| 20:10 Uhr

Polizei rettet Seniorin vor Internet-Gangstern

Gangster missbrauchen das Internet für Angriffe auf das Geld ihrer Opfer. Dagegen hilft nur Vorsicht. Foto: Jens Schierenbeck/GMS
Gangster missbrauchen das Internet für Angriffe auf das Geld ihrer Opfer. Dagegen hilft nur Vorsicht. Foto: Jens Schierenbeck/GMS
Brebach. Die Seniorin hob den Hörer ab, hörte zu - und war glücklich. "Sie haben 150 000 Euro gewonnen", erfuhr sie von der so vertrauenswürdig klingenden Stimme am Telefon Von SZ-Redakteur Frank Kohler

Brebach. Die Seniorin hob den Hörer ab, hörte zu - und war glücklich. "Sie haben 150 000 Euro gewonnen", erfuhr sie von der so vertrauenswürdig klingenden Stimme am Telefon. Und so stutzte die Angerufene vor lauter Freude auch nicht, als der "Gewinnbotschafter" das dicke Aber anhängte: Um an den Traumgewinn zu kommen, müsse die Dame 500 Euro zahlen, und zwar in Prepaid-Karten fürs Einkaufen im Internet. Die immer noch arglose "Gewinnerin" erfuhr, wo es solche Karten gibt. Und nun hatte sie wirklich Glück.Denn die Verkäuferin wurde misstrauisch angesichts der unsicheren Seniorin, die so gar nicht zur typischen Nutzer-Gruppe dieser Karten passt. Sie schickte die alte Dame zur Polizeiinspektion Brebach. Mit Erfolg.


Seniorin drehte den Spieß um



Hauptkommissar Werner Kaspar und seine Leute vermasselten den Internet-Gangstern die Tour, die diesmal keinen Cent fürs Einkaufen im Internet von einem zunächst arglosen Opfer abgreifen konnten. Die Frau machte, von den Argumenten der Ermittler überzeugt, nun mit. Sie verhandelte sogar mit den Betrügern, bis die einsahen, dass nichts zu holen war, und sie nicht mehr behelligten.

Aber Kaspar und der Leiter der Inspektion Brebach, Helmut Schliwinsky, wissen auch, dass diese Masche jederzeit verfangen kann. Und deshalb warnten sie am Freitag im Gespräch mit der Saarbrücker Zeitung vor solchen dubiosen Gewinnspielen.

"Es gibt keine Lotteriegesellschaft, die für einen Gewinn Vorauszahlungen fordert. Lassen Sie sich bei solchen Anrufen nicht von deutschen Telefonnummern täuschen. Die Betrüger sitzen oft im Ausland und verstehen es, das zu verschleiern. Bleiben Sie also wachsam und misstrauisch, und legen Sie bei so dubiosen Gewinnmitteilungen einfach auf. Die Menschen, mit denen Sie da telefonieren, sind mit allen Wassern gewaschen und tarnen sich mitunter auch als Rechtsanwälte oder Notare, um an Ihr Geld zu kommen."

Werner Kaspar weiß nur zu gut, dass die bestens geschulten Anrufer Gespräche gut steuern können, dass sie eiskalt auf die Freude der Opfer zielen und dann massiv Druck machen. "Sie stellen oft nach einem ersten Anruf Nachforderungen, und dann geht es, je nach dem vorgegaukelten Gewinn, um bis zu fünfstellige Beträge."

Stichwort

Betrüger entwickeln ständig neue Maschen, um an Geld zu kommen. "Dagegen hilft nur Vorsicht", rät Hauptkommissar Werner Kaspar. Der Angerufene solle Gespräche schnell beenden, ohne zuvor irgendwelche Daten, etwa die PIN-Nummer, zu nennen und dann umgehend die nächst gelegene Polizeidienststelle informieren. Dort gibt es guten Rat, etwa Gratisbroschüren mit Tipps gegen die verbreitetsten Betrüger-Tricks. ole