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Was macht das Internet mit uns?: Die Warnung am Ampelmast

Was macht das Internet mit uns? : Die Warnung am Ampelmast

Was stellt das Internet mit uns an? Macht es unser Leben kaputt, macht es uns unglücklich? Das nicht, aber manchmal kann’s einem durchaus den Abend vermiesen.

Gestern habe ich ihn wieder gesehen. Es war an einer Fußgängerampel. Dort hängt er seit einiger Zeit am Ampelmast. Er, das ist ein Aufkleber, auf dem die schlagkräftige Parole „Das Internet zerstört Dein Leben“ steht.

Jedes Mal, wenn ich das lese, muss ich lächeln. Aber ich beginne auch tatsächlich jedes Mal, darüber nachzudenken, dass das Internet einen ganz schön großen Platz in meinem Alltag einnimmt. Dass es mein Leben zerstört, scheint mir dann aber doch eine etwas zu steile These zu sein.

Zuhause angekommen setze ich mich erstmal an den Laptop, um nach einem Rezept fürs Abendessen zu suchen. Eigentlich wollte ich danach sofort aufstehen und kochen, entschied mich aber, noch zwei Minuten bei Facebook vorbeizuschauen. Etwa eine Stunde, 400 Urlaubsfotos und 60 mäßig witzige Tiervideos später knurrte mein Magen noch immer. Aber statt den Computer endlich auszumachen, hab’ ich mir den Post eines Freundes angesehen. Er hat eine Studie der Uni Innsbruck geteilt, die zu dem Ergebnis kommt, dass Facebook unglücklich macht. Wieso? Nun ja, unter anderem, weil es uns den Eindruck vermittelt, dass alle anderen immer im Urlaub seien, während wir eigentlich immer arbeiten.

Aber mal ehrlich: Facebook hat auch seine guten Seiten. Immerhin erfährt man hier so interessante Dinge wie beispielsweise, dass Facebook unglücklich macht. Wer jetzt an dieser Stelle denkt, die Katze beißt sich in den eigenen Schwanz, dürfte nicht ganz falsch liegen.

Nachdem ich mir die Studie zu Gemüte geführt hatte, war’s zum Kochen auch zu spät. Und während ich stattdessen unzufrieden eine Banane esse, erinnere ich mich an den Aufkleber. Zerstört das Internet womöglich tatsächlich mein Leben? Eher nicht. Aber es kann mir zumindest den Abend vermiesen. Die Botschaft hat also durchaus ihre Berechtigung. Sie ist etwas überzogen. Aber wer nicht übertreibt, wird schließlich oftmals überhört.