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Studenten versuchen sich an klassischem Stoff

Saarbrücken. Schillers "Wilhelm Tell" ist eine der ältesten Kamellen, die im Deutschunterricht ausgepackt werden. Generationen von Schülern haben dazu schon über ihren Reclamheftchen gebrütet. Zu kämpfen hat auch, wer das Drama auf die Bühne bringen will. Historische Kostüme sind nicht unbedingt das, was Theatermacher von heute bevorzugen

Saarbrücken. Schillers "Wilhelm Tell" ist eine der ältesten Kamellen, die im Deutschunterricht ausgepackt werden. Generationen von Schülern haben dazu schon über ihren Reclamheftchen gebrütet. Zu kämpfen hat auch, wer das Drama auf die Bühne bringen will. Historische Kostüme sind nicht unbedingt das, was Theatermacher von heute bevorzugen. Andererseits ist der Tell nicht gerade leicht auf die heutige Zeit zu übertragen. "Man kann durchaus Parallelen aufzeigen, aber wichtiger ist es, die Balance zwischen klassischem und modernem Theater zu finden", sagt Tim Stefaniak. Er ist Regieassistent am Saarländischen Staatstheater und betreut gleichzeitig "Thunis", das Theater der Universität des Saarlandes. Das Arbeiten mit Bildern eignet sich bei dem klassischen Stoff hervorragend. So steht der einsame Schütze, der einen für ihn problematischen Menschen erschießt, nicht nur exemplarisch für die ganze Tell-Geschichte. "Die Diskussion um das Waffengesetz, zeigt die aktuelle Brisanz des Bildes", meint Stefaniak. Er arbeitet im vierten Jahr mit Studenten aus allen Fachrichtungen. Pro Jahr bringen sie ein bis zwei Stücke zur Aufführung. Nach zwei zeitgenössischen Produktionen hat sich "Thunis" diesmal ganz bewusst für einen Klassiker entschieden. Der Verdacht liegt bei einer studentischen Theatergruppe zwar nahe, doch basisdemokratisch wird nicht am Stoff gefeilt. Das wäre bei den zwei Proben wöchentlich in vier Monaten anders auch gar nicht zu schaffen. "Im Grunde funktioniert die Arbeit auch nicht anders als an einem professionellen Haus", erklärt Tim Stefaniak. Er als Regisseur gebe die Grundsituation vor, erarbeite sie mit den Schauspielern und korrigiere sowohl Inhalt als auch Darstellung im Verlauf der Probenarbeiten. Wer bei "Thunis" dabei sein möchte, muss nicht zum Vorsprechen. Zu Anfang des Studienjahres machen die Neulinge in lockerer Werkstattatmosphäre Körperübungen und Improvisationstheater. Anschließend wird im Plenum ein Stück ausgesucht und die Rollen, aber auch Organisationsaufgaben werden innerhalb der Truppe verteilt. Stefaniak war schnell klar, dass er mit seinem Tell keine gängigen Superstar-Klischees bedienen möchte. Lieber konzentriert er sich in der Inszenierung auf die sprachliche Stärke des Stückes. Gerade hier liegt die Herausforderung in der Arbeit mit einer Laientruppe. "Man muss extrem an der Aussprache und dem Umgang mit dem Text feilen", sagt Stefaniak. Seine Arbeit sei dann gelungen, wenn die Schauspieler auf der Bühne den Text denken und gleichzeitig mit Leben füllen. sad Premiere am Dienstag, 2. Juni. Weitere Aufführungen: 3., 4., 5. und 6. Juni, jeweils 19.30 Uhr in der Aula der Universität. Vorverkauf: 2. bis 5. Juni, 11.30 bis 14 Uhr im Foyer der Mensa oder unter: Torben.b@freenet.de.