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„Seit ich 16 war, wollte ich Autor werden“

Fantasy-Autor Daniel Illger hat familiäre Wurzeln in Bous. Dort stammt sein Vater her. Foto: Johannes A. Bodwing
Fantasy-Autor Daniel Illger hat familiäre Wurzeln in Bous. Dort stammt sein Vater her. Foto: Johannes A. Bodwing FOTO: Johannes A. Bodwing
Bous. Was mag das für jemand sein, der seine Figuren Menschenfleisch essen lässt und ein Land mit dem Bösen befällt? Autor Daniel Illger erzählt in Bous von der Arbeit an seinem Fantasy-Roman „Skargat“. Johannes A. Bodwing

"Der Pfad des schwarzen Lichts", steht auf Daniel Illgers Fantasy-Roman "Skargat". Aber den 1977 geborenen und frischgebackenen Autor umgeben keine düsteren Schatten. Vielmehr erzählt er offen über wesentliche Lebensstationen. Seine Gedanken kreisen nicht nur um geisterhafte Fantasiewelten. "Ich bin mir nicht sicher, ob Fantasy so ein unpolitisches Genre ist", sagt er unvermittelt. Mit der Distanz fantastischer Welten könne man Lesern auch reale Missstände aus neuen Blickwinkeln aufzeigen.

Zufällig bei Fantasy gelandet


Die Veröffentlichung von "Skargat" sei eher ein Zufall gewesen. Denn davor habe er ein Buch über eine saarländische Familie vor dem Hintergrund industrieller Veränderungen geschrieben. Das wollte sein Literaturagent ursprünglich Verlagen vorlegen. Darin steckten Kindheitserinnerungen aus einer Küche in der Derler Straße. Denn der Vater stamme aus Bous , die Mutter aus Völklingen. Er selbst sei in Bergisch Gladbach geboren worden, aber im Saarland habe er sich mehr zu Hause gefühlt. Auch wegen der vielen Geschichten hier. Manches davon tauche in "Skargat" auf. Zum Beispiel eine Bergbaustadt, die durch Kohle reich wurde. Wie in der Realität sei der Bergbau auch dort Segen und Fluch.

"Ich habe schon von Kindesbeinen an nichts mehr geliebt als Horrorfilme", gesteht Illger, "vor allem das arme Monster." Seine Vorliebe für Außenseiter spiegelt sich nun in den Hauptpersonen. "Seit ich 16 war, wollte ich Autor werden." Jedoch erst 2007 habe "Game of Thrones" von George R. R. Martin bei ihm wieder die Lust an Fantasy geweckt. Auf die passende Geschichte kam er Jahre später, "im Wintersemester 2010/11 bei einem Seminar über die Entwicklung der Vampire im Film". Denn Illger promovierte an der Freien Universität Berlin und arbeitet dort als Film- und Literaturwissenschaftler.

Beim Thema Vampire inspiriere ihn die Vorstellung einer eigenen Totengesellschaft mit Gasthöfen, Geld, Spielen und vielem mehr. "Und dass Lebende jederzeit in diese Welt hineinstolpern können." Um diesen Kern herum baute er seinen Fantasy-Roman auf. Aber eine gute Idee sei die eine Sache. Er habe dann noch viereinhalb Jahre gebraucht, von den ersten Gedanken bis zur Publikation. Denn auch eine Fantasy-Welt "braucht eine strenge innere Logik, statt einfach Drachen auftauchen zu lassen, um einen Effekt zu erzielen".

Fortsetzung ist geplant

Mit "Skargat" legte Daniel Illger Anfang des Jahres sein Romandebüt vor. Und das bei der renommierten "Hobbit-Presse" des Klett-Cotta-Verlages. Dort ist auch "Der Herr der Ringe " erschienen. Aber Illger will seine eigene Welt erschaffen. Der zweite Band sei in Arbeit und könne womöglich im Herbst 2016 erscheinen. "Ich kann im Moment definitiv nicht davon leben", rückt er falsche Vorstellungen über das Autorenleben zurecht. Aber "morgens sitze ich spätestens gegen 9 Uhr am Schreibtisch. Fünf bis sechs Stunden lang, an guten Tagen auch mal neun". Diese Chance wolle er jetzt nutzen.