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Fürsten-Schau in Saarbrücken
Der Fürst, der Saarbrücken groß machte

Wilhelm Heinrich wollte mit den großen Höfen mithalten. Seine Residenz baute Star-Architekt Stengel. Hier eine Federzeichnung des Saarbrücker Schlosses nach 1768.
Wilhelm Heinrich wollte mit den großen Höfen mithalten. Seine Residenz baute Star-Architekt Stengel. Hier eine Federzeichnung des Saarbrücker Schlosses nach 1768. FOTO: Historischer Verein für die Saargegend
Saarbrücken. Das Saarlandmuseum widmet Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken eine Erinnerungsschau im Saarbrücker Kreisständehaus. Von Cathrin Elss-Seringhaus

Er ist ein Held der Saar-Geschichte, Fürst Wilhelm Heinrich von Nassau-Saarbrücken (1718-1768). Als ambitionierter Bauherr hat er den Saarländern heutige Touristen-Attraktionen wie die Ludwigskirche und den Schlossplatz hinterlassen. Ja, er hat das Minikaff Saarbrücken überhaupt erst als Großstadt begriffen. Mit 23 übernahm er 1741 die Regentschaft über etwa 22 000 Untertanen, die sich auf 140 Dörfer plus ein Territorium im „Krummen Elsass“ verteilten. Auch erschloss Wilhelm Heinrich als allererster Montanunternehmer dem Land eine über Jahrhunderte fortwirkende Lebensader. Und weil er die Bauern zum Kartoffelanbau zwang, prägte er auch die Alltagskultur, weil dadurch die saarländische Kartoffelküche ins Rollen kam. Ganz nebenbei küsste er am Hofe Ludwigs XV. vermutlich auch das Händchen der Madame Pompadour, und als er starb, hinterließ er 1,9 Millionen Gulden Miese, bei einer jährlichen Tilgung von 40 000. Ein kaiserlicher Schuldentilgungskommissar musste im Saarland nach dem Rechten sehen. Man kann Wilhelm Heinrich durchaus einen, selbst für damalige höfische Verhältnisse, besonders wilden Schürzenjäger und Schuldenhallodri nennen. In diesem Jahr jährt sich sein Geburtstag zum 300. und sein Todestag zum 250. Mal.


Das Saarlandmuseum ist durch seine „Alte Sammlung“, mit Sitz am Schlossplatz, dem Regenten der Barockzeit in besonderer Weise verbunden. Also gibt es eine Erinnerungsschau mit dem Untertitel „Staatsmann. Feldherr. Städtebauer“. Das klingt nicht originell, aber solide, und die Inszenierung in den historischen Räumen im Kreisständehaus ist es ohne Zweifel auch. Wobei dieser Begriff womöglich in die Irre führt. Denn wer ein kulturhistorisches Feuerwerk erwartet, Puderduft der Rokokozeit, Chanson-Einspielungen aus dem Liederbuch der Fürstengattin oder Multi-Media-Rekonstruktionen, wie sie in geschichtlichen Fernsehdokumentationen heute gang und gäbe sind, der geht hier frustriert raus.

Nassau-blau gestrichene Räume, darin Gemälde, Stiche, Büsten, (Ottweiler-) Porzellan und Glas aus dem Warndt, Barock-Mobiliar, Ofenplatten – die Präsentation wirkt ruhig, puristisch-elegant. Atmosphärisch führt einen die „Alte Sammlung“ einmal mehr weg von der Stillosigkeit und Lärmigkeit unserer Tage, aber diesmal auch hinein in ein aufgeklapptes Geschichtsbuch. Hier ist lesende Vertiefung Pflicht, sonst reduziert sich der Rundgang schnell auf eine höfliche Stippvisite bei alten Bekannten, die wir bereits aus zig Ausstellungen kennen. Beispielsweise Margerethe Perl aus Namborn, einer von Wilhelm Heinrichs Mätressen, deren Ballrobe immer wieder beeindruckt, oder den Star-Architekten Friedrich Joachim Stengel, den die Mutter des Fürsten engagierte und der dann Wilhelm Heinrichs Residenzstadt-Visionen umsetzte. Auch das „grüne Kabinett“ von Katharina Kest, die postum Wilhelm-Heinrichs Schwiegertochter wurde, bietet wieder ein Oha-Erlebnis.



Deja-vu-Erlebnisse dominieren den Rundgang, obwohl 22 Leihgeber für die 120 Exponate aufgeführt sind. Immerhin sieht man ein pompöses Porträt aus dem Chateau la Grave, das nach über 200 Jahren erstmals an seinen Ursprungsort, den Schlossplatz, zurückkehrt: Wilhelm Heinrich in Sonnenkönig-Pose. Er kämpfte, wie nicht wenige andere Kleinfürsten, in Diensten der französischen Krone. Erstmals gezeigt wird auch eine Bataillonsfahne (1745-1791) des Infanterieregimentes Nassau-Saarbrücken. Außerdem öffnet uns eine fette Büste von Stanislaus Leszynski, Herzog von Lothringen, aus dem Musée des Beaux Arts in Nancy die Augen dafür, dass der Place Stanislas in Nancy mehr Einfluss auf die Gestaltung Saarbrückens hatte als etwa Versailles.

Natürlich gibt es noch einiges mehr an „Neuigkeiten“, zumindest für diejenigen, die nicht bereits Saar-Geschichts-Experten sind. Kaum jemand verbindet heute noch den Namen „Saarbrücker Zeitung“ mit Wilhelm Heinrich, der 1761 die Einführung eines Anzeigenblattes verfügte. Ebenso denkt wohl niemand bei den aktuellen Schlagzeilen rund um Halberg Guss daran, dass Wilhelm-Heinrich die Hütte 1756 gründete. Denn in Saarbrücken fand sich damals Erz, und die Menschen buddelten Kohle als Brennstoff aus dem Boden, mangels Holz, das in Unmengen nach Holland exportiert wurde. Wilhelm Heinrich machte Schluss mit dem wilden Bergbau, er verstaatlichte die Gruben. Nun läuft just im Jubiläumsjahr der Bergbau in Deutschland aus. Der Fürst wäre gekränkt.

Alte Sammlung am Saarbrücker Schlossplatz: 27. Oktober bis 24. Februar, Di bis So 10 bis 18 Uhr, Mi bis 20 Uhr.

Der Fürst als Obrist der Kavallerie.
Der Fürst als Obrist der Kavallerie. FOTO: Saarlandmuseum/Alte Sammlung