Rückkehr in Deutschland stellte ich jedoch schnell fest, dass die Schmerzen in der Schulter nicht besser wurden, sondern unter Belastung schlimmer. Nur leider führte das nicht dazu, einen Arzt aufzusuchen. Man denkt ja: Das wird schon wieder! Doch so war es leider nicht.

Die ganze Vorbereitung lief nicht wie gedacht. Ganz und gar nicht. Ich hing ständig meinem Trainingsplan hinter her, was an meinen Nerven und an meiner Motivation zerrte, und ich musste eigentlich alle Schwimmeinheiten aufgrund der schmerzenden Schulter ausfallen lassen.

Trotzdem habe ich mich Mitte Juni auf den Weg nach Dänemark gemacht, um die Saison zu starten. Als ich mich drei Tage später auf den Rückweg von Dänemark Richtung Saarland machte, hatte ich die Finisher-Medaille als Andenken im Gepäck, aber mit dieser auch viele neue Probleme.

Nun hatte ich nicht nur große Schmerzen in der Schulter, nein, während des Wettkampfes hatte ich auf einmal auch Schmerzen im Knie. Das hatte ich noch nie. Wieder zuhause, führt kein Weg mehr an einem Arztbesuch vorbei und von dort zu einem MRT-Termin. Danach war ziemlich klar, dass die Schulter viel mehr abbekommen hat als gedacht. Eigentlich war jedem außer mir klar, dass die Saison 2017 schon im Juni für mich vorbei war. Das konnte und wollte ich nicht glauben.

Aber es war so. Zum ersten Mal seit Jahren hatte ich keinen Plan,  was ich machen sollte – und auch keinen Trainingsplan, der mir jeden Tag sagte, was zu tun ist. Damit muss man erst mal klar kommen. Man muss wissen: Ich mache Triathlon nur zum Spaß, bin nicht talentiert und werde auch nie gut sein – aber Triathlon ist für mich mehr als ein Sport, es ist eine Lebenseinstellung.

Vor genau zehn Jahren habe ich mit dem Triathlon angefangen. Er besteht aus drei Sportarten, zuerst schwimmt man, dann fährt man Rad und zum Schluss läuft man. Das Ganze in verschiedenen Längen: vom Sprint mit sehr kurzen Distanzen bis zur Langdistanz. Das sind 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und am Schluss ein Marathon, also 42 Kilometer. Meine Lieblingsdistanz ist die Mitteldistanz, genau die Hälfte einer Langdistanz.

Zwei Langdistanzen habe ich gemacht, eine in Florida, eine in Roth in Franken. Das ist der Nachfolger des Ironman Europe.

Mehr als 30 Mitteldistanzen auf der ganzen Welt habe ich bislang absolviert. Zu den Highlights hier gehören sicherlich die Challenge Vietnam oder die Challenge Phuket in Thailand, wobei auch der Ironman 70.3 Miami ein Erlebnis war.

Ich richte alle Urlaube, die ich so mache, danach aus, wo ich an einem Triathlon teilnehmen kann. Das spiegelt für mich das Gefühl Triathlon wieder. Mein ganzer Alltag, jeder Urlaub, halt mein ganzes Leben, wird nach dem Sport ausgerichtet. So fliege ich nie in Urlaub, um am Strand zu liegen, sondern um Rad zu fahren! Und das bereitet mir viel Spaß!

Ich habe meinen ersten Triathlon in Warendorf bei einem Militär-Wettkampf gemacht, eine olympische Distanz, das heißt 1500 Meter schwimmen, 40 Kilometer Rad fahren und zehn Kilometer laufen. Das war für mich vor dem Wettkampf fast unmöglich zu schaffen. Aber es hat geklappt! Es war so mitreißend, dass es meine große Leidenschaft wurde!

Und heute kann ich mir ein Leben so ganz ohne Triathlon nicht mehr vorstellen. Es macht Spaß, seinen Körper und Geist immer wieder zu fordern und sich selbst zu beweisen, dass viel mehr möglich ist, als man selbst denkt. Seine eigenen Grenzen immer wieder verschieben.  Triathleten sind schon Individualisten, da man auch selten Menschen findet, die verrückt genug sind und Zeit genug haben, jemanden zu begleiten.

Es musste also nach dem Sturz auf Mallorca schnell ein neuer Plan her. Was klar war: Ich werde was machen, ich wusste nur noch nicht was. Da Laufen und Schwimmen vorerst nicht mehr möglich waren, entschied ich mich dazu, viel mehr Rad zu fahren als bisher. Ich habe ja nun Zeit. Also habe ich mich erst mal für einen Rad-Marathon im Tannheimer Tal und beim Arber Rad-Marathon in Regensburg angemeldet.

Bei der RTF in Bliesransbach fragten mich vor ein paar Tagen dann Bekannte, was ich denn am zweiten Wochenende im August machen würde. An diesem Wochenende wäre für mich eigentlich mein Highlight gewesen, der Ironman in Hamburg. Sie erzählten mir von der „Tour de Franz“, einer privat organisierten drei Tage-Tour durch die Vogesen, die ein Radfahrer namens Franz Bermann aus Illingen schon seit vielen Jahren organisiert. Sie erzählten von einer langen Tour am ersten Tag, von  Saarbrücken nach Innenheim, über 200 Kilometer  und 3400 Höhenmeter als Einstieg und am dritten Tag wieder eine schöne Tour zurück nach Saarbrücken. Man kümmere sich auf den Strecken rührend um die Fahrer, es gebe immer wieder Verpflegungsstellen mit leckerem Essen und Trinken. Mein Interesse war geweckt.

Ich schaute zuhause auf die Internetseite der Tour de Franz nach und stellte fest, dass die Anmeldefrist schon lange vorbei war. Ich schrieb Franz trotzdem eine E-Mail und bekam noch am selben Abend eine Antwort, die mich sehr freute. Er hatte aufgrund eines Ausfalls eines anderen Teilnehmers tatsächlich noch ein Einzelzimmer frei. Also habe ich mich angemeldet. Am  Samstag  geht es los.

2018 hätte eigentlich ein  Jahr ohne Triathlon werden sollen. Aber eigentlich steht schon fest, dass es nicht klappen wird. So denke ich  über einen Start beim Ironman 70.3 in Dubai nach. Das wäre bestimmt etwas Besonderes. Der Ironman ist übrigens ein geschützter Markenname für eine Veranstaltungsserie für Langdistanz-Triathlon. Oder wird’s der Ironman in China? Ich weiß es noch nicht. Klar ist aber: Alles ohne spezielle Vorbereitung, ohne Druck und ohne Uhr.

Und ich hab mir noch ein anderes großes Ziel für 2018 gesetzt. Ich möchte zum ersten Mal in meinem Leben über 10 000 Radkilometer in einem Kalenderjahr fahren – und weil das zu einfach wäre, dazu noch die Kilometerzahl mal zehn in Höhenmeter schaffen. Der Mensch braucht Ziele, auch wenn sie für den ein oder anderen verrückt scheinen.

Bei der Challenge Roth 2016, einer legendären Veranstaltung: „Jeder Triathlet weiß, was man in diesem Moment fühlt“, sagt Siglinde Koch. Foto: Siglinde Koch
Daumen hoch: Siglinde Koch mit anderen Teilnehmern beim Start zum Tannheimer Tal Radmarathon im Allgäu  2017. Foto: Siglinde Koch

Auch 2018 also werde ich meiner Sammlung schöne Medaillen hinzufügen. Diese Medaillen für die Teilnehmer eines Triathlon sind für mich die schönste Erinnerung an diese ganzen Veranstaltungen. Ja – eigentlich mache ich Triathlon nur für die Medaille – und damit ich so viel Kuchen essen kann wie ich will! Ich freue mich auf 2018.

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