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Kirmes
Ein Ende mit Kranzkuchen und Würstchen

Am Ende seiner nicht immer ganz fairen Verhandlung blieb dem Kirmes-Hannes nur der Tod durch den Strick.
Am Ende seiner nicht immer ganz fairen Verhandlung blieb dem Kirmes-Hannes nur der Tod durch den Strick. FOTO: Merkel Carolin / Carolin Merkel
Dörsdorf. Beim Dörsdorfer Kirmesgerichtshof ging es dem Kirmes-Hannes wieder einmal an den Kragen. Von Carolin Merkel

Mit einem Hilferuf mittels E-Mail meldete sich Peter Johann aus Dörsdorf an die Redaktion. Seit vielen Jahren, erklärte er, sei er beauftragt, den Kirmes-Hannes am Ende der Dörsdorfer Kirmes anwaltlich zu vertreten Seit dem Jahr 1996 lebt unter der Interessengemeinschaft KGH 1996 Dörsdorf diese alte Tradition auf, immer wieder gibt der Abend die Gelegenheit, Begebenheiten aus dem Dorf auf die Schippe zu nehmen.


Doch bei all dem Spaß, erklärte Johann, habe er immer kläglich versagt, zudem sei es ihm als Verteidiger unmöglich, über den Prozess zu berichten, nicht zuletzt, weil er auch nicht ganz neutral sei. Also machte sich am Dienstagabend bei bestem Sommerwetter eine Mitarbeiterin der Saarbrücker Zeitung auf den Weg in den Lebacher Stadtteil, in dem noch zünftig Kirmestradition gefeiert wird. Selbst am letzten Abend waren die Dörsdorfer und auch alle übrigen Gäste aus den umliegenden Orten alles andere als müde und bewiesen beim Kirmesgerichtshof zu „Däschdärsch“ beste Feierlaune.

Nach dem Einzug der Akteure, der vom Musikverein begleitet wurde, ging es für den Angeklagten Johannes Kirmes auf die Anklagebank. Nicht, ohne dass der Jahrgang direkt vor dem Tribunal Platz genommen hätte und seinem Unmut lautstark Ausdruck verliehen hätte. Zwar hatte die Jugend den Hannes ergriffen, doch, ob sie wirklich seine Verurteilung wollten, das blieb ungewiss. Gewiss waren hingegen die schweren Vorwürfe, die Staatsanwalt Aloysius Herrmann dem Gericht vorzutragen hatte. „Die Taten haben Ausmaße erreicht, die nicht nur Dörsdorf, sondern das Saarland und ganz Deutschland betreffen“, erklärte er. So legte der Staatsanwalt dem Hannes den Einbruch bei Annegret Kramp-Karrenbauer zu Lasten, als Beweismittel diente ein Hundeknochen mit DNA-Spuren des vermeintlichen Täters.

Aber auch der versuchte Diebstahl einer Lichterkette und die Verhinderung des Besuches der Sternsinger auf der Schlawerie gingen laut Staatsanwalt auf Kosten des Kirmeshannes. So sehr sich der Verteidiger Johann auch mühte, entkräften konnte er die Vorwürfe nicht. Am Ende blieb Richter Bernd Bohnenberger nichts anderes übrig, als den Hannes „Kraft meines Amtes aus Tradition“ zu verurteilen.

Da bewirkten selbst die Zeugenaussagen, die „Es Hildegard von der Schlawerie“ alias Klaus-Dieter Hermann zur Entlastung vorbrachte, keine Gnade. Vollstrecker Alexander Knobe hatte die Aufgabe, zusammen mit dem Gerichtsdiener Armin Gutfreund, den Strick um den Hals des Hannes zu legen. Nicht, ohne das Monsignore Giuseppe (Josef) Leidinger die Zuschauer zum gemeinsamen Beten und Singen aufrief. Der Tod kam rasch, mit ihm Kranzkuchen und Würstchen, mit denen sich die Anwesenden trösteten. Die Dörsdorfer Kirmes feierte ihren Ausklang, Peter Johann sei als Trost gesagt, selbst der beste Verteidiger wäre hier machtlos gewesen, gegen „Tradition“ kommt kein noch so gewichtiges Beweismittel an.