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Bald sollen in Saarbrücken wieder alle Brunnen sprudeln

Saarbrücker Stadtbild : Bald sollen wieder alle Brunnen sprudeln

Sobald kein Nachtfrost mehr zu befürchten ist, beginnt in Saarbrücken die Springbrunnensaison. Dann dürfen die Fontänen wieder munter tanzen und die Bürger erfreuen.

So was hat nicht jeder Brunnen in Saarbrücken! Schwergewichtige „Hüte“ aus Kupfer beschützen die sechs kleineren runden Becken der Stengelanlage im Winter vor den Unbilden des Wetters und potenziellen Vandalen. Da mussten in dieser Woche schon vier starke Männer des städtischen Grünamts mit einem Kranwagen anrücken, um die Bassins von den Winterhüten zu befreien und sie bereit zu machen für die neue (Spring-)Brunnensaison.

Die beginnt in der Regel Mitte März, je nach Witterung auch schon einmal später: Nachtfröste sollten nicht mehr drohen. Um Ostern herum oder auch erst danach sollen peu à peu alle Brünnlein im Stadtgebiet wieder fließen, sprudeln und gurgeln können, sagen städtische Mitarbeiter.

Die haben bis dahin noch ganz schön viel zu tun. Die Sache mit den Brunnen ist überhaupt recht kompliziert. Wie viele Brunnenanlagen es in Saarbrücken insgesamt gibt? So ganz genau konnte das noch keiner sagen. Was vielleicht auch daran liegt, dass es nicht eine einzige Person oder Behörde gibt, die für alle Brunnen in der Stadt zuständig ist. Sogar innerhalb der Stadtverwaltung ist die Zuständigkeit für die Brunnenanlagen auf zwei verschiedene Ämter aufgeteilt.

Um alle Brunnen und Wasserbecken, die in öffentlichen Grünanlagen liegen, kümmert sich das Grünamt, um Brunnen im öffentlichen Verkehrsraum das Straßenbauamt. Letzteres hat nach eigenen Angaben 17 Brunnenanlagen unter seiner Regie, das reicht vom Stengelbrunnen auf dem St. Johanner Markt, dem Wahrzeichen und wohl bekanntesten Brunnen Saarbrückens, bis hin „Zum kühlen Brünnchen“ im Stadtteil Altenkessel, das Anwohner schon mit Gießkannen leerschöpften, weil sie es für eine natürlich sprudelnde Quelle hielten.

Um die 20 bis 25 Brunnenanlagen muss wiederum das Grünamt nach eigener Auskunft reinigen,warten und reparieren. Zu ihnen gehören Schwergewichte wie die Wasserwand samt Teich im Bürgerpark auf der Hafeninsel, die Fontäne im Deutschmühlenweiher nebst Wasserorgel und weiterer Brunnenanlagen im Deutsch-Französischen Garten, und eben die 2019 restaurierte Stengelanlage mit ihren sechs kleinen und einem großen Springbrunnen.

Auf der Top-Liste der aufwändigsten Brunnen wären damit fürs Grünamt Platz eins bis drei besetzt. Das Abnehmen der Kupferhüte und das Auskehren der Becken der Stengelanlage war dabei nur die erste Etappe, um diese Springbrunnen saisonal wieder in Betrieb zu nehmen. Nach der Grob- und Feinreinigung muss noch die Regeltechnik geprüft werden. Nahezu alle Brunnenanlagen würden laut dem zuständigen Mitarbeiter des Straßenbauamts nämlich nicht von einer Quelle gespeist so wie der kleine Franzenbrunnen, sondern mittels einer (Umwälz-)Pumpe betrieben, die das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf hält.

Diese Systeme sind durchaus empfindlich – und wartungsintensiv. Nicht allein, dass sie durch Schmutz, Steine, Blätter, Scherben verstopfen können und dann die Pumpe stoppt, weshalb etwa die Düsen auf dem Landwehrplatz jede Woche gesäubert werden müssen. Schon ein Werbeprospekt, der in einem Wasserbecken lande und sich auflöse, oder auch ein einziges Brötchen könnten dafür sorgen, dass das Wasser grün werde und umkippe, erklärt der Brunnenfachmann vom Straßenbauamt. Das führe zum Beispiel beim Schad-Brunnen in der Bahnhofstraße dazu, dass jede Woche 20 Kubikmeter verunreinigtes Wasser in den Kanal geschüttet werden müssten.

Dem Schad-Brunnenwasser wird Algenverhinderer zugesetzt, das Wasser der Stengelanlagen-Becken erhält als Zusatz Aktivsauerstoff und wird sogar alle 14 Tage gewechselt. „Öffentliche Brunnenanlagen sind ein hohes Kulturgut, deren Erhaltung und Bewahrung viel Mühe und Kosten verursacht“, so ein Grünamts-Mitarbeiter, der weiß, wovon er spricht und sich vor allem eines wünscht – dass die Saarbrücker und ihre Gäste sie wertschätzen.