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Bezirksbürgermeister Daniel Bollig
„700 Lkw packen die Straßen nicht“

Bezirksbürgermeister Daniel Bollig vor seinem Lieblingsplatz, dem alten Rathaus in Ensheim.  Fotos: Robby Lorenz
Bezirksbürgermeister Daniel Bollig vor seinem Lieblingsplatz, dem alten Rathaus in Ensheim. Fotos: Robby Lorenz FOTO: SZ/Lorenz / Robby Lorenz
Saarbrücken. Heringsmühle, DB Schenker, Kita-Erweiterung: Bezirksbürgermeister Daniel Bollig  brachte viele Themen mit ins Redaktionsgespräch. Von Nina Drokur

DB Schenker kommt nicht nach Ensheim, jedenfalls nicht, wenn es nach Bezirksbürgermeister Daniel Bollig (CDU) geht. Im Redaktionsgespräch sprach er über seine Ideen für den Stadtteil im Saarbrücker Osten. Er freue sich zwar, wenn das Logistikunternehmen einen geeigneten Standort in der Landeshauptstadt finden würde, „aber den Standort für ein Transportunternehmen so auf den Berg zu setzen, das würde ich nicht machen“.


Bolligs größte Bedenken liegen in der Beschaffenheit der Straßen, die zum Gewerbegebiet nördlich des Flughafens führen. DB Schenker Logistik will einen sogenannten Hub, einen Umschlagsplatz, für den südwesteuropäischen Raum bauen und von Güdingen nach Ensheim umsiedeln. 700 Lkw sollen für das Unternehmen durch Europa fahren. „Die Straßen sind für einen solchen Lkw-Verkehr nicht tragfähig“, sagt der Bezirksbürgermeister im SZ-Gespräch.

Als die Fechinger Talbrücke aufgrund statischer Mängel gesperrt war, sei er oft vor Ort gewesen. „Aus dieser Erfahrung und nach meiner Einschätzung halten die Straßen das nicht aus.“ Auch in der zu geringen Breite sieht der Bezirksbürgermeister ein Problem für den Verkehrsfluss.



Außerdem: Rund 40 Prozent der Lkw fahren Richtung Heringsmühle, sagt Bollig. Dort ist seit Mai vergangenen Jahres ein neuer Kreisel im Bau. Für dessen Planung habe es im Vorfeld Verkehrssimulationen gegeben „Die haben zwar in die Zukunft geplant, aber ohne ein Logistikunternehmen.“ Er sei nicht sicher, ob der Kreisel einen solchen Zusatzverkehr halten könne. „Und dann heißt es nachher, die Stadt hat für eine Million einen Kreisel geplant und der Stopfen ist dennoch da.“

Der Bau des Kreisels an der Abzweigung von der Provinzialstraße in die Straße An der Heringsmühle sei bereits gut vorangeschritten. Allerdings werde er etwas teurer als geplant – rund 100 000 Euro soll er mehr kosten. Grund: Zusätzlich zum Kreisel sollte der Hang an der Felswand abgesichert werden. Allerdings seien dort Hohlräume gefunden worden, die sich Bürger im Zweiten Weltkrieg zum Schutz gebaut hätten. Dort müsse nachgesichert werden, sagt Bollig.

Den Kreisel sieht er dennoch als gute Investition. „Viele Lkw fahren zur Tankstelle, die gleichzeitig auch Mautstelle ist, und müssen dann auf der Straße wenden. Auch Privat-Pkw sieht man immer wieder bei wilden Wendemanövern.“ Der Kreisel, sagt Bollig, wird mehr Sicherheit bringen.

Gebaut wird bald auch auf dem ehemaligen Gelände der Firma Hager. Die Familie habe die Fläche von den Industriebauten befreit, auf der gewonnenen Fläche soll nun ein Wohngebiet entstehen, sagt Bollig. Für Einkaufsmöglichkeiten wäre der Platz nicht groß genug gewesen. Deshalb sollen es jetzt Ein- bis Zweifamilienhäuser mit einem Grundstückspreis von 200 Euro pro Quadratmeter werden. „Ensheim soll noch mehr Bevölkerung bekommen.“

Der Zuwachs an Bevölkerung bringt auch mehr Kinder. Die Ensheimer Kindertagesstätte Am Wickersberg erfreut sich schon jetzt großer Nachfrage. Deshalb wird sie in Schnellbauweise erweitert. Das Geld dafür kommt über das sogenannte Ü-3-Sofortprogramm vom Land. Zwei neue Kindergartengruppen sollen so geschaffen werden. Die Erweiterung habe aber auch eine negative Seite, sagt Bollig. Schon jetzt beschweren sich Anwohner über den Verkehr, außerdem parken viele Eltern Einfahrten zu, berichtet Bollig.

Daniel Bollig, Bezirksbürgermeister des Bezirks Halberg, beim Redaktionsgespräch in der SZ.
Daniel Bollig, Bezirksbürgermeister des Bezirks Halberg, beim Redaktionsgespräch in der SZ. FOTO: Robby Lorenz