Wenn Sachen Bilder tragen

Mit einer Konzeptausstellung in der KEB-Galerie bespielt Lioba Amann das ganze Oswald-von-Nell-Breuning-Haus, verfremdet Alltagsgegenstände und interpretiert den Titel „Bildträger“ auf ihre Weise.

Noch bis 8. Juli zeigt die Galerie der KEB in Dillingen , Friedrich-Ebert-Straße 14, die Ausstellung "Bildträger". So hat sie die Künstlerin Lioba Amann mit einem Augenzwinkern genannt. Auf dem Plakat sind tatsächlich Leute mit Bildern unterm Arm abgebildet.

Fische und nackte Frauen

Die Künstlerin nimmt den Titel wörtlich: Sie führt vor, was alles zum Bildträger werden kann. Aus Graupappe, mit Acrylfarbe und Kohlestift kontrastreich gestaltet und mit Lack strapazierfähig fixiert, sind die Fische an der einen Treppe und die lebensgroßen nackten Frauen an der anderen, die sich in zum Stillstand gebrachter Bewegung dem Betrachter zu- oder abwenden.

Leintuch und Leinwand sind die eher traditionellen Bildträger für Gemälde in wohl temperierten Kompositionen, mitunter mit starken Akzenten in Rot oder Blau oder in Erdfarben und Varianten von Türkis und - vor allem in den jüngeren Arbeiten - mit sicherem Strich gezeichneten figürlichen Elementen.

Unerwartet und kaum erkannt erweist sich sogar dünne PVC-Folie als famoser Bildträger von großformatigen Gemälden. Alte Barhocker bekommen neue Anmut durch bemalte und lackierte Sitzflächen. Die schweren Innenplatten von Ausziehtischen werden zu Assemblagen für unterschiedliche Materialien - Beschriftung für Menü- oder Gästekarten ausdrücklich erwünscht. Luftig-leicht sind die sortiert gehängten Papiertüten, Tragetaschen für geheime Wünsche oder (noch praktischer) für allerlei Krimskrams. Mit derlei lebensfrohen Werken bespielt Lioba Amann nahezu das ganze Oswald-von-Nell-Breuning-Haus, lässt Fantasie und Professionalität ihren Lauf. Starke Armeesäcke mutieren zu friedvollen Trägern von Blumen. Mit dem (zweiten) Blick fürs Besondere gesammeltes Treibholz ergibt eine farbig bemalte Schar von Fischen.

Zweiter Blick lohnt sich

Apropos: Vieles in dieser Ausstellung erschließt sich auf den zweiten Blick. Beim genaueren Hinsehen und Weiterdenken bekommen die Besucher eine Ahnung vom konzeptionellen Zusammenhang und von der Wertigkeit der Dinge, die betont wird, weil die Künstlerin sie zu Bildträgern macht. Und dabei ist ihre Kunst von überladener Bedeutungsschwere ebenso weit entfernt wie von modischem oder dekorativem Kitsch.

Die Gäste haben das schon während der Vernissage bemerkt, als im Gespräch mit der Künstlerin die Ausstellung vorgestellt wurde, Florian Schwarz gut ausgewählte Stücke am Klavier spielte und sich der KEB-Vorsitzende Horst Ziegler über die zahlreichen Besucher freute.

Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag acht bis 16 Uhr, Freitag acht bis 13.30 Uhr.

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