| 20:48 Uhr

Insekten
Exoten im Saarland

Das Zentrum für Biodokumentation in Landsweiler-Reden beherbergt viele präparierte Tiere aus aller Herren Länder – darunter eine umfangreiche Sammlung von Schmetterlingen aus südlichen Gefilden.

In einem großen Raum stehen Jahrzehnte alte, braune Schränke mit Holzkästen darin. Noch viel mehr dieser Kästen stecken in mehr als drei Meter hohen, fahrbaren Archivregalen an der Wand gegenüber. Die vorherrschende Farbe ist von Neonröhren beschienenes Grau. Tageslicht: Fehlanzeige.


Eine Umgebung, die einen nicht unbedingt an gleißenden Sonnenschein, tropische Temperaturen und grünen Regenwald denken lässt. Der Blick durch die Glasdeckel der Kästen offenbart dann allerdings viel Spannendes, sogar Exotisches. Und das häufig farbenfroh und bunt. Neben einer umfangreichen Sammlung einheimischer Schmetterlinge (die SZ berichtete) lagern hier etwa 340 000 Exemplaren und zirka 9300 Arten aus den Tropen.

Die Basis dieser in Präparaten vergegenständlichten Sammlerleidenschaft bilden die exotischen Falter aus der Sammlung von Werner Marten. Er hat zusammen mit seinen Sammlerkollegen die Tag- und Nachtfalter in Südbrasilien, Bolivien, Surinam und Kolumbien erkundet. Von 1915 bis 1928 haben sie etwa 45 000 Exponate von 5000 Artengesammelt. „Sie waren im Urwald unterwegs, da wo sich inzwischen Megacitys wie São Paulo oder Rio de Janeiro ausgebreitet haben. Insofern dokumentieren solche Sammlungen Zustände in längst vergangenen Zeiten, die es heute nicht mehr gibt.“, sagt Andreas Werno. Er ist der Experte im Zentrum für Biodokumentation des Umweltministeriums in Landsweiler-Reden.



Der Bestand an exotischen Schmetterlingen vergrößerte sich mit der Sammlung von Eduard Diehl erheblich. In den Fünfzigern und Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts lebte er auf Madagaskar, in Saudi-Arabien und auf Sumatra. Von dort aus sendete er zahlreiches Belegmaterial nach Saarbrücken. Seine Ausbeute waren ungefähr 20 000 Tiere.

Die hohe Zeit des Schmetterlingsammelns im Saarland begann mit Gustaf de Lattin. Der 1913 in Antwerpen Geborene hatte in Berlin und Braunschweig Zoologie, Botanik und Genetik studiert. 1960 wurde der 47-Jährige zum ordentlichen Professor für Zoologie an der Universität des Saarlandes berufen. De Lattin erforschte die Systematik und Genetik der Lepidopteren – lateinisch für Schmetterlinge. Zu diesem Zweck trug er eine umfangreiche Sammlung zusammen, die in Deutschland einmalig ist.

Die erwähnten Insektenkundler brachten einen Großteil der über 200 Typen mit, die heute in Reden liegen. Ein Typ ist das wertvolle Exemplar einer Tierart, anhand dessen die Art erstmals beschrieben wird.

Im Laufe der Jahrzehnte sind immer wieder weitere Sammlungen dazu gekommen. Andreas Werno  kümmert sich darum, dass die sie nicht nur verwaltet werden. Zigtausende Exemplare sind noch nicht erfasst. Viele müssen noch präpariert und geordnet werden. In den Kästen schlummern etliche unbestimmte Arten, die noch nicht bekannt sind, aber schon ausgestorben sein können. „Es ist ein wichtiger Teil unseres kulturellen Erbes“, sagt Werno.