| 20:31 Uhr

Comedian gastierte in Saarbrücken
„Das Saarland ist das Monaco Deutschlands“

Atze Schröder zeigte sein Programm „Turbo“.
Atze Schröder zeigte sein Programm „Turbo“. FOTO: Iris Maurer
Saarbrücken. Comedian Atze Schröder gastierte am Sonntag mit seinem Programm „Turbo“ in der Saarlandhalle. Von Marko Völke

(mv) Ein Mann mit rosa Hemd, gegelten Haaren und einem Aktenkoffer steht auf der Bühne und hält einen Vortrag über den aktuellen Stand des Feminismus. Wer solch einen Comedian am Sonntag in der Saarbrücker Saarlandhalle erwartet hätte, der wäre enttäuscht gewesen. Denn diese Wandlung des sympathischen Ghetto-Frauenverstehers mit Schmalzlocken ist noch in weiter Ferne. Stattdessen zelebriert Atze Schröder auch nach 23 Jahren Karriere noch sein Underdog-Image – und das sehr erfolgreich.


Im Gegensatz zu seinem aktuelles Programm „Turbo“ zog es der Komiker vor, mit einem Fahrrad auf die Bühne in Form einer Formel-Eins-Werkstatt-Kulisse zu fahren. Er sang ein Loblied auf seine treuen Fans in der Region: „Das Saarland ist das Monaco Deutschlands. Und dazu stehe ich.“ Zur Freude des Publikums stellte er bereits nach wenigen Minuten fest: „Der Saarländer ist intelligenter als der Rest. Und ihr riecht auch besser.“

Dennoch gibt es ein wichtiges Thema, das den Ghetto-Master nervt: Alles muss nur noch „turbo“ sein – alles besser, höher, schneller. Perfektionswahn nonstop. „Ihr seid doch verrückt geworden“, ärgerte er sich über diese Entwicklung. Schließlich führe dieser Perfektionswahn zu einem Staat von Helikopter-Eltern und Turbo-Kapitalismus im Sport.

„Reiche Leute zeigen gerne ihr Geld“, erklärte Atze Schröder. Daher prahlen technikversierte Menschen auch gerne mit ihren nagelneuen Smartphones. Aber selbst wenn man mal kein Geld hat, sei dies kein Problem. Denn mangelndes Einkommen könne man immer noch mit einem Übermaß an Angeberei ausgleichen. So komme man prima durchs Leben, steht für die Kunstfigur fest, die der Komiker verkörpert.

Er freute sich über fitte Rentner und ärgerte sich über Rassisten, die keinen blassen Schimmer davon hätten, wie ein Flüchtling überhaupt lebe. Zudem berichtete er von seinen Erlebnissen in einem Duisburger Freibad und dem Besuch des St. Martins Umzuges mit dem Sohn der Waldorflehrerin Ute.



Genaugenommen spielt Atze Schröder nicht für das Ghetto. Er mag selbst „keine Asis“. Und bei Missbrauch reißt ihm der Geduldsfaden. Also doch ein Gentleman? Man weiß es nicht. Auch nach dem zweistündigen Programm mit zwei Zugaben schien eine Wandeung des Atze Schröder noch nicht in greifbarer Nähe. Aber was soll’s. Dem Publikum gefiel’s.