1. Saarland
  2. Saarbrücken

Ausstellung im Stadtarchiv Saarbrücken widmet sich Burbach

Neue Ausstellung im Stadtarchiv : Einblicke in Burbachs bewegte Geschichte

Eine Ausstellung im Saarbrücker Stadtarchiv widmet sich der wechselvollen Entwicklung des Stadtteils und seiner Bewohner.

Ein ganzes Füllhorn an historischen Fotografien, Dokumenten, Texten und Objekten haben die Mitarbeiter des Stadtarchivs Saarbrücken über den Stadtteil Burbach zusammengetragen und präsentieren die Ergebnisse derzeit in der Ausstellung „Burbacher Gold. Kohle, Stahl und Eisenbahn. Ein Stück Saarbrücker Stadtgeschichte“. Sie nähren damit selbst bei eingefleischten Saarbrückern den Eindruck, diesen Stadtteil immer noch zu unterschätzen.

Die Ausstellungen im Saarbrücker Stadtarchiv sind häufig nur ein Teil der Recherchearbeiten zu einem Thema. So auch diesmal, denn zusätzlich zur Ausstellung wurde auch eine umfangreiche Publikation zum Thema Burbach erarbeitet, und es werden in den nächsten Wochen diverse Rundgänge zu Burbacher Themen angeboten.

Aber auch die Ausstellung selbst ist ein lohnendes Ziel, zu dem man jedoch viel Zeit mitbringen sollte. Denn die Präsentation befindet sich diesmal in der ersten Etage in einem weit größeren Raum.

Und dann hat sich Ruth Bauer, Kunsthistorikerin im Stadtarchiv und Kuratorin der Ausstellung, viele Monate in das Thema Burbach vertieft und bald Hunderte von Dokumenten zusammengetragen und auch viele Texte zu den Objekten verfasst. Ausgehend vom „Burbacher Stern“, der großen Verkehrsinsel mitten in Burbach, die zu Beginn der Ausstellung auf dem Boden abgebildet wurde, werden die Besucher auf die verschiedenen Themen hingewiesen.

Die Präsentation beginnt chronologisch mit historischen Karten der Waldstücke in Von der Heydt, dann führt sie in das Jahr 1856 zur Gründung der Burbacher Hütte.  „Wir haben uns in der Ausstellung auf die sozialgeschichtliche und städtebauliche Entwicklung von Burbach konzentriert“, erklärt Ruth Bauer. Und fügt hinzu, dass sie sehr froh ist über die persönlichen Dokumente der Familie Peitz, die dem Archiv überlassen wurden. „Der Vater Nikolaus hatte sein ganzes Leben in der Hütte gearbeitet, und die Familie hat uns alles übergeben“, erläutert Bauer.

Daher kann man das Arbeiterleben in Burbach anhand von persönlichen Dokumenten bestens nachvollziehen. Ob Gesellenbrief, Urkunden, Verdienstkreuz oder auch Fotografien, die Familie Peitz bildet einen kleinen roten Faden in der Ausstellung. Darunter ist das Lieblingsobjekt der Kunsthistorikerin. „Es ist der handgeschriebene Zettel der Kinder an ihren Vater, dass sie zur Evakuierung das Haus verlassen haben. Das ist sehr berührend“, erzählt Ruth Bauer.

Neben dem sozialen Leben mit all seinen Facetten, wie die Bedeutung der Kirchen, werden auch der politische Widerstand, die Geschäftswelt und die städtebauliche Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg thematisiert. Und gerade hier beeindrucken Fotos von Delikatessen- und Pelzgeschäften, die zeigen, dass Burbacher auch zu Wohlstand kamen. Und die Unterlagen der Wohnanlagen hinter dem Ausbesserungswerk oder in der Ottstraße belegen, dass die Architekturen des Stadtteils durchaus qualitativ und innovativ sind.

Daneben werden Burbacher Biographien vorgestellt, wie die des Autors Hans Bernhard Schiff, der Sängerin Ingrid Caven oder von Liesel Althaus, die fast 100 Jahre in Burbach lebte.

Der Burbacher Bahnhof war zur großen Zeit der Bergwerke und Hütten eine der wichtigsten Stationen im Land. Das ist vorbei – trotz des Umbaus für rund 2,4 Millionen Euro Anfang des vorigen Jahrzehnts. Foto: Sammlung Niedermeier

Auch das moderne heutige Burbach kommt in der Ausstellung nicht zu kurz. Der Strukturwandel auf den Saarterrassen oder dem Innovationscampus wird ebenfalls  dokumentiert, auch die Migration ist ein Thema. „Alle Menschen aus Burbach, mit denen ich während der Recherche geredet habe, leben gerne dort, sie mögen ihren Stadtteil und loben den sozialen Zusammenhalt“, betont Ruth Bauer. Der Stadtteil bietet eben sehr viele Facetten. Und die kann man nun dank Ausstellung und Buch als „Burbacher Gold“ schätzen.