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Investor: Stadtbad-Umbau dauert bis Ende 2017

Das Fisch-Mosaik des Künstlers Fritz Zolnhofer wird der Blickfang einer Begegnungsstätte sein, die die Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt betreiben will. Fotos: Oliver Dietze
Das Fisch-Mosaik des Künstlers Fritz Zolnhofer wird der Blickfang einer Begegnungsstätte sein, die die Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt betreiben will. Fotos: Oliver Dietze
St. Johann. Die Arbeiten am alten Stadtbad laufen auf Hochtouren. Der Großteil der Wohnungen sei verkauft, sagt der Investor, der sich bei dem Umbau eng mit dem Landesdenkmalamt abstimmen muss. Das kostet viel Zeit. Der ursprüngliche Terminplan kann nicht mehr eingehalten werden. Markus Saeftel

Die Kinder der Kita Lebenshilfe spielen bereits im Freien, die Wohnungen darüber sind fertig. Ein paar Meter weiter ist das ehemalige Stadtbad aber noch eine riesige Baustelle. 22 Millionen Euro investiert die Altes Stadtbad Projekt GmbH, eine Tochter der Laux-Gruppe in Losheim, sagt Geschäftsführer Kurt Bauer. Aber der Termin, bis alles fertig ist, verschiebt sich erneut. Anfangs hieß es: Ende 2015 ist es soweit. Im Februar 2014 sagte Bauer in der SZ, es werde bis 2016 dauern, weil die Verhandlungen mit der Denkmalschutzbehörde zäh liefen. Jetzt verkündet er: "Ende 2017 ist alles fertig."

Woran liegt's, dass sich der Termin noch mal verschiebt? Bauer erklärt, dass erstens die Arbeiter ein komplett neues Fundament für das Gebäude mit Pfählen bis zu 25 Meter in den Boden bauen mussten. Und er verweist zweitens erneut auf das Landesdenkmalamt. Die Verhandlungen und Abstimmungen mit der Behörde in allen Bauabschnitten dauerten sehr lang, erläutert Bauer. Ein Streitpunkt war, was aus den Kesselhäusern wird, die wie große Teile des Stadtbads unter Denkmalschutz stehen. Nun gebe es einen Kompromiss. Die Kesselhäuser würden in Wohnungen integriert. Drei von vier Wohnungen hätten Interessenten hier bereits reserviert, erklärt der Geschäftsführer beim Rundgang über die Baustelle.

Axel Böcker, Referent für Saarbrücken beim Landesdenkmalamt, lobt dagegen die Zusammenarbeit mit Bauer. Bei den Kesselhäusern sei nicht mehr möglich gewesen, weil der Aufwand für den Investor nach dem Landes-Denkmalschutzgesetz "wirtschaftlich zumutbar sein muss". Das ist nach Ansicht Böckers der Fall. Trotz der Kesselsanierung seien die Erträge des Gesamtprojekts immer noch höher als die Kosten. Zwar wäre es schöner, wenn die Kessel in ein Gastronomieobjekt integriert worden wären, meint er. Doch dafür habe sich kein Pächter gefunden. Die Gaskessel stehen unter Denkmalschutz , weil von dort nach dem Zweiten Weltkrieg erstmals Kaufhäuser in der Bahnhofstraße mit Fernwärme versorgt und das Stadtbad beheizt wurde, sagt Böcker.

Trotz der vielen Gespräche mit den Denkmalschützern kommen die Bauarbeiten gut voran, meint Bauer. Die Wohnungen in den ersten beiden Bauabschnitten seien fertig und fast komplett bezogen. Der Dritte entstehe zurzeit an der Richard-Wagner-Straße, ebenso Bauabschnitt vier mit dem bekannten Mosaik des Künstlers Fritz Zolnhofer. Hier werde die Landesarbeitsgemeinschaft Pro Ehrenamt einziehen. Offen sei noch, wer die Tagespflegestation im Erdgeschoss von Bauabschnitt drei betreibt. Er verhandele zurzeit mit einem Unternehmen. Auch wer das 200 Quadratmeter große Bistro an der Mozartstraße führen wird, in dem die Bewohner auch Lebensmittel kaufen könnten, sei noch nicht entschieden. Trotzdem sagt Bauer: "Wir sind mit der Vermarktung fast durch. 10 von 110 Wohnungen sind noch zu haben." Zwischen 2300 Euro im Erdgeschoss und 3000 Euro pro Quadratmeter in den Penthouse-Wohnungen in den Obergeschossen müssen die Käufer zahlen. Bauer findet das nicht zu teuer. Damit liege er unter den Preisen anderer Objekte in Saarbrücken. Ins alte Stadtbad ziehen nach seinen Angaben vor allem Senioren, die ihre Häuser verkaufen und in Innenstadtnähe leben wollen oder die zunächst die Wohnung vermieten, um sie später selbst zu nutzen. Einige der Käufer könnten nach Absprache mit dem Landesdenkmalamt auch einen Teil des Kaufpreises dank der steuerlichen Abschreibungsmöglichkeit auf Denkmäler sparen. Barrierefrei seien die Wohnungen nicht. Doch über Aufzüge könnten Rollstuhlfahrer sie bequem erreichen, und es gebe begehbare Duschen ohne Stolperfallen.

Übrigens werden nicht nur die Kinder der Kita im Park am Stadtbad herumtollen. Voraussichtlich 2016 werde er verschönert, erklärt Bauer. Auch Passanten können ihn dann nutzen.


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Seit 2001 ist das Stadtbad St. Johann geschlossen. Dessen Tage waren gezählt, als der Stadtrat entschied, das Erlebnisbad Calypso zu bauen. Dafür verpachtete die Stadt die Parkhäuser für 50 Jahre an das Unternehmen Q-Park, was bis heute für viele Diskussionen sorgt. Die Befürworter des Calypso-Baus im Deutschmühlental argumentierten, die Sanierung des Stadtbads sei angeblich zu teuer. Seitdem steht das Stadtbad leer. Mehrfach scheiterte der Versuch der Verwaltung, einen Investor zu finden. Es dauerte bis 2012: Der Stadtrat beauftragte die Verwaltung, das Grundstück an die Laux-Gruppe in Losheim zu verkaufen. 2013 begannen die Bauarbeiten. sm

Die unter Denkmalschutz stehenden Kesselhäuser werden saniert und anschließend in Wohnungen integriert.
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Kräne, Gerüste und Bagger beherrschen die Baustelle. Wenn sie verschwunden sind, soll hier auch ein Hof entstehen.
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Blick von der Mozartstraße aus auf die Großbaustelle und die beiden Kesselhäuser.
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Dieses Mosaik in einer der Drei-Zimmer-Wohnungen musste ebenfalls erhalten werden.
Dieses Mosaik in einer der Drei-Zimmer-Wohnungen musste ebenfalls erhalten werden.