100 Jahre Obst- und Gartenbau in Altforweiler

100 Jahre : Obst- und Gemüseanbau zum Überleben

Ein großes Jubiläum: 100 Jahre Obst- und Gartenbau in Altforweiler. Werner Schug, Jahrgang 1926, erinnert an die Anfangsjahre.

Seinen 100. Geburtstag hat der Obst- und Gartenbauverein Altforweiler gefeiert. Einer, der ein Zeitzeuge der Gründungsjahre ist, ist der heute 93-jährige Werner Schug. Geboren 1926, hat er in seinen jungen Jahren die wirtschaftlichen Probleme nach dem Ersten Weltkrieg hautnah mitbekommen, damals als der junge Obst- und Gartenbauverein aus dem „Trierischen Bauernverein“ hervorgegangen ist.

„Die Arbeitslosigkeit in der Gegend war nach dem Ersten Weltkrieg sehr hoch“, erinnert sich Werner Schug. Die einzigen Altforweiler Nachbarn, die einigermaßen gut verdient haben, seien diejenigen gewesen, die Arbeit in den lothringischen Kohlegruben gefunden hatten. Da Lebensmittel zu dieser Zeit recht teuer waren, musste man zumindest Obst und Gemüse selbst produzieren. „Das kann man sich heute kaum noch vorstellen“, sagt Schug, „ein halbes Pfund Butter hat damals 80 Pfennig gekostet, das war ein Stundenlohn in den Kohlegruben.“

Außerdem, so betont er, gab es Obst und Gemüse in den Geschäften schlicht und einfach nicht zu kaufen. Vor 1935 habe es übrigens noch einen Schweinehirten in Altforweiler gegeben. Schug erinnert sich noch gut an den „Kissel Schang“. „Wenn der in sein Horn geblasen hat, haben alle Frauen die Türen der Schweineställe geöffnet. Wenn der „Kissel Schang“ dann am späten Nachmittag die Schweine vom Auslauf zurückgebracht hat, sind alle von alleine in ihre eigenen Ställe zurückgerannt. Die wussten schon, dass da was Gutes im Trog war“, lacht Schug.

Gefüttert wurden die Schweine mit Küchenabfällen und Abfällen aus dem Garten. Jedem Bürger hatte damals übrigens die Gemeinde die Pacht zweier großer Grundstücke angeboten. Eines haben die Altforweiler dann jeweils mit Roggen bepflanzt, das zweite mit Kartoffeln. „Das war das Wichtigste, was man zum Leben brauchte“, sagt Schug. „Das Korn wurde dann gemahlen und das Mehl beim Bäcker abgegeben. Die jeweils abgegebene Menge wurde ins Buch eingetragen und dadurch wurde das Brot billiger.“ Gerne erinnert sich Schug auch an die ersten Frühlingstage: „Nachdem den Winter über das Eingemachte knapp geworden war, gab es dann den ersten Bettseecher.“

In den Wirren des Krieges und der Evakuierungen haben sich die Mitglieder des Obst- und Gartenbauverein Altforweiler dann allerdings zerstreut. Zumindest bis Werner Schug den Verein im Jahr 1954 gemeinsam mit Peter Kissel als erstem Vorsitzenden neu gegründet hat.

In den 50er und 60er Jahren hat der Verein dann eine Blütezeit erlebt – mit zum Teil über 100 Mitgliedern. Damals stand bei vielen Mitgliedern der Obstanbau im Vordergrund, vor allem der gemeinsame Einkauf junger Obstbäume. „Denn die im Obstanbau gebräuchlichen Niederstämme müssen in der Regel alle sieben bis 15 Jahre ausgetauscht werden, im Gegensatz zu Hochstamm-Obstbäumen, die länger halten“, erklärt Schug und erinnert sich, wie er oft mit vollbeladenem Hänger über die Grenze nach Hause gekommen ist.

Denn die besten Bäume habe es damals im französischen Laquenexy gegeben, das übrigens auch heute noch mit seinen Obstgärten eine touristische Attraktion in Lothringen ist. Viele der älteren Altforweiler werden sich noch daran erinnern: Die Gemüsegärten der Häuser entlang der Hauptstraße lagen in den 50er Jahren vor den Häusern, dort, wo heute die Vorgärten sind. „Da kamen die Pflanzen in den Genuss der Restwärme der Hausmauern“, erklärt Schug.

Man habe damals im Frühjahr immer ganz neidisch in die Gärten der Nachbarn geschaut, die etwas wärmer gelegen waren als der eigene. „Aber den schönsten Salat hatte immer das Weiten Käthe“, schwärmt Schug im Gespräch.

Auch die vielen Bäume im Ortsbild verdanken die Altforweiler dem Obst- und Gartenbauverein, der in den 50er und 60er Jahren den kompletten Ort mit Bäumen begrünt hat.

Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Altforweiler beim Anpflanzen der Straßenbäume entlang der Industriestraße, die ins damals krachneue Industriegebiet Häsfeld führt. Foto: Archiv

Werner Schug ist übrigens auch mit 93 noch aktiv im Garten tätig. Im Frühjahr wurde er für seinen traumhaften Vorgarten mit dem Umweltpreis des Landkreises Saarlouis ausgezeichnet.

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