Massiver Gegenwind aus Burbach

Viele mögliche Nachbarn der bei Burbach geplanten Windräder sind stocksauer auf die Stadtverwaltung. Das wurde am Dienstagabend bei einer Informations-Veranstaltung im Bürgerhaus deutlich.

Auf Einladung von Bezirksbürgermeister Claus Theres stellten sich am Dienstagabend Saarbrückens Umweltdezernent Thomas Brück, Vertreter der Stadt und des Landesamtes für Umwelt und Arbeitsschutz (Lua) im Bürgerhaus Burbach den Fragen der Bevölkerung zum Windrad-Projekt bei Burbach . Eigentlich hätte auch Thilo Wemmer von der Windradfirma Duno-Air dabeisein sollen - er war aber krank geworden.

Duno-Air hat bei den Behörden die Genehmigungen für mehrere Windräder beantragt - unter anderem in Klarenthal und am Burbacher Pfaffenkopf. Und wenn die Behörden diese Anträge positiv bescheiden sollten, dann wäre es für Duno-Air gut, wenn das noch 2016 geschehen würde - weil bestimmte Windrad-Projekte nur noch 2016 von staatlicher Seite gefördert werden.

Beim Info-Abend machten viele Bürger deutlich, dass sie die Windräder rundweg ablehnen. Die Arbeitsmedizinerin Dr. Eva Bohr warnte eindringlich vor den Gefahren des Niederfrequenz-Schalls, den die Windräder erzeugen. Dieser Schall, so erklärte Bohr, schade der Gesundheit. Zum Beleg verwies Bohr auf Studien nach denen die Din-Norm für Lärmgutachten unbrauchbar ist. Bohrs Kernargument: Wenn Niederfrequenz-Schall nach der Din-Norm gemessen werde, dann lägen die Lärmquellen immer viel tiefer - also näher am Boden - als die Lärmquellen bei Windrädern. Joachim Sartorius vom Lua bestätigte Bohrs Zweifel an der Aussagekraft der Lärmprognose.

Problematisch könnten die Windräder auch für das Forsthaus Pfaffenkopf werden. 450 Meter Abstand, so hatte Thilo Wemmer von Duno-Air bei einer vorangegangenen Veranstaltung erklärt, seien hier nur einzuhalten - aber nach Messungen seines Unternehmens stünde die nächste Windkraftanlage in 497 Metern Abstand vom Forsthaus.

Dort lebt die Familie Wallacher - und sie sagt, Wemmer irrt, der Abstand sei deutlich geringer.

Jörn Wallacher ärgert sich aber auch über den Ablauf der Bürgerbeteiligung : "Einen Tag bevor das Thema auf der Tagesordnung des Umweltausschusses steht, und eine Woche ehe der Stadtrat das Einvernehmen dazu herstellen soll, kommen wir Betroffenen erst zu Wort."

Christdemokrat Andreas Neumüller will als Stadtratsmitglied dagegen stimmen, wie er auf der Versammlung ankündigte. Er fragte: "Es ist von einer Auslastung von 25 Prozent die Rede, lohnt sich das überhaupt?" Ihm sei das Gebiet um den Pfaffenkopf als Naherholungsgebiet wichtiger.

Klaus Dieter Bachmann aus Von der Heydt brachte einen weiteren Aspekt zur Sprache. Entlang der denkmalgeschützten Häuser Von der Heydts sollen im Zuge der Bauarbeiten rund 2000 Brummis vorbeibrausen.

Bachmann gab zu bedenken: "An der schmalen Straße gibt es keinen Bordstein, sie ist aber Schulweg." Das hält er für höchst gefährlich.


Klarenthaler fürchten um ihre Gesundheit

Bürgerinitiative gegen Windpark im Krughütter Wald warnt vor permanentem Lärm

Die Bürgerinitiative Gersweiler/Klarenthal gegen den Windpark im Krughütter Wald ist auf Jagd nach Unterschriften. Mehr als 700 sind bis jetzt zusammengekommen von Anwohnern, denen die geplanten Windkraftanlagen große Sorgen bereiten.

"Unser Anliegen ist es, Wind zu machen", sagt Gerhard Keuper. Der Rechtsanwalt erläuterte als Mitglied der "Bürgerinitiative Gersweiler/Klarenthal gegen den Windpark im Krughütter Wald" (BI) bei einer Bürgerversammlung am Dienstag die rechtlichen Hintergründe zur geplanten Dritteinwendung. Etwa 150 Bürger hatten sich dazu eingefunden.

Die Dritteinwendung ist gemeinsam mit einer Unterschriftensammlung Teil der Mobilmachung gegen das Genehmigungsverfahren, das derzeit für die drei geplanten Windräder läuft. Damit soll der Einspruch der Bürger gegen den Bau hörbar gemacht werden, der bis Juli 2017 abgeschlossen sein soll.

Die Anwohner befürchten wegen schädlicher Umwelteinwirkungen erhebliche Nachteile für die Gesundheit. Auf solche möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen und technische Details wiesen Christoph Braun und Birgit Grazdanow, Gründungsmitglieder der BI, in ihren Präsentationen am selben Abend hin. "Es sind sechs Fußballfelder, die weggerodet werden", so Grazdanow. 207 Meter hoch (Nabenhöhe 149 Meter) sollen die drei Windräder jeweils sein. Als Größenvergleich diente der Kölner Dom mit seinen fast 160 Metern Höhe. Der Durchmesser der Rotoren beträgt 116 Meter.

Eines der großen Probleme sehen die BI-Mitglieder darin, dass der Windpark mit einem Abstand von etwa 930 Metern viel zu nah am reinen Wohngebiet geplant sei. Hier drohten Gesundheitsschäden vor allem durch Infra- und tieffrequenten Schall. Hinzu käme permanenter Lärm mit 35 bis 39 Dezibel (entspricht einem Kühlschrankbrummen). Ab 2017 sei das "Windturbinen-Syndrom" im Leistungskatalog der Krankenkassen enthalten. Die Anlage sei auch wirtschaftlicher Unsinn, denn man lebe in einer windschwachen Region. Die Auslastung werde wohl bei 25 Prozent liegen.

Hier komme nun das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ins Spiel. Dies sehe vor, dass eine unprofitable Anlage dreimal so hoch wie eine profitable Anlage gefördert werde - allerdings nur bis Ende des Jahres. Ab dem 1. Januar seien dann nur noch profitable Anlagen oder solche mit Bürgerbeteiligung förderungsfähig. Darüber hinaus rechne man mit massivem Wertverlust der Immobilienpreise von bis zu 40 Prozent. "Wir denken, man muss sich wehren", so die Einschätzung von Birgit Grazdanow. Ziel sei es, das Genehmigungsverfahren der für den Bau der Windkrafträder zuständigen Firma Duno-Air bis Ende des Jahres zu verhindern. Denn der Eindruck herrsche vor, dass das niederländische Unternehmen die Anlage bis zum 31. Dezember "durchdrücken" wolle, um die Förderung sicherzustellen. Für weiteren Unmut sorgte zusätzlich "unsauberes und untransparentes" Arbeiten während der Planungs- und Genehmigungsphase. Eines der Räder solle zum Beispiel in eine Böschung gebaut werden.

Erst vor knapp vier Wochen sei man im Rathaus offiziell über die Planungen informiert worden, so Ralf Schneider, ebenfalls BI-Gründungsmitglied. Dennoch habe man in der Zwischenzeit schon einiges erreicht. Mehr als 700 Unterschriften habe man gesammelt, etwa 100 Bürger hätten bereits die Dritteinwendung unterzeichnet - alleine am Dienstagabend.