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Dichten wie einem „de Schnawwel gewachs is“

 „Die Völklinger Platt“, eine Skulptur, gestaltet von Inge Adler-Laurenz gibt es für den Sieger in der Kategorie Prosa. Foto: Ruppenthal
„Die Völklinger Platt“, eine Skulptur, gestaltet von Inge Adler-Laurenz gibt es für den Sieger in der Kategorie Prosa. Foto: Ruppenthal FOTO: Ruppenthal
Saarbrigge. Prosa, Lyrik und Kurztext sind die drei Kategorien, in denen man beim saarländischen Mundartpreis Preise erringen kann. Der mit insgesamt 4000 Euro dotierte Wettbewerb läuft noch bis zum 30. September. Von SZ-RedakteurOliver Schwambach

Pressekonferenz? Nee, heit gebbt geschwätzd beim Ess Är uffem Halberg. Schließlich wird die vierte Auflage des saarländischen Mundartwettbewerbs verkündet, für die diesmal, wie schon beim Start des Autorenpreises 2007, der Saarländische Rundfunk Gastgeber ist. Mit der ersten - freiwillig! - in Mundart gehaltenen Pressekonferenz tat sich gestern mancher aber noch ein bisschen schwer. Die Verteilung von Hochdeutsch zu Dialekt schwankte je nach Sprecher zwischen "richtisch gudd" und Hochdeutsch "mit Streifen drin". Am besten konnte es Udo Recktenwald (CDU), Landrat des Kreises St. Wendel, der mit dem SR und der Stadt Völklingen den Wettbewerb ausrichtet. "De Udo" nannte SR-Sprecher Peter Meyer folglich "em Meyer Gerd seiner" (Landesportverband-Präsident Gerd Meyer ist gemeint), womit auch dessen familiäre Zugehörigkeit geklärt wäre.

Hinter dem ungewohnt launigen Pressetermin steckt freilich Ernstzunehmendes. Ist der Mundartpreis, der im Zweijahres-Turnus stattfindet, doch bloß ein Indiz dafür, wie gut oder auch wie schlecht es um die Mundarten hierzulande steht. Zwar gibt es mittlerweile eine ganze Reihe von Preisen und Initiativen im Land wie etwa das seit 1993 ausgerichtete Mundartsymposion in der Bosener Mühle und zuletzt auch die Aktion "Rettet die Muddasprooch", die die heimischen Dialekte fördern wollen. Auch diverse Medien unterstützen dies. Der SR sendete etwa zum "Tag der Muddasprooch" am 21. Februar sogar den "Aktuellen Bericht" komplett "uff Platt". Mit einer Rekordquote; 120 000 Menschen sahen und hörten zu.

Dem freilich steht entgegen, dass Mosel- und Rheinfränkisch, die beiden im Saarland verbreiteten Regionalsprachen, auf der "Roten Liste" der Unesco stehen. Diese führt Sprachen auf, die zu verschwinden drohen. Deutlich wird das etwa daran, das bestimmte Mundartausdrücke, die noch vor ein, zwei Generationen im Saarland gängig waren, heute kaum noch verwendet werden.

Anlässlich der Aktion "Rettet die Muddasprooch" bat der SR via Saarlandwelle seine Hörer solche Begriffe zu nennen, die man "retten" wolle. Daraus ist ein Glossar mit 500 Wörtern entstanden, das im Internet (www.SR3.de) zu finden ist.

Die Texte, die für den aktuellen Mundartwettbewerb eingereicht werden, so Meyer, müssen wenigstes fünf Begriffe aus dieser Sammlung enthalten. Dazu gehören etwa "eschtamieren" (wertschätzen) oder auch "mayen" (ratschen, klatschen). Als Motto für die vierte Ausgabe des Preises hat man "miteinander" gewählt. Dabei kann miteinander reden, aber auch das Miteinander über die Grenze hinweg gemeint sein.

Das derzeitige Wiederaufblühen der Mundart - zumindest in manchen Bereichen - habe auch für ihn persönlich viel Gutes, meinte SR3-Moderator Eberhard Schilling zum Abschluss. Auf seinem Sender, der Saarlandwelle, strahlt der SR mittlerweile viele Mundartbeiträge aus. Als er vor 30 Jahren aber beim SR anfing, sagte Schilling, hätten seine Chefs zu seinen ersten Moderationsversuchen noch gesagt, "ganz schön, nur mit dem ‚ch' und dem ‚sch' müssen sie noch was tun". Jetzt aber sei wieder Mundart Trumpf, sagte Schilling lachend, "also geschiss uff ,ch' un ,sch'".


Zum Thema:

Auf einen BlickDer Mundartpreis wird in insgesamt drei Kategorien vergeben: Prosa, Lyrik und Kurztext. In jeder Kategorie gibt es je 500 Euro für den ersten, 300 Euro für den zweiten und 200 Euro für den dritten Preis. Zusätzlich erhalten die Preisträger Skulpturen: "Die Völklinger Platt" für Prosa, den "SR3 Lautsprecher" für Lyrik und den Wendalinusstein für den Kurztext. Zusätzlich stellt das Bildungsministerium für teilnehmende Schüler drei Preise (500 Euro, 300 Euro, 200 Euro) zur Verfügung. Und die Sparkassen Finanzgruppe prämiert den "coolsten Spruch". Das diesjährige Wettbewerbsmotto lautet "miteinander. Einsendeschluss ist der 30. September 2013. Weitere Infos zum Wettbewerb gibt es bei der VHS in Völklingen unter Tel. (0 68 98) 13 25 97. red